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Düsseldorf
685 Mal den Hintern platt gesessen

Düsseldorf. Im Kommödchen wird das Stück "Couch" zum 685. Mal aufgeführt. Seit der Uraufführung ist das Ensemble unverändert. Für uns haben sich Christian Ehring, Maike Kühl und Heiko Seidel fotografieren lassen - exakt wie vor zehn Jahren. Von Regina Goldlücke

"Der eine Fuß hier, der andere da", sagt Christian Ehring und verdreht seine Beine. "Was habe ich denn gemacht", grübelt Heiko Seidel und bringt sich in Stellung. "Wie gucken wir denn?", fragt Maike Kühl. "Wir lachen, oder?" Fototermin im "Kom(m)ödchen", wo am 1. September der zehnte Geburtstag von "Couch. Ein Heimatabend" gefeiert wird. Zur Feier der dann 685. Vorstellung hat sich das seitdem unveränderte Ensemble für uns noch einmal ablichten lassen. Und zwar genau so wie auf den Fotos, die damals vor der Uraufführung gemacht wurden. Und alle drei strengen sich nun mächtig an, ihre einstige Position einzunehmen.

Stillvergnügt betrachtet Kay Lorentz, der "Kom(m)ödchen"-Chef, die Szene und erinnert sich: "Das Programm hat damals eine neue Ära eingeleitet. Nachdem das vorherige nicht sehr erfolgreich war, setzten wir neu an. Die Vorstellungen waren schon bald voll, aber kein Mensch konnte ahnen, wie langlebig es sein würde." Tatsächlich wird "Couch. Ein Heimatabend" bei der bundesweiten Aufführungsdauer nur noch von "Am 8. Tag schuf Gott den Rechtsanwalt" überflügelt - damit ist der schwäbische Kabarettist Werner Koczwara seit 16 Jahren auf Tour.

Lorentz erzählt, wie umstritten es war, "Couch" auf dem Spielplan zu belassen, als in den Folgejahren mit "Sushi" und "Freaks" zwei weitere hauseigene Programme aufgelegt wurden. "Unser Autor Dietmar Jacobs war strikt dagegen. Er glaubte, die Abende würden sich gegenseitig kannibalisieren. Das Gegenteil geschah, sie schaukelten sich gegenseitig hoch." Seit 2008 waren alle Vorstellungen von "Couch" ausverkauft. "Bis auf den einen Tag bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2010, als Deutschland gegen Spanien antrat", erinnert sich Christian Ehring. Das Programm bleibt lebendig, weil es ständig aktualisiert wird, vor allem in den Solo-Blöcken der Kabarettisten. Deshalb gibt es viele "Wiederholungstäter" unter den über 133.000 Zuschauern in bislang 684 Vorstellungen. "Wir werden uns am Jubiläumsabend erkundigen, wie oft jemand da war, ich bin gespannt auf das Ergebnis", sagt Kay Lorentz.

Christian Ehring schildert die Aufbruchstimmung vor zehn Jahren. "Wir drei verstanden uns unheimlich gut. Jeder war mit Lust dabei, und alle glaubten wir, dass uns etwas Großes gelungen war." Maike Kühl bestätigt seine Wahrnehmung: "Ich weiß noch den Moment, als ich hinter dem Vorhang stand und den beiden zuhörte, mit einem ganz schönen Gefühl im Magen. Das für eine Weile spielen zu dürfen, machte mich glücklich."

Politisch habe 2006 eine diffuse Stimmung geherrscht, eine bleierne Zeit, niemand hätte gewusst, wen er wählen sollte. Ist das denn heute anders? "Ja, aber auf unangenehme Art", sagt Heiko Seidel. "Ich bin ängstlicher geworden, mich erschrecken die rechten Tendenzen. Auch die Weltpolitik entwickelt sich unerfreulich." Der Spaß an "Couch" sei noch da, nur manchmal müssten sie sich jetzt ein wenig motivieren: "Eine Herausforderung ist, das alles frisch zu halten", sagt Christian Ehring. "Wir haben diese hunderte Male gesprochenen Sätze automatisch im Mund. Aber wir müssen daran denken, dass die meisten Zuschauer sie zum ersten Mal hören." Eine Pause zu machen oder das Stück gar wegzulegen - auch diese Idee blitze gelegentlich auf. "Dann folgt prompt ein so grandioser Abend, dass sie uns absurd erscheint", sagt Maike Kühl. "Wir vergessen, wie lustig das ist, und werden durch die Reaktion des Publikums wieder daran erinnert."

Zehn Jahre auf der "Kom(m)ödchen"-Bühne bedeuten auch zehn Jahre eines Lebens. Was ist seitdem passiert? "Nichts Spektakuläres", antwortet Heiko Seidel. "Ich wohne noch immer in Köln, die Kinder wurden älter, das Haar ist noch voll. Mein Beruf dreht sich ganz und gar um dieses Theater." Anders Christian Ehring, dessen Ausflüge ins Fernsehen rasant zunahmen. "Bei mir hat sich viel Positives getan. In diesem Haus lernte ich meine Partnerin kennen, ein Kind mehr kam dazu. Ich bin jetzt 43 und finde, das Älterwerden ist ein sehr angenehmer Prozess." Maike Kühls private Meilensteine sind ihre Heirat und die Geburt ihrer zwei Kinder: "Allein deswegen werde ich diese Zeit nie vergessen." Ihr fällt eine Anekdote ein: "Mir ging die Nummer mit Ursula von der Leyen irgendwann auf den Keks. Bei meiner Hochzeit führten Christian Ehring und Dietmar Jacobs vor, wie sie sich meinen Mann und mich in zehn Jahren vorstellen. Der größte Lacherfolg war, dass ich dann immer noch dasselbe Programm spiele und meine Rolle als Ursula von der Leyen inzwischen ganz gut kann." Satire, überholt von der Realität.

Quelle: RP
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