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Geschichten vom Düsseldorfer Flughafen
Vom Himmel zur Erde: Willkommen daheim

Geschichten vom Düsseldorfer Flughafen: Vom Himmel zur Erde: Willkommen daheim
Rote Rosen für Marina: Marcel Ritzmaier, Fußballer beim PSV Eindhoven, holt in Düsseldorf seine Liebste ab. Die beiden führen eine Fernbeziehung. FOTO: Endermann Andreas
Düsseldorf. Rührende Augenblicke gibt es am Flughafen viele. In der Ankunftshalle kullern vor allem Freudentränen. Drei Geschichten, wie sie täglich in Düsseldorf passieren. Von Nicole Kampe und Andreas Endermann (Fotos)

Ein bisschen ist es so, als würde man beim Konzert ganz vorne stehen, dort, wo die Absperrungen aufgebaut sind. Wer den besten Platz will und die beste Sicht, der muss früh kommen. Der 13 Jahre alte Luis hat so einen Platz, in seiner Hand hält er das Smartphone, die Kamera ist eingestellt. Er und sein kleiner Bruder Piet (8) versuchen, sich über die Absperrung zu lehnen, einen Blick hinter die Milchglasfenster zu werfen. Sehen können sie nichts, so sehr sie sich auch verbiegen.

Jedes Mal, wenn sich die Automatik-Tür öffnet, machen ihre Herzen einen kleinen Hüpfer. Dutzende Male lässt Luis nach ein paar Sekunden die Hand, in der er das Handy hält, enttäuscht wieder sinken. "Bis die Transportboxen da sind, dauert es immer ein bisschen", sagt Stefanie Richter von der Tierschutzorganisation Streunerherzen. Luis und Piet warten auf ihren Hund, aus Langenfeld sind sie mit Mama Sally und Papa Ralf zum Flughafen gekommen, um das neue Familienmitglied zu empfangen. "Polly oder Luna soll sie heißen", sagt Luis. "Wir wollen schauen, welcher Name besser passt", ergänzt Sally. Am Vorabend hätte der Mischling eigentlich schon landen müssen, Probleme hat es aber gegeben auf Sardinien. Die Airline wollte die Tiere nicht mitnehmen, das ist eine lange Nacht gewesen für Familie Franz.

Kommt sie jetzt? Luis (l.) und Piet warten auf die Familienhündin. FOTO: Endermann Andreas

Gemeinsam haben die Menschen vermutlich nicht viel, nur eines verbindet sie: das Warten

Da ist sie endlich! Über den Namen ist auch entschieden: Willkommen, Polly! FOTO: Endermann Andreas

Immer wieder guckt sie auf die Uhr, auf die Monitore, die von Decken oder an Säulen hängen. Wie so viele an diesem Tag im Ankunftsbereich. Manche vertreten sich die Füße, gehen auf und ab, andere suchen sich einen Sitzplatz, rauchen oder holen Kaffee. Gemeinsam haben die Menschen vermutlich nicht viel, nur eines verbindet sie: das Warten. Juliana Epp vertreibt sich die Zeit mit ihrem Mobiltelefon, sie tippt auf dem Bildschirm rum. "Sie hat mir geschrieben, als sie in Paris zwischengelandet ist", sagt Juliana.

Die 24-Jährige ist ähnlich aufgeregt wie Familie Franz, einen Hund aber erwartet sie nicht. Zu lang hat sie ihre große Schwester nicht mehr gesehen. "Esther lebt in den USA, Columbus, Ohio", sagt Juliana, die ein paar rosafarbene Blümchen mitgebracht hat. Hibbelig wird Juliana langsam, die aus Paderborn kommt, aber in Bonn studiert. Immerhin zeigt der Monitor jetzt an, dass das Gepäckband läuft. Es sind diese Minuten, die zwischen der Landung und der endgültigen Ankunft liegen, Juliana Esther endlich drücken kann - der Moment ist nah, so nah, doch die Sekunden dauern ewig.

Zwei Wochen will Esther bleiben in Deutschland, dann wird sie wieder zurück müssen, "die Arbeit", erzählt Juliana. Die Schwestern haben sich vorgenommen, sich mindestens einmal im Jahr zu besuchen. 2016 war Juliana in den Staaten, jetzt kommt Esther. Mal wartet Juliana, mal Esther. Egal auf welcher Seite der Milchglasfenster man steht, "es ist immer aufregend", sagt die 24-Jährige. Ein bisschen zerknautscht sieht der Kapuzen-Pulli der Frau dann aus, die den Gang herunterkommt und einen Koffer hinter sich herzieht. Der Pferdeschwanz ist zerzaust, Juliana strahlt. Die beiden umarmen sich fest.

"Fernbeziehungen sind nicht einfach"

Marcel Ritzmaier huscht an den Schwestern vorbei, auch er hat Blumen mitgebracht. Keine rosafarbenen, sondern rote. Rosen, einpackt in durchsichtige Folie, die in Ritzmaiers Hand knistert. Er bringt immer etwas mit, sagt der 23-Jährige, "aber nicht immer Blumen". Für Marina, seine Freundin, die in Österreich lebt. Im Mai sind die beiden drei Jahre zusammen, im Moment führen sie eine Fernbeziehung. Marcel ist Profi-Fußballer, spielt für den PSV Eindhoven. In den Niederlanden lebt er, zwei Mal im Monat versuchen sich Marina und Marcel zu sehen. "Es ist nicht einfach", sagt er im Gehen. Ausschau hält Marcel nach Marina, sie hat angerufen, an einem anderen Ausgang ist sie diesmal rausgekommen. "Das Wiedersehen ist jedes Mal toll", sagt Marcel, die Vorfreude, die Zeit, die sie miteinander verbringen. Marcels Schritte werden schneller, er weicht einem Kofferwagen aus und scheint ein Ziel anvisiert zu haben. Marina, die sich riesig freut, über die Blumen und Marcel natürlich. Einen Kuss gibt es zur Begrüßung, und schon sind die beiden weg. Zeit bleibt ihnen nicht viel bis zum Abschied.

Während die Menschen kommen und gehen am Flughafen, gibt es eine Gruppe, die noch immer wartet. Familie Franz aus Langenfeld. Plötzlich wird es hektisch, Stefanie Richter lotst eine Frau mit Gepäckwagen in eine ruhige Ecke. Kaum Zeit bleibt Luis, ein Foto zu schießen, er hält einfach drauf. In einer der Boxen sitzt der Mischling, vier Hunde und eine Katze sind aus dem Tierheim in Italien diesmal nach Deutschland gebracht worden. Vorsichtig kniet die Familie vor dem Gitter einer Plastikkiste, sie will nicht zu laut sein, den Hund nicht erschrecken. Viel kennen die Tiere nicht, keine Fliesen, keinen Grashalm. Die Strapazen der Reise kommen hinzu. Sally Franz hat Tränen in den Augen, ihr Mann Ralf streckt der Hündin die Hand hin. Sie legt ihren Kopf hinein. Die Familie ist sich sicher: Das ist eine Polly.

Quelle: RP
 
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