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Bap kommt nach Düsseldorf
"Ich habe keine Zeit zu verplempern"

Düsseldorf: Bap spielen Konzert in Mitsubishi Electric Hall
Bap-Frontsänger Wolfgang Niedecken (65) kommt mit seiner Band am 14. November in die Mitsubishi Electric Hall in Düsseldorf. FOTO: imago
Düsseldorf. Die Bap-Jubiläumstour heißt "Lebenslänglich". Der Titel meint vor allem die einzige Konstante in 40 Jahren: Sänger Wolfgang Niedecken. Von Jessica Balleer

Plötzlich saß Wolfgang Niedecken da. Der Bap-Frontsänger, Autor und Künstler hatte auf einem Sofa in Südafrika Platz genommen - zur besten Sendezeit im Privatfernsehen. Und neben ihm: Xavier Naidoo, die Rockmusiker der Band The Boss Hoss und Chansonsängerin Annett Louisan. Doch irgendwie passte der 65-Jährige in dieses TV-Format. Bei "Sing meinen Song" lugten seine grau-weißen Locken unter einer braunen Baskenmütze hervor, und die Bluejeans saß, als habe er sie vor 40 Jahren in der Badewanne angezogen.

Die Anfrage vor der ersten Staffel hatte Niedecken, der jetzt mit Bap auf Jubiläumstour auch nach Düsseldorf kommt, noch abgelehnt. Für die dritte sagte er zu. "Es ging ja nicht um den neuen Superstar oder so einen Quatsch", sagt er. "Es ging um Musik. Das war das pure Vergnügen." So haben es wohl auch die Zuschauer gesehen, die das Tauschkonzert im TV verfolgt haben. Und während sich die einen darüber freuten, einen langjährigen musikalischen Wegbegleiter zu sehen, lernten andere Niedecken kennen - einen sympathischen Altmeister des deutschsprachigen Rock'n'Roll.

"Sing meinen Song" 2016 mit den Liedern von Wolfgang Niedecken FOTO: Vox/Markus Hertrich

Dass er der mit Abstand älteste Teilnehmer war, habe für ihn keine Rolle gespielt. "Ich musste ja erfreulicherweise nicht den Berufsjugendlichen spielen", sagt Niedecken, der 2016 nicht nur seinen 65. Geburtstag feiern konnte, sondern auch auf 40 Jahre Bap zurückblickt.

1976 hat Wolfgang Niedecken die kölsche Rockband gegründet. 23 Alben sind erschienen. Alte Mitglieder gingen, neue kamen. Freunde seien das nicht alle gewesen. Doch die Identität - ehrlicher Rock und gehaltvolle Songtexte in kölscher Sprache - hat Bap zu keiner Zeit verloren. Und das liegt vor allem an Wolfgang Niedecken, der einzigen Konstante in den 40 Jahren.

Die Staffel-Highlights FOTO: VOX / Stefan Menne

Niedecken ist unter jungen Kollegen längst anerkannt als der, der er eben ist: ein erfahrener Musiker und Songwriter. Der Respekt beruht dabei auf Gegenseitigkeit - nicht erst bei "Sing meinen Song" hat Niedecken das Können deutscher Künstler schätzen gelernt. Momentan läuft in seinem Auto vor allem deutsche Musik: "Stefan Stoppok hat mir sein neues Album gegeben, mein Kollege aus dem Ruhrgebiet", sagt Niedecken. "Das läuft bei mir auf Dauerrotation im Auto." Auch Max Prosa, Clueso und die Band Von Brücken finde er gut. Dabei zeugt Niedeckens eigene Musik, auch die der neuen Bap-Platte "Lebenslänglich", von seiner Leidenschaft für die amerikanische Musikkultur. Leonard Cohen und Bob Dylan sind da zu nennen. Auch Bruce Springsteen, der ein guter Bekannter des Kölners ist, seit er ihn vor mehr als 20 Jahren einmal interviewt hat. Als "Idole" will Niedecken diese Künstler aber nicht bezeichnen. "Mit dem Begriff muss man vorsichtig sein. Ich war auch nie einer, der Idole hatte", sagt er.

Musiker wie die Rolling Stones seien aber so etwas wie Helden seiner Jugend gewesen. Vorbilder, weil ihre Musik für etwas stand, weil sie eine Botschaft verschickt haben. "Ich rate jedem jungen Kollegen, sich mit Cohen, Dylan und Young auseinanderzusetzen." Von diesen prägenden Musikern hat Niedecken selbst das Texten gelernt. Bap-Songs wie "Kristallnaach" leben von Zeilen wie "Doch die alles wat anders ess stührt - die mem Strom schwemme, wie't sich jehührt - für die Schwule Verbrecher sinn, Ausländer Aussatz sinn - bruchen wer, der se verführt." Gesellschaftskritik aus dem Jahr 1982, die noch heute aktuell ist.

Mit solchen Botschaften ist Bap bald wieder auf Tour. 33 Auftritte stehen auf dem Plan. "Eine Menge Holz", sagt Niedecken selbst. Wie es danach weitergeht, stehe noch nicht fest. Er werde "einfach mal die Nase in den Wind halten". Denn sein Schlaganfall 2011 habe ihn vor allem gelehrt, die Dinge in seinem Leben zu gewichten. "Ich habe keine Zeit zu verplempern."

Quelle: RP
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