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Analyse
Fluglärmkommission lehnt mehr Starts ab

Analyse: Fluglärmkommission lehnt mehr Starts ab
Der Flughafen plant seine zweite Startbahn flexibler nutzen zu können. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Das Gremium der mit dem Flughafen verbundenen Gemeinden, in dem auch die Airlines vertreten sind, ist gegen die geplante Kapazitätserweiterung. Die Fluglärmkommission hat aber nur beratende Funktion. Das Genehmigungsverfahren geht normal weiter. Von Thorsten Breitkopf

Auf Antrag der Städte Meerbusch, Kaarst und Tönisvorst hat die Fluglärmkommission des Düsseldorfer Flughafens erneut über die geplante Ausweitung der Zahl von Starts und Landungen pro Stunde beraten. Zu Beginn der Sitzung referierten Mitarbeiter des Flughafens vor den Mitgliedern und stellten die Pläne des Airports vor.

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Dieser will unter anderem die Zahl der Flugbewegungen pro Stunde von 47 auf 60 erhöhen. Anschließend stimmten die Kommissionsmitglieder mehrheitlich gegen den Antrag. So votierten zwölf der 20 Mitglieder gegen die Kapazitätserweiterung. In der Fluglärmkommission sind die Bürgermeister der Umlandgemeinden vertreten, aber auch die Airlines und der Flughafen selbst.

Nach Informationen unserer Redaktion stimmten die Städte Düsseldorf, Neuss und Willich für die Kapazitätserweiterung, außerdem die Vertreter des Flughafens, der Lufthansa und Air Berlin, es gab zwei Enthaltungen. "Die Nachfrage der Airlines und die technischen Kapazitäten des Flughafens können nicht alleinige und entscheidende Messlatte für die Erweiterungspläne sein, sondern entscheidend ist die Belastung der Bevölkerung, bei der die Zumutbarkeit bereits jetzt überschritten ist", sagte Thomas Goßen, Bürgermeister der Stadt Tönisvorst und Vorsitzender der Flughafenkommission. Ohne effektive und verbindliche Verbesserungen in den Nachtstunden ab 22 Uhr könne es keine gemeinsame Basis geben, sagte der Politiker.

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Konkret plant der Flughafen, seine zweite Startbahn flexibler nutzen zu können. Derzeit darf er das nur zu 50 Prozent der Tageszeit und muss die Nutzung obendrein eine Woche im Voraus anmelden. "Die Fluglärmkommission befürchtet, dass dadurch eine höhere als die derzeit erlaubte 50-prozentige Nutzung der Ersatzbahn möglich wird mit entsprechender Belastung der Bürger", teilte die Stadt Tönisvorst gestern stellvertretend mit.

Thema ist auch die Nachtflugregelung gewesen, die von der Fluglärmkommission kritisiert wird, weil sie zu viele Ausnahmen habe. Aktuell sind Starts zwischen nachts 22 und 6 Uhr morgens nicht erlaubt. Die so genannte Off-Blocks-Regelung regelt aber, dass Maschinen, die ihre Parkposition verlassen haben, als gestartet gelten - unabhängig davon, um wie viel Uhr sie tatsächlich abheben. Entfernt man vor 21.49 Uhr die Blöcke vor dem Bugrad, ist die Maschine theoretisch "off-blocks" und darf - ohne weitere Genehmigung der Bezirksregierung - noch nach 22 Uhr starten.

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Für die so genannten Homebase-Carrier gilt das Nachtflugverbot eingeschränkt. Sie dürfen bis Mitternacht und ab 5 Uhr morgens landen. Homebase-Carrier sind die Luftfahrtunternehmen, die am Düsseldorfer Flughafen einen anerkannten, örtlichen Wartungsschwerpunkt haben. Derzeit besitzen sieben Fluggesellschaften anerkannte Wartungsschwerpunkte in Düsseldorf. Die Kommission fordert jetzt, beide Regelungen - Off-Blocks und Homebase-Carrier - zum Schutze der Nachtruhe abzuschaffen.

Die Ablehnung der Kapazitätserweiterung und die Forderungen haben aber allenfalls symbolischen Charakter. Denn die Fluglärmkommission ist ein ausschließlich beratendes Gremium. Ob in den Spitzenzeiten bald 60 statt 47 Flugzeuge pro Stunde landen, ist am Ende die Entscheidung des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums. Wann diese Entscheidung fällt, ist noch nicht abzusehen.

Allerdings deutete NRW-Wirtschaftsminister Michael Groschek im Januar ein positives Votum an. "Wir brauchen einen starken, leistungsfähigen Flugverkehr. Das muss sich in konkreter Politik umsetzen", sagte der SPD-Politiker beim Neujahrsempfang des Flughafens. "NRW wäre schlafmützig, würden wir nicht versuchen, die schneckenhafte Baustelle in Berlin für uns zu nutzen", so Groschek. Die Flughäfen müssten wachsen, auch wenn lärmgeplagte Anwohner das anders sähen.

Quelle: RP
 
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