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Düsseldorf
Neue Kulturreihe im Bordell

Düsseldorf: Einblicke in das "Oceans"-Bordell
Düsseldorf: Einblicke in das "Oceans"-Bordell FOTO: Endermann, Andreas
Düsseldorf. Man mag mit einem FKK- und Sauna-Club allerlei Gedankengut verbinden. Kultur gehört wohl eher nicht dazu. Das "Oceans" in Düsseldorf-Rath möchte gängigen Rotlicht-Vorstellungen entgegensteuern und beginnt morgen mit einer Veranstaltungsreihe, dem Club "Culture Love". Untertitel: "Kultur zu Liebe". Bei der Premiere vertraut man auf Literatur - gelesen wird aus der Gesellschaftssatire "Nie wieder arm". Von Regina Goldlücke

Der frühere WDR-Redakteur Wolfgang Frings baute seinen Erstling um wahre Begebenheiten auf. Im Mittelpunkt steht eine schillernde Figur: Kai van Bargen, Ex-Chef von "Antenne Düsseldorf" und Ex-Pressesprecher des Henkel-Konzerns, verurteilt zu einer mittlerweile verbüßten Gefängnisstrafe wegen Betrugs.

Der Brückenschlag zwischen Buch und Bordell ist plausibel, ein Kapitel spielt in einem inzwischen geschlossenen Etablissement in der Rethelstraße. Die Idee hatte der Airbrush- und Crossmedia-Künstler Joe Brockerhoff, als er das "Oceans" mit monumentalen freskoähnlichen Malereien ausschmückte. Der ehemalige Philosophie-Student und Beuys-Schüler entwickelte "Culture Love" - der ungewöhnliche Veranstaltungsort wird ihm Aufmerksamkeit bescheren. Er selbst findet, gerade an einem Ort wie einem Bordell müsse Platz geschaffen werden für Unkonventionelles, Experimentelles und Nicht-Normatives aus allen Sparten der Kunst.

Nach der ausgebuchten Lesung mit Wolfgang Frings gibt es im August eine Fotografie-Aktion mit Jörg Paul Janka und Christian Konrad, deklariert als "Echtzeit-Porträt-Performance mit Publikumsrückwirkung". Im September präsentiert Lüpertz-Schüler Arnim Tölke "performatives Aktzeichnen mit Motiv-Rotationen". An allen Abenden ist auch Künstler Joe Brockerhoff zugegen.

"Wir haben seine Anregung begeistert aufgenommen", sagt Wolf-Edgar Schreifels, Prokurist des "Oceans"-Betreibers DPG. "Jetzt sind wir gespannt, welches Publikum wir begrüßen können." Wie schon am Tag der offenen Tür im Herbst vergangenen Jahres rechnet er mit Besuchern, die es aus purer Neugier in das Bordell zieht. "Damals ergaben sich gute Gespräche", sagt Schreifels. Man habe manches Vorurteil entkräften können.

Quelle: RP
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