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Düsseldorf
Siemens will Grüne Welle für Radfahrer ermöglichen

Düsseldorf. Eine Smartphone-App meldet, wenn der Radler sich einer Ampel nähert und schaltet auf freie Fahrt. Stadt ist skeptisch. Von Denisa Richters

Alltagsradler kennen das: Fährt man an der einen Ampel bei Grün los, steht man an der nächsten Kreuzung wieder Minuten bei Rot. Bei längeren Strecken kann sich das Spiel gleich mehrfach wiederholen. Oder das Beispiel Berliner Allee: Vom Hauptbahnhof führt Düsseldorfs einzige Fahrradstraße (Bismarckstraße) über eine vorbildliche Wegeführung über die Steinstraße und den Platz der Deutschen Einheit Richtung Johanneskirche. Doch die Hälfte der Berliner Allee kann man nur schiebend an Fußgängerübergängen queren - drei Ampeln hintereinander mit roter Welle kostet das mehrere Minuten Zeit. Neidisch blickt man da manchmal auf den Autoverkehr, der - sofern kein Stau ist - bei Grüner Welle zügig durch die Stadt kommt.

Die Firma Siemens arbeitet nun an einer App, die auch Radfahrern die Grüne Welle ermöglichen soll. SiBike heißt die Smartphone-Applikation, die Radlern nicht nur eine schnellere Fahrt garantieren, sondern auch die Unfallhäufigkeit senken soll. Die meisten schweren Unfälle zwischen Autos und Radfahrern passieren nämlich an Kreuzungen. Das Prinzip funktioniert über GPS-Ortung des Smartphones: Nähert sich ein Fahrradfahrer mit SiBike-App einer Kreuzung und passiert einen virtuellen Auslösepunkt, meldet die App dies an die jeweilige Leitzentrale. Die wiederum gibt einen Befehl an die Ampelsteuerung, damit diese binnen Sekunden auf Grün schaltet oder die Grünphase verlängert. Der Radfahrer selbst merkt davon nichts. Derzeit wird die App unter anderem in Bamberg getestet, wo Siemens eine entsprechende Infrastruktur eingerichtet hat. Es soll der erste Schritt zu "Smart City" sein, einer Stadt mit maximaler digitaler Vernetzung. Im Düsseldorfer Rathaus wird das mit Skepsis gesehen. Eine Grüne Welle für Radfahrer bremse den Autoverkehr aus, weil eine solche Welle immer nur an einer Durchschnittsgeschwindigkeit ausgerichtet werden könne, heißt es aus dem Verkehrsdezernat. Eine solche Grüne Welle biete sich deshalb vor allem in Fahrradstraßen oder Radschnellwegen an, weil dort das Tempo der Radler maßgeblich sei. Kritisch angeführt werden auch die hohen Kosten - je Ampel 15.000 bis 20.000 Euro - und offene Fragen beim Datenschutz. Die Stadtverwaltung will deshalb erst beobachten, wie die Testphasen in anderen Städten laufen.

Quelle: RP
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