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55 Dinge, die nur 30 Minuten von Düsseldorf entfernt sind
Geistreicher Spuk im Schloss Rheydt

55 Dinge, die nur 30 Minuten von Düsseldorf entfernt sind: Geistreicher Spuk im Schloss Rheydt
Düsseldorf. Leute erschrecken, unterirdische Gänge erkunden: Die Gespensterjagd im Schloss Rheydt bietet Kindern gruselige Erlebnisse. Von Gabi Peters

1794 musste Karl Kaspar von Bylandt unfreiwillig sein Schloss verlassen. Der letzte Herr von Rheydt segnete das Zeitliche, aber seine Seele findet keine Ruhe. Er spukt seitdem im alten Gemäuer. Und es gibt nur ganz bestimmte Menschen, die ihn von seinem Fluch erlösen können: Kinder im Grundschulalter.

Schon seit einigen Jahren bietet das Museum Schloss Rheydt diesen herrlichen Gruselspaß für Sechs- bis Zehnjährige an. Angemeldete Kindergruppen gehen hier regelmäßig auf Gespensterjagd - und das in echten Spukkostümen. So verkleidet dürfen die kleinen Geister andere Museumsbesucher erschrecken. "Nach anfänglicher Scheu geht es nach wenigen Minuten richtig los", sagt Bernhard Jansen, einer der Tour-Führer. Mit lautem "Huhu" streichen die kleinen Gespenster durch das Schloss und die unterirdischen Gänge, die Kasematten. Und ganz nebenbei erfahren sie viel Geschichtliches - alles kindgerecht aufgearbeitet. Im Keller des Schlosses suchen sie nach Resten der alten Burganlage, die Mitte des 15. Jahrhunderts bei einem Rachefeldzug zerstört wurde, und lassen sich dabei erklären, was Raubritter damals eigentlich so anstellten.

Die Tour durch das Schloss ist ein bisschen so wie eine Schnitzeljagd. Eine Gruselige, versteht sich. Da finden sich versteckte Botschaften in alten geheimnisvollen Büchern oder an Wänden, die aber nur im Schwarzlicht zu lesen sind. Die Hinweise führen zu einer Schatzkiste mit kleinen Geschenken.

Zum Programm gehört auch ein gespenstisches Gastmahl. Das muss zwar - wie auch die Geschenke - von den Eltern mitgebracht werden. Die Museumspädagogen geben aber gerne Tipps, was zu einem Grusel-essen alles dazu gehören kann - zum Beispiel grüner Schleim (Wackelpeter) oder bei nicht allzu zart besaiteten Kindern abgeschnittene Wurstfinger (Wienerwürstchen mit Mandelplättchen als Fingernägel und Ketchup als Blut).

Schmatzen und Schlürfen ist beim gespenstischen Essen ausdrücklich erlaubt. Schließlich durfte man das im Mittelalter sogar bei einem Mahl mit dem König. Da hörte man deutlich, wenn's schmeckt.

Zur Unterhaltung geht es auf die Zauberkegelbahn, und dann werden noch Monstermasken gebastelt. "Alles steht im Zusammenhang mit dem Schloss und seiner Geschichte", sagt Museumspädagoge Dr. Klaus Möhlenkamp. Es soll Kinder geben, die Karl Kaspar schon dreimal und mehr vom Fluch erlöst haben. Eltern vom gesamten Niederrhein buchen die Tour oft als einfallsreiche Geburtstagsüberraschung. Wer einen bestimmten Termin am Wochenende im Auge hat, sollte besser zwei bis drei Monate im Voraus reservieren.

Die Gespenster-Tour wird immer wieder variiert, so dass sie auch für kleine "Wiederholungstäter" spannend bleibt. Für den Gruselspaß hat das Schloss Rheydt mit seiner Sammlung viel zu bieten - zum Beispiel einen Bezoarstein aus Italien aus dem 17. Jahrhundert. So ein Stein wird immerhin auch bei Harry Potter erwähnt. Den damals äußerst wertvollen Magensteinen von wiederkäuenden Tieren wurden einst magische Kräfte zugeschrieben. So sollten sie giftigen Wein in Ungiftigen verwandeln. Ein Test, von dem allerdings Arzt und Apotheker heute dringend abraten.

Kinder, die sich von all dem Schrecken erholen wollen, können anschließend auf dem Schlossgelände noch auf Tierexpedition gehen. Neben Pfauen findet man am Wassergraben Schildkröten, auf den Wiesen Kormorane und auf dem Parkplatz stolzieren rotbeinige Nilgänse.

Quelle: RP
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