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55 Dinge, Die Nur 30 Minuten Von Düsseldorf Entfernt Sind
Messfeier in der veredelten Mack-Kapelle

Düsseldorf. Die Kapelle in Neuss ist ein Kleinod. Seit Heinz Mack den Kirchenraum gestaltete, ist sie zu einem spirituellen Wallfahrtsort geworden. Von Susanne Niemöhlmann

Überfüllte Gotteshäuser sind nicht gerade typisch für die katholische Kirche in Deutschland. Umso bemerkenswerter ist die Resonanz, wenn ein Gottesdienst in der Marienkapelle des ehemaligen Marianum an der Preußenstraße in Neuss angekündigt wird: Bereits eine halbe Stunde vor dem Einzug des Priesters sind die annähernd 130 Sitzplätze belegt, weitere 50 oder 60 Menschen stehen geduldig in den Gängen oder warten vor der weit geöffneten Tür.

Ein Großteil dieser Anziehungskraft geht vom Kirchenraum selbst aus: einem von dem Mönchengladbacher Lichtkünstler Heinz Mack durchkomponierten Gesamtkunstwerk, das Harmonie und sakrale Würde zugleich ausstrahlt. Nun ist ein Besuch der Kapelle auch im Rahmen einer kunsthistorischen Führung möglich, lassen sich die wunderschönen Buntglasfenster mit dem Schöpfungszyklus und die vier faszinierenden Sgraffito (eine besondere Stucktechnik) auf der gegenüberliegenden Längswand auch außerhalb eines Gottesdienstes bewundern. Doch das ist nicht alles. Die Kapelle sei "als sakraler Raum konzipiert", betonte "Säkularist" Heinz Mack selbst bei einem Besuch in Neuss. "Ein Kunstwerk von dieser Bedeutung ist nicht von seiner Bestimmung zu trennen." Oder wie es eine Besucherin formulierte, die eigens aus Erkrath angereist war: "Es ist schön, die Kapelle in ihrer Funktion zu erleben." Seit Bischof Hubert Luthe die Kapelle 1988 weihte, pilgern Kunstliebhaber und Gläubige an die Neusser Preußenstraße.

Ob religiös oder nicht, von eher konservativem oder modernem Kunstgeschmack - alle scheint der Raum spirituell anzusprechen. Und das schon beim Eintreten, wenn der Blick auf das große, schlichte Kreuz über dem Altar fällt. Besonders stark ist der Eindruck am späten Nachmittag oder frühen Abend, wenn sich allmählich die Sonne neigt und ihre letzten Strahlen durch die Aussparungen in der Westfassade sendet. Dann scheint das solchermaßen angeleuchtete 700 Kilogramm schwere Marmorkreuz geradezu im Raum zu schweben. Heute kaum noch nachvollziehbar, war die Auftragsvergabe an den Atheisten Mack Anfang der 1980er Jahre umstritten. Der damalige Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Höffner, von dem die Initiative ausgegangen war, ließ sich aber zum Glück nicht beirren.

Nach dem Verkauf des Marianum an den Neusser Bauverein musste die Kapelle wegen der umfangreichen Bauarbeiten im ehemaligen Konvikt zwei Jahre lang geschlossen bleiben. Erst im Dezember 2011 wurde sie nach aufwendiger Renovierung wieder eröffnet - nun noch um eine Sehenswürdigkeit reicher, die Mack von Anfang an vorgesehen hatte: einen Kreuzweg mit 15 Bronze-Stationen auf leuchtend orangefarbenen Wänden im Flur zur Sakristei, ergänzt um zwölf farbenprächtige bleiverglaste Fenster zum Innenhof.

Quelle: RP
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