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Gastro-Tipp
Ein Imbissausflug nach Oberkassel

Düsseldorf. Während in der gesamten Stadt der Burger-Trend ungebrochen ist, kommen im Linksrheinischen gerade andere Imbiss-Spezialitäten in Mode: Wurst und besondere Fritten. Von Christian Herrendorf

Es gibt viele Vorurteile über die Gastronomie-Szene in Oberkassel - nicht alle sind wahrscheinlich gänzlich unberechtigt. So könnte es zum Beispiel tatsächlich sein, dass die Stammgäste bestimmter Restaurants nichts dagegen haben, dass dort mit viel heißer Luft gekocht und berechnet wird, solange man den anderen Stammgästen mit ähnlichen Vorlieben nur merklich zuwinken kann. Aber Oberkassel ist auch der Stadtteil, der wie kaum ein anderer die Bodenständigkeit pflegt. Das "Akropolis" etwa genießt einen so guten Ruf, dass die Anwohner klaglos das Dritte-Reihe-Parken an der Dominikanerstraße hinnehmen und viele der Fahrzeughalter über eine der Rheinbrücken gekommen sind. In jüngerer Zeit haben gleich zwei weitere Restaurants eröffnet, die das schnelle Essen pflegen, das zu wenigen guten Vorsätzen passt: das "Iss Juut" und "Wurstmans No. 7".

Der Inneneinrichter des "Iss Juut" hat sich zweifellos in beliebten Cafés und entspannten Burgerläden umgeguckt, denn mit Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Oberkassel, dunklen Tischen und Ledermöbeln wirkt der Imbiss reichlich gediegen. Mitnehmen ist natürlich möglich, aber wahrlich nicht nötig. Im Mittelpunkt der Speisekarte steht ein Klassiker der romantischen Imbisskultur: die Wurst. Gefertigt und variiert von einem stadtbekannten Metzger. Neben den Versionen Brat, Curry und Kalb gibt es auch ein paar Spezialitäten, etwa die "Merguez" aus Rind und Lamm sowie unseren Test-Favoriten die Thai-Wurst, die mit allerlei asiatischen Gewürzen und einer amtlichen Menge Schärfe serviert wird.

Zweiter Ruhmespunkt sind die Fritten des Hauses, die einen dann doch wieder erinnern, wie der Stadtteil vor der Tür heißt. Die Beilagen werden nämlich "handgestiftet" und "doppelt frittiert". Bei aller Show des Bio-und-Manufactum-Zeitalters müssen die Tester trotzdem zugeben, dass sich die Fritten schon deutlich von den sonst schockgefrosteten und per grober Schaufel ins Fett bugsierten Kartoffel-Produkten unterschieden, ja dass sie selten so gute Pommes gegessen haben. Letzter wichtiger Punkt der Speisekarte sind die Soßen, die wie mancherorts Ergebnisse erfolgreicher Experimente mit Gewürze und Obst sind. Bei den Testbesuchen haben sich die Mango- und die Estragon-Mayo Spitzenplätze erarbeitet.

Auch das sehr orangefarbene "Wurstmans No. 7" betont Quali- und Kreativität. Seine Spezialitäten kommen von einem Familienbetrieb im Münsterland und lassen angesichts der mathematischen Vorgabe Raum für Spielereien jenseits von Krakauer und Pute. So gibt es dort den wohl gefüllten und hoch geschätzten Käsegriller und sogar ein vegetarisches Modell mit Karotten und anderem Gemüse. Die Zahl sieben bleibt weiter Programm, denn mindestens theoretisch kann der Gast jede Wurst mit einer der sieben Soßen kombinieren. Wer sich dafür entscheidet, dem seien von uns die jamaikanische Barbecue- oder die Tomaten-Rosmarin-Soße empfohlen.

Kein Menü ohne neue Erfahrungen mit der Kartoffel als solcher. Die Pommes sind tadellos, die besondere Köstlichkeit in dieser Rubrik heißt beim Wurstman "Potato Dippers". Das sind Kartoffelscheiben, die mit der Schale aus der Knolle gehobelt und dann frittiert werden. Wer diese herrlich knusprigen Fritten in dem kleinen Imbiss genießt und das Auge schweifen lässt, stößt auf einige nette Gesten des Hauses: In der kalten Jahreszeit findet sich die Wurst auch als Einlage in einer Kartoffelsuppe. Es gibt gute Papierservietten statt des andernorts gerne üblichen Hauchs von Pauspapier. Und an der Tafel steht der schöne Satz "Soßen schenken wir gerne nach".

Quelle: RP
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