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Universität
"Herr Wickert, wie würden Sie denn damit umgehen?"

Düsseldorf. Da sitzt er also wieder - an einem Tisch, die Hände gefaltet und den Blick zu seinem Publikum gerichtet und spricht mit dieser beruhigenden, unaufgeregten Stimme, und alles scheint wieder wie früher zu sein, als Ulrich Wickert noch die "Tagesthemen" moderierte. Doch Wickert ist nicht in einem Fernsehstudio und spricht auch nicht in eine Kamera. Er sitzt in einem Seminarraum an der Heinrich-Heine-Universität. Und Professorin Christiane Eilders sagt den rund 25 Studenten, die gekommen sind, um mit Wickert im Zuge seiner Heinrich-Heine-Gastprofessur über "Macht und Verantwortung der Medien" zu sprechen: "Dies ist kein normales Seminar."

"Herr Wickert, wie würden Sie damit umgehen?": Das ist denn auch eine Frage, die in dem anderthalbstündigen Seminar immer wieder zu hören ist. Wie würde der Journalist mit Eilmeldungen umgehen, wie mit Bildern und Videos aus dem Internet, deren Quellen und Echtheit unklar sind? Dass Wickert ein dankbares Publikum vor sich hat, wird schon am Anfang des Seminars klar, als die Professorin ihre Studenten darum bittet, mit Handzeichen zu zeigen, ob das Vertrauen in die "Tagesthemen" groß oder klein sei.

Mit ruhiger Stimme wird Wickert nicht müde zu betonen, dass er im Zweifelsfall eben nichts senden würde und dass das Publikum sogar dankbar sei, wenn man diesem sage, dass man bestimmte Dinge noch nicht wisse. Glaubwürdigkeit sei das Wichtigste im Journalismus, sagt er. Und mit "Ich erinnere mich" fängt er dann mehr als einmal an, zu erzählen, wie er im Laufe seiner Karriere einige Agenturmeldungen nicht "gebracht" habe. Sich dem Wettbewerbsdruck unter Medien zu beugen, käme für ihn nicht infrage: Denn eine Nachricht drei Minuten vor allen anderen zu veröffentlichen, und diese dann womöglich zurücknehmen zu müssen, von so einer Berichterstattung habe doch niemand etwas, meint der Ex-Moderator.

Dass das Seminar eben kein "normales" ist, merkt man aber auch daran, dass der Referent teilweise humorvoll und selbstironisch einiges Privates erzählt. So habe Wickert sein juristisches Examen nur aufgrund einer Anmerkung in seiner Arbeit bestanden: dass er damit seine juristische Laufbahn beenden würde. Eigentlich habe er wie sein Vater Diplomat werden wollen und nicht Journalist, hätte lieber das Hauptstadtstudio (damals in Bonn) geleitet, als Mr. Tagesthemen zu werden.

Vorbilder habe er keine, doch ein Zitat begleite Wickert seit seiner Jugend: Luthers "Hier stehe ich, ich kann nicht anders." Über sein Leben als Journalist spricht Wickert bald ausführlicher an der Uni: Am 27. April hält er eine öffentliche Vorlesung (16.30 Uhr, Hörsaal 3A, Gebäude 23.01). (semi)

Quelle: RP
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