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Diskussion um "Lichterfest" statt "St. Martin"
Auch Muslime schätzen das Martinsfest

Die Martinszüge 2015 in Düsseldorf
Die Martinszüge 2015 in Düsseldorf
Düsseldorf. In einigen Grundschulen und Kitas in Düsseldorf wird anstelle von St. Martin ein Lichter- oder Laternenfest gefeiert – man legt Wert auf eine gewisse wertanschauliche Neutralität. Das sorgt aber selbst bei Muslimen für Skepsis. Es ist nicht das erste Mal, dass dies für Diskussionen sorgt.

"Wir haben uns bewusst dafür entschieden, weil wir im Sinne von Integration und Einheit so viele Kinder wie möglich erreichen wollen und weil so mehr an unserem Zug teilnehmen", begründet Katrin Piller, Leiterin der Kita des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Düsseldorf-Gerresheim, warum in der Kindertagesstätte ein Lichterfest und nicht St. Martin gefeiert wird. Ähnlich handhaben dies auch andere Einrichtungen – wie eben die Kitas des DRK und einige Grundschulen – in der Landeshauptstadt.

Doch dass ein Teil der Kindertagesstätten und Grundschulen ohne konfessionelle Ausrichtung lieber von einem "Lichterfest" spricht, stößt in Einrichtungen mit hohem Migrantenanteil auf Unverständnis. "Gerade unsere muslimischen Eltern schätzen die traditionelle Überlieferung. Sie wollen Martinszüge veranstalten und auch St. Martin feiern. Dabei wird es bleiben", sagt Kornelius Knettel, Leiter der Gemeinschaftsgrundschule Sonnenstraße im Stadtteil Oberbilk. Mehr als 90 Prozent seiner Schüler stammen aus Migrantenfamilien.

Martinsumzüge in Krefeld 2015

Genauso sieht es Kerstin Breuer, Leiterin einer städtischen Kita im gleichen Stadtteil. "Unser Elternbeirat, der fast nur aus Migranten besteht, will das so. Die Mitglieder sagen: Warum soll man das Fest nicht bei seinem Namen nennen. Wir würden unsere Feste auch nicht umbenennen."

Martinsumzüge in Viersen 2015

Es ist nicht das erste Mal, dass das Thema für Diskussionen sorgt. Vor zwei Jahren hatten ein Politiker der Linken sogar vorgeschlagen, St. Martin abzuschaffen. Das Fest sollte doch stattdessen in "Sonne, Mond und Sterne"-Fest umbenannt werden. Auch hier wurde der Vorschlag mit den verschiedenen Religionen, insbesondere dem hohen Anteil muslimischer Kinder begründet. "Ihnen sollte man die christliche Tradition nicht aufdrängen", sagte damals Rüdiger Sagel. 

Das hatte Sagel viel Kritik eingebracht, der kulturpolitische Sprecher der CDU im NRW-Landtag nannte es eine Schnapsidee, und der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime sah ebenfalls kein Problem darin, dass Martinszüge eben als das bezeichnet werden, was sie sind: Martinszüge. Auch wenn er ein katholischer Heiliger sei, sagte Aiman A. Mazyek damals in der "Welt", hindere das Muslime nicht daran, an den Umzügen teilzunehmen. "Das Leben des heiligen Martin ist doch geradezu vorbildlich, auch für Muslime", sagte der Zentralratsvorsitzende.

Zehn Gründe, warum St. Martin besser ist als Halloween lesen Sie hier. 

Eine Übersicht zu allen St. Martinszügen in der Region finden Sie in unserem Dossier. 

(jj/das)
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