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Düsseldorf
Die Wutrede des Künstlers Felix Droese

Düsseldorf: Die Wutrede des Künstlers Felix Droese
Felix Droese erhält den Kunstpreis der Künstler 2015. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Der Preisträger des Kunstpreises der Künstler 2015 nimmt seine Nominierung zum Anlass, mit der Kunstwelt abzurechnen. Von Annette Bosetti

Die Soll-und-Haben-Seiten seines Kontos sind gleichermaßen gut gefüllt. Felix Droese kann sich glücklich und unabhängig schätzen. Er hat alles erreicht, was zu einer schillernden Künstler-Vita gehört: Der 64-Jährige war Teilnehmer der Documenta VII (1982) und der Biennale von Venedig (1988). Sein Werk ist international angesehen und in großen Sammlungen verbreitet. Ein Jahr lang hat er als Professor an der Frankfurter Städelschule gelehrt, zahlreiche Preise haben die Arbeit des Schülers von Peter Brüning und Joseph Beuys anerkannt. Jetzt erhält er die Auszeichnung der Düsseldorfer Kollegen, den Kunstpreis der Künstler, den er sehr gerne annimmt, weil es für ihn eine ehrliche Anerkennung ist. Ehrlicher als all das, was den politisch engagierten, unbequemen Zeitgenossen am Kunstwesen, insbesondere am Marktgeschehen, anödet und aufregt.

Gestern erteilte Michael Kortländer vom Verein zur Veranstaltung von Kunstausstellungen dem prominenten Künstler während der Pressekonferenz das Wort. Es folgte eine anderthalbstündige Wutrede, eine Abrechnung mit dem Kunstmarkt, der Politik und den aktuellen Skandalen von Kunstfälschung, Betrug und den umstrittenen Warhol-Verkäufen.

Für ihn sei dieser Preis eine tolle Sache, sagte Droese, wo er doch aus der eigenen Biografie herausgewachsen sei und sich vom Kunstmarkt und -geschehen entfernt habe. "Ich bin in der ausgezeichneten Situation, meinen Freiraum bewahren zu können. Ich stehe nicht unter Arbeitsdruck, meine Lager sind mit Vorräten gut gefüllt." Ein Künstler habe in unserer Gesellschaft immer nur zehn wichtige Jahre. Danach wäre es gut, wenn er tot wäre oder zumindest nicht mehr störe. "Die Nobilitierung von Kunst, die Wertschätzung, die Liebe, das ist schon lange nicht mehr so wichtig wie Spekulation und Kaufpreis", sagt Droese. "Die Raffgier auf dem Kunstmarkt findet kein Ende".

Und wie die Politik mit Kunst umgeht, das will er schon gar nicht akzeptieren. Dabei spielt er auch auf den umstrittenen Verkauf der Warhol-Bilder aus dem ehemaligen Besitz des Aachener Spielcasinos an. Grundsätzlich hält er es für vernünftig, Kunst aus Staatsbesitz dem Markt immer wieder zur Verfügung zu stellen statt ihn in Kellern verrotten zu lassen. Es sei bedeutend, die Dinge sichtbar zu machen - dazu sei die Kunst schließlich erschaffen. Aber das Verfahren sei nicht zweifelsfrei gelaufen: Wieso wurden die beiden Warhol-Bilder in den USA verkauft unter Hinnahme der Steuerverluste? Wären sie in Deutschland unter den Hammer gekommen, hätten die Steuerzahler 19 Prozent des Erlöses abbekommen. Dass das Verfahren nicht transparent und noch dazu unpatriotisch verlaufen sei, bemängelt er ebenso wie die Statemets mancher NRW-Politiker, die die Güte von Kunst ausschließlich über deren Geldwert definieren wollten.

Droese hat in seinem Leben viele Absagen erhalten wegen der gesellschaftspolitischen Bezüge, die er in seine Papier- und Holzschnitte verpackt. Vor zwei Jahren hatte sich die Kunstkommission des Landtags entschieden, seine Arbeit "Haushaltsloch" zu erwerben. Dann kam die Haushaltssperre, der Kauf wurde storniert. Droese wollte das Werk leihweise dem Landtag überlassen, auch das wurde abgebogen. "1000 Mal habe ich so etwas schon erlebt", sagt er. "Zu scharfe Inhalte - keine öffentliche Präsentation. Es gibt Museen, wo es heißt, da kommt der Droese nicht rein". Auch von der Art Cologne wollte man ihn einmal ausschließen, nachdem er wegen seiner Documenta-Arbeit über Anne Frank angefeindet worden war. Zeitweise gab es Absprachen und rote Listen, nach denen von Droese keine Auktionseinlieferungen angenommen werden sollten. Und als er in die Aldi-Aktion Kunst einbrachte, hatte es Kollegenschelte gehagelt: "Ich galt als Zerstörer der Kunst!"

Dies alles berichtet der Künstler ohne Schaum vorm Mund. Neben der Inflationierung durch den Markt, die zur Vernichtung guter Kunst führe, gebe es Zensur. "Wir leben seit dem Karikaturenstreit 2003 unter Bilderverbot." Der Markt verführe Künstler, den Clown zu geben. Immendorff habe das bedient. Auf seine kriminellen Handlungen sei Fälscher Beltracchi noch stolz. Von Sigmar Polke und Gerhard Richter würden Bilder auf den Markt gespült, die sie nicht gemalt haben, ohne dass einer dies enttarne. "Der Kunstmarkt" - so sieht es Felix Droese - "ist ein Lügengebäude!"

Quelle: RP
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