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Düsseldorf
Die Kunsthändler von der Kö

Düsseldorf: Die Kunsthändler von der Kö
Manuel Ludorff (links) und sein Vater Rainer Ludorff. Im Hintergrund ist ein Bild aus der laufenden Ausstellung "40 Jahre/40 Meisterwerke" zu sehen: Fritz Winters Ölgemälde "Räume vertikal - mit Rot" von 1966. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Seit 40 Jahren bietet die Galerie Ludorff Kunst der klassischen Moderne und der Gegenwart an. Eine Begegnung mit Vater und Sohn. Von Bertram Müller

Man stelle sich vor: Ein Kleinunternehmen bezieht sein erstes Quartier an der Königsallee. So hielten es vor 40 Jahren Rainer M. Ludorff und seine Ehefrau Petra, als sie in Räumen über der Schrobsdorffschen Buchhandlung eine Galerie eröffneten. Die Wahl einer solchen Nobeladresse wirkt in unseren Tagen verwegener, als sie es damals war. Denn richtig teuer, so erläutert der inzwischen 71-jährige Ludorff, sind an der Kö auch heute noch nur die Ladenlokale im Parterre. Nach wie vor residiert er mit seiner Galerie in drei Stockwerken des Hauses Kö 22 als Mieter.

Dabei profitiert er eigenen Worten zufolge weniger vom Prestige der Gegend als von der zentralen Lage mit ihren zahlreichen Parkhäusern ringsum. Denn das erwarten seine Kunden, wenn sie sich auf die Suche nach einem exquisiten Emil Nolde oder einem inspirierenden Gerhard Richter begeben.

Als Rainer Ludorff sein Hobby, das Sammeln von Kunst, zum Beruf machte, hatte er das elterliche Textilunternehmen in Dortmund geführt. Die schlechten Aussichten für diese Branche in Deutschland zwangen den Betriebswirt zu einer Neuorientierung - passenderweise zu einer Zeit, als gerade im Rheinland zahlreiche Sammler den Markt belebten.

Ludorffs erste Ausstellung umfasste die eigene Kollektion expressionistischer Zeichnungen. Der Bereich klassische Moderne weitete sich aus. Zu Beginn der 80er Jahre kam die Nachkriegsabstraktion hinzu: Gemälde unter anderem von Ernst Wilhelm Nay, Fritz Winter und Willi Baumeister. Gleichzeitig knüpfte Ludorff Kontakte zu zeitgenössischen Künstlern: zu Klaus Fußmann und zu den Absolventen der Dresdner Akademie. An denen schätzte er vor allem die "hervorragende technische Ausbildung".

Probleme aber gab es mit den Malfarben aus dem real existierenden Sozialismus: Sie verloren schon ein halbes Jahr nach dem Farbauftrag an Intensität, so dass die Künstler von vornherein stärker auf die Tube drücken mussten- was wiederum die Bilder unberechenbar machte.

Bereits 1968 hatte Ludorff erstmals Bilder von Gerhard Richter in einer Galerie gesehen. Sie kosteten damals 8000 D-Mark - zu viel für den 24-Jährigen. Heute verkauft er Gemälde von Richter für ein Vielfaches des damaligen Preises.

Doch nicht nur er. Auch sein 38-jähriger Sohn Manuel Ludorff, ebenfalls Absolvent eines betriebswirtschaftlichen Studiums, arbeitet mittlerweile in der Galerie an der Kö. Vor sechs Jahren gab er seinen Posten als Assistent der Geschäftsführung der renommierten Galerie Marlborough in London auf und kehrte ins heimische Düsseldorf zurück.

Sein Vater konnte solche Verstärkung gut gebrauchen, denn die Anforderungen sind gewachsen. Die Galerie Ludorff beteiligt sich heute an sechs Kunstmessen pro Jahr, die Kundschaft erwartet gute Kataloge, eine ebensolche Internet-Präsenz und vor allem persönliche Betreuung.

"Wir können beide sehr gut Auto fahren", sagt Rainer Ludorff schmunzelnd und meint damit, dass jemand, der sich bei der Lektüre eines Katalogs in ein 100.000 Euro teures Gemälde verliebt hat, dieses Objekt der Sammelbegierde als Original in Ruhe bei sich zu Hause betrachten möchte. "Qualität war immer unsere Richtschnur", sagt Rainer Ludorff.

"Dadurch bekommen wir treue Kunden, die uns weiter empfehlen."

Und welche Künstler sind die persönlichen Favoriten von Vater und Sohn? Der Senior steht auf Alexej von Jawlensky, der Junior auf Max Ernst.

Werke beider Maler sind bis zum 21. Januar auch in der Ausstellung "40 Jahre/40 Meisterwerke" zu sehen - im ersten und dritten Stock an der Königsallee 22, mit anmutigem, fast romantischem Blick auf den Kö-Graben.

Quelle: RP
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