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Prozess in Düsseldorf
Für Sven Lau ist Pierre Vogel wie der große Bruder

Fotos: Sven Lau beim Prozessauftakt in Düsseldorf
Fotos: Sven Lau beim Prozessauftakt in Düsseldorf FOTO: dpa, fg pil
Düsseldorf. Im Prozess gegen Sven Lau hat am Dienstag der Polizeibeamte ausgesagt, der für die Telefonüberwachung des Salafistenpredigers im Jahr 2014 und 2015 zuständig war. Die Gespräche geben auch Aufschluss darüber, in welcher Beziehung Lau zu Pierre Vogel steht. Von Franziska Hein

Der 43-jährige Polizeibeamte aus Mönchengladbach sagte vor Gericht aus, dass Lau in dem Überwachungszeitraum ab Sommer 2014 bis September 2015 telefonischen Kontakt zu den Salafistenpredigern Pierre Vogel und Ibrahim Abou Nagie gehabt habe. 

Abou Nagie stand erst in der vergangenen Woche im Fokus einer Razzia gegen die salafistische Szene in Deutschland. Sein Verein "Lies!" war vom Bundesinnenministerium verboten worden. Unter anderem in Bonn und Köln-Puhlheim waren Lagerräume und Wohnungen durchsucht worden. 

In weiteren Gesprächen Laus sei auch der Name von Konrad S. gefallen. Konrad S. aus Mönchengladbach soll nach Syrien ausgereist sein und sich einer Kampfeinheit, die dem IS nahe steht, angeschlossen haben. Er soll es dort zum Anführer einer Kampfgruppe gebracht haben.

Später soll Sven Lau, laut Anklage des Bundesanwalts, auch den heute 25-jährigen Ismail I. als Kämpfer in die Gruppe vermittelt haben. Dies deckt sich auch mit den Aussagen des Syrienrückkehrers.

Am Mittwoch soll der Kronzeuge aussagen

Am Mittwoch und in der kommenden  Woche will das Gericht um den Vorsitzenden Richter Frank Schreiber Ismail I. als Zeugen hören. Dieser war im März in Stuttgart zu einer Haftstrafe von vier einhalb Jahren verurteilt worden, weil er in Syrien für die dschihadistische Miliz gekämpft hat. Er soll als Kronzeuge des Bundesanwalts auftreten. Sven Lau hatte seinerseits in dem Stuttgarter Prozess von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. 

Der Polizeibeamte sagte am Dienstag weiter aus, die Telefondaten zeigten, dass Lau mit Vogel über die Aussage von Ismail I. gesprochen hätte. Lau sei "nicht begeistert" gewesen über die Aussagen, und er und Vogel hätten über Möglichkeiten gesprochen, ein Video zu drehen, das den Imageschaden beheben könnte.

Lau wusste oder ahnte die Abhörung

Ob man Einfluss auf Ismail nehmen wollte, gehe aus den Telefonprotokollen nicht hervor, sagte der Gladbacher Beamte auf Nachfrage des Richters. Lau habe von der Abhörung gewusst, das sei in einigen Gesprächen deutlich geworden. Kam die Sprache auf Themen wie die Syrienausreise habe Lau Anrufer häufig abgewürgt. Er habe teilweise Codewörter benutzt. Der Begriff "Urlaub" sei etwa ein Synonym für die Ausreise nach Syrien gewesen. 

Der Beamte schilderte die unterschiedlichen Rollen, die Lau innerhalb der salafistischen Szene eingenommen habe und die sich aus den zahlreichen Telefonkontakten ergeben. "Er wurde häufig nach religiösen Einschätzungen gefragt oder von seinen Anhängern für unterschiedliche Dinge um Erlaubnis gefragt", sagte er. Für einen Verein für Gefangenenhilfe in Syrien habe Lau Spenden gesammelt, da habe er eine "dominante" Position eingenommen, sagte der Beamte weiter. Lau habe mitentschieden, wofür das Geld zu verwenden sei. 

Laus Verhältnis zu Pierre Vogel beruhte auf Abhängigkeit

In Laus Verhältnis zu Pierre Vogel erkannte der Polizeibeamte in den abgehörten Gesprächen eine "gewisse Abhängigkeit". Lau habe ihn wie einen großen Bruder behandelt und eine eher "devote Rolle" eingenommen. Beide hätten sich gegenseitig geistig aufgebaut und unterstützt. Auch eine "Selbstbeweihräucherung" sei in den Gesprächen hörbar gewesen.

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