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Open Source Festival
Popmusik auf der Galopprennbahn

Open Source-Festival 2012
Open Source-Festival 2012 FOTO: rpo, Falk Janning
Düsseldorf. Das Open-Source-Festival lockte 5000 Musik-Fans auf die Rennbahn nach Grafenberg. Bands wie Beirut und Mouse On Mars spielten vor sommerlicher Kulisse. Und wie stets bot der Tag ebenso viel zum Schauen wie zum Hören. Von Klas Libuda

Eleanore Everdell sieht verschlafen aus. Es ist später Nachmittag, Everdell steht auf der Hauptbühne am Rande der Galopprennbahn, aber richtig anwesend ist sie noch nicht. Ihr dunkles Haar fällt über Mikrofon und Gesicht, und wenn sie singt, knickt sie manchmal die Beine ein – so, als würde sie tanzen. Aber das macht sie nur selten. Die Sängerin klingt, wie sie sich auf der Bühne gibt: auf das Nötigste beschränkt, trotzdem sehr schön.

Am Wochenende spielte Everdell mit ihrer Band The Hundred In The Hands beim Open-Source-Festival. 18 Bands präsentierten die Festival-Macher auf der Galopprennbahn im Grafenberger Wald, auf drei Bühnen gab es Popmusik, vornehmlich elektronische und solche aus den Indie-Weiten. Während die New Yorker The Hundred In The Hands Synthesizer-Sounds mit Schlagzeug und Gitarre vermischen, spielt nur ein paar Schritte weiter das DJ-Duo Africa Hitech. Die Musiker konzentrieren ihre Songs auf schnelle Snare-Läufe und Bässe im wummernden Stakkato, das Publikum nimmt sich Sängerin Everdell zum Vorbild und tanzt – nur weitaus euphorischer. Zwei junge Frauen wippen vor der Bühne zum Beat, jede für sich. Die eine kaut Kaugummi wie ein Nussknacker, mit großer Verve überreicht sie es ihrer Begleiterin. Nur Augenblicke später bekleben sie ihre Arme mit Abzieh-Tattoos, alles so, dass das ja jeder mitbekommt.

Das Open-Source-Festival ist immer auch ein großes Selbstdarsteller-Paradies. Das macht den Tag noch interessanter. Die Herren tragen Röhrenjeans, Vollbart und ärmellose T-Shirts mit weiten Krägen; die Damen tragen Dutt, bis zum Bauchnabel hochgezogene Röcke und Brillen, die als Kassengestell durchgehen, aber sicher teuer waren. Alle sehen aus wie aus dem Modekatalog. Kaum ein Open-Air in Deutschland ist durchgestylt wie das Open-Source, das gilt für Gäste, Bands und die Umgebung.

Das Rennbahn-Areal mit seinem hellen Kies, den frisch gestutzten Hecken und der getünchten Tribüne mit Blick auf Rennstrecke und Golfplatz ist das perfekte Umfeld für experimentellen Elektro von Mouse On Mars, Klavier-Stücke von Perfume Genius und den einzigartigen Sound von Beirut, ganz zum Schluss auf der Hauptbühne. Das Programm verteilt sich auf eben jene "Main Stage", die "Carhartt Stage" und die "Young Talent Stage", die dem regionalen Nachwuchs eine Bühne bietet. Etwa dem Quintett Cattelan aus Düsseldorf. Die jungen Musiker spielen hörenswerten Indie-Pop mit Schlagzeug. Auch wenn zuweilen noch die letzte Entschlossenheit fehlt.

Plattform ist das Open-Source-Festival nicht nur für Musik, auch ausgewählte Akteure der Düsseldorfer Kulturwelt präsentieren ihre Arbeit. Das Projekt Rooms hat fünf Holzboxen räumlich gestaltet. Über Kopfhörer werden die Besucher mit Pop-Klassikern beschallt, zu George Bakers "Little Green Bag" dürfen sie durch ein Guckloch eine kleine grüne Tasche begutachten. Das Kollektiv "Teilmöbliert" hat auf dem Kunstmarkplatz einen Kiosk aus Pappkarton errichtet. Cola-Kracher und Lakritzschnecken verkaufen sie, mit Filzstift haben die Designer die Schlagzeilen von morgen an die Fassade gebracht. "Endlich: Jogi und Hansi. Wir sind ein Paar", titelt die fiktive "Bild"-Zeitung. Und die Rheinische Post: "Open Source lockt Tausende".

5000 sind es, die meisten stehen pünktlich zum Sonnenuntergang vor der Hauptbühne. Beirut spielen dort, die Band um ihr einziges festes Mitglied, Sänger und Multi-Instrumentalist Zach Condon, ist der Festival-Headliner. Nur selten zeigen sich Beirut auf deutschen Bühnen, jetzt aber steht Sänger Condon in Anzug und Hemd vor der Zuhörerschaft, in der Hand hält er einen schwarzen Trompetenkoffer, da passt alles. Als käme er gerade aus dem Publikum.

"Santa Fe" heißt der erste Song, ein Stück Folk, Chanson, Balkan und Indie. Condons Stimme klingt klar und unverzerrt. "Nantes" heißt Beiruts bestes Stück, getragen vom Akkordeon klingt es, als wehe es aus der Matrosen-Kneipe herüber.

Die Wolken über der Szenerie sehen aus wie Zuckerwatte. Im Rücken der Band springt eine Frau euphorisch über die Rennbahn: Eleanore Everdell.

Sie ist jetzt wach.

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(RP/jco)
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