| 00.00 Uhr

Fotokalender
Der Mann hinter den Fiftyfifty-Hunden

Fotokalender: Der Mann hinter den Fiftyfifty-Hunden
Michael Englert hat zum zweiten Mal für Fiftyfifty Straßenhunde fotografiert. Seit 2002 lebt der 33-Jährige in Düsseldorf. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Angefangen hat alles mit Pina. Michael Englert hatte den Mischlingshund von einer Freundin für ein Jahr an sich genommen, weil sie in Australien unterwegs war. "Ich war absoluter Anfänger und hatte wenig Ahnung von Hunden", sagt der Fotograf im Rückblick. Doch das änderte sich schnell.

Und da er sich ohnehin ehrenamtlich engagieren wollte, sprach Englert vor zwei Jahren Hubert Ostendorf von Fiftyfifty an, ob er nicht die Aufnahmen für den Straßenhunde-Kalender machen könnte. Ostendorf willigte ein. Zum ersten Mal konnte man im vergangenen Jahr Englerts Hundebilder sehen. Nun ist der zweite Kalender veröffentlicht worden.

Dieser Hund ist eines von 13 Motiven des Kalenders. FOTO: Wiefels, Jan

Der 33-Jährige ist freier Fotograf, seine Aufnahmen wurden bereits von der "Zeit", der "Süddeutschen Zeitung" und dem "Spiegel" gedruckt. Doch all diese Erfahrung hat ihm bei der Arbeit mit den Hunden der Obdachlosen nur bedingt weitergeholfen. "Die erste Lektion, die ich lernen musste, war, immer ein Leckerli dabei zu haben", sagt Englert. Zudem achtete er darauf, sich nicht "zu groß" zu machen und sich nicht zu schnell bewegen, um die Tiere nicht zu verschrecken.

Er passte Hunde und Halter bei den Treffen von Underdog ab. Das Projekt bietet veterinärmedizinische Hilfe an, zu den Treffen kommen regelmäßig mehrere dutzend Obdachlose mit ihren Hunden. "Sie machen großartige Arbeit", findet der Fotograf, der aus Heidelberg stammt und seit 2002 in Düsseldorf lebt. Die Hundehalter reagierten durchweg positiv. "Jeder freut sich, wenn ich ihn frage", sagt Englert.

Die Bilder sind alle schwarz-weiß gehalten. FOTO: Michael Englert

In einer Auflage von 8000 Stück hat Fiftyfifty den Kalender drucken lassen. Von dem Kaufpreis von zehn Euro gehen fünf Euro an den Verkäufer. Bei Passanten sei der Kalender beliebt, viele würden danach fragen und ihn zum Beispiel zu Weihnachten verschenken, sagen Verkäufer. "Die ersten beiden Kalender wurden mir kurz nach dem Abholen abgekauft", erzählt zum Beispiel Verkäuferin Sandra. Für Fiftyfifty ist der Kalender trotz aller Beliebtheit auch jedes Jahr ein finanzielles Wagnis. Zwei Euro müssen laut Hubert Ostendorf als Mehrwertsteuer abgeführt werden, bleibt unterm Strich ein Erlös von drei Euro, um die Produktionskosten zu decken. Bis zum Jahresende müssten möglichst alle Exemplare verkauft werden, sonst wolle sie niemand mehr haben, so Ostendorf. Um so wichtiger sei es angesichts dieser Zwänge, dass Michael Englert seine Dienste ehrenamtlich zur Verfügung stellt.

Englert schätzt an der Arbeit die Begegnungen mit den Menschen. So habe er für den ersten Kalender einen Mann aus Polen kennengelernt. Häufiger sei der Obdachlose mit seinen Hunden einfach am Rhein unterwegs gewesen und bis nach Köln gewandert. "Er wusste in vielen Dingen besser Bescheid als ich", sagt Englert. In das gängige Klischee von Obdachlosen habe er überhaupt nicht gepasst.

Den Straßenhunde-Kalender gibt es bei Fiftyfifty-Verkäufern in der Stadt sowie im Internet unter www.fiftyfifty.de. Jan Wiefels

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Fotokalender: Der Mann hinter den Fiftyfifty-Hunden


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.