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Imbiss-Stand
Ein Prinz und seine Burger

Imbiss-Stand: Ein Prinz und seine Burger
Maria Maximilian Melchior Carl Prinz Lobkowicz hat eine Burger-Bude eröffnet. Vor dem Gotteshaus an der Luegallee brutzelt er die Buletten. FOTO: andreas bretz
Düsseldorf. Wer Wunder mit einer gewissen Skepsis sieht, könnte angesichts dieses Mannes ins Grübeln geraten. Gestatten: Maria Maximilian Melchior Carl Prinz Lobkowicz, 34 Jahre alt, Vater von drei Kindern, Chef einer Zwei-Mann-Firma (ein Imbisswagen) und vor allem - lebendig. Von Hans Onkelbach

Letzteres ist nicht selbstverständlich, weil Lobkowicz vor einigen Jahren eine niederschmetternde Diagnose erhielt: Hirntumor. Und zwar einer der ganz tückischen Sorte. Nur drei Prozent aller Betroffenen überleben die nächsten fünf Jahre.

Lobkowicz hat für sich entschieden, zu dieser Minderheit zu gehören: Die OP und Heilung liegen nun schon vier Jahre zurück, und er fühlt sich pudelwohl. Dass die Ärzte bei ihm womöglich auch sonst zu pessimistisch waren, zeigt sich an den Kindern: Tochter Josephine ist heute fünf und war schon da, als der Krebs entdeckt wurde. Sohn Melchior (zweieinhalb) und Tochter Augustina (1) sind jedoch danach entstanden und zur Welt gekommen - der Prophezeiung dauernder Zeugungsunfähigkeit des Vaters nach Bestrahlung und Chemo fröhlich trotzend.

Wieso dieser medizinische Super-Gau bisher so gut ausgegangen ist, wird wohl mehrere Ursachen haben - Glück, ein fester Glaube an Gott, kompetente Ärzte, ein paar Zufälle und sicher auch gute Gene eines uralten böhmischen Adelsgeschlechtes, das über viele Jahrhunderte große Politiker in jener Gegend stellte, die heute Tschechien heißt. Das mit dem Adel versteht Maximilian sehr rigoros: Besondere Rechte und Privilegien gibt es nicht mehr, sagt er, aber er sehe in diesem Namen immer noch die Pflicht, ihn würdig zu repräsentieren.

Nun nutzt er ihn für seinen Betrieb - ursprünglich sollte der "Prinzenburger" heißen, aber weil es schon einen ähnlich klingenden Grill gibt, entschied der sich für die Variante "Von Prinzen und Burgern". Dass er einmal Fleisch durch den Wolf drehen, daraus Buletten machen, sie grillen und zwischen zwei Brötchenhälften klemmen würde, war keineswegs seine Lebensplanung. Denn der junge Prinz hatte ursprünglich mehr den Dienst für die Kirche im Visier. Er studierte katholische Theologie mit dem Wunsch, Priester zu werden. Aber irgendwann änderte er seine Meinung, was auch mit dem Problem zusammenhing, Alt-Griechisch zu lernen. Der Wechsel war radikal: Er machte eine Ausbildung zum Hotelkaufmann, kam über ein soziales Projekt des Malteser Ordens in den Libanon, wo er behinderte Menschen betreute. Er arbeitete danach bei den Maltesern in der Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter.

In dieser Zeit verlobte er sich mit Alina, der Tochter eines Düsseldorfer Immobilienmaklers, 2011 kam die Hochzeit - und wenig später die Krebsdiagnose. Nach einer langen, zermürbenden Reihe von Bestrahlungen und Chemotherapien half schließlich ein iranischer Mikrobiologe mit einer neuen Therapie, seit der sich Maximilian wieder fühlt wie vor seiner Krankheit. Aber wirklich gut ging es ihm nicht sehr lange: Die OP-Narbe am Kopf machte Probleme, platzte immer wieder auf, Transplantate wurden abgestoßen, am Ende wurde der Schädelknochen angegriffen. Sieben Operationen später fehlt ihm nun vorne ein Stück Schädelknochen, aber auch das nimmt er mit Humor: "Ich bin kein Fußballer, Kopfbälle werden also nicht vorkommen."

Woran man sieht, dass dieser Mann nicht aufgibt - zuerst Krebs, dann Komplikationen, und dennoch wagte er den Neustart mit seinem Imbisswagen. Im Grunde erfüllte er sich einen Jugendtraum, denn einmal eine besonders gute Pommes-Bude (so nennt er es wirklich) zu haben, hatte er sich schon früh gewünscht. Und seiner Frau davon erzählt. Sie war es dann auch, die ihm riet, diese Idee umzusetzen.

Bislang klappt es prima. Neuerdings steht er täglich vor der Antoniuskirche in Oberkassel, weil deren Pfarrer Michael Dederichs auf ihn aufmerksam wurde. Denn für den kranken Prinzen wurde weltweit und auch in Oberkassel gebetet.

Dederichs schloss sich dem an, und als Lobkowicz ihm von seinen Plänen erzählte, entschied der tatkräftige Gottesmann, nicht nur den Beistand des Schöpfers zu erflehen, sondern auch selbst umgehend zu helfen. Er besorgte ihm die Genehmigung für den Stand vor seinem Gotteshaus an der Luegallee. Nun duftet es dort Montag bis Freitag von 11.30 bis zum Nachmittag nach Hamburgern, und auch Samstag ist der Prinz vor Ort, es sei denn, er ist für irgendein privates Fest gebucht, wo er für die Gäste den Grill anheizt.

Das macht er übrigens stets mit Mohamed, einem Syrer aus Damaskus. Der wollte eigentlich in Deutschland Kfz-Mechaniker werden, entschied sich dann, mit Lobkowicz ins Burger-Geschäft einzusteigen.

Und daher bilden die beiden nun das ungewöhnlichste Team der Düsseldorfer Hamburger-Szene: Ein böhmischer Adliger (zutiefst katholisch), dem Tod von der Schippe gesprungen, brät Buletten gemeinsam mit einem muslimischen syrischen Flüchtling vor einer Kirche im schicken Oberkassel.

Quelle: RP
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