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Sattlerin
Junge Frau liebt altes Handwerk

Sattlerin: Junge Frau liebt altes Handwerk
Lea Lou Kersting hat sich mit 22 als Sattlerin selbstständig gemacht und betreibt ihr Geschäft an der Flurstraße. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Handgemacht und handgeschnitzt, handbemalt und handgenäht: Manufakturen erleben eine ungeahnte Renaissance. Die guten, alten Dinge - in Handarbeit gefertigte, hochwertige Produkte finden immer mehr Käufer. Denn in Zeiten, in denen das Handy nach einem Jahr nicht mehr aktuell ist, halten Manufakturen uralte Traditionen am Leben. Eine, die junges Design mit altem Handwerk verbindet, ist Lea Lou Kersting.

Ursprünglich wollte die Düsseldorferin mit 18 Jahren nach dem Abitur Modedesign studieren, doch als Dressurreiterin begegnete sie einer Sattlerin und änderte den Kurs. Und so begann die heute 24-Jährige eine dreijährige Ausbildung als Reitsportsattlerin in einem Unternehmen in Monheim.

"Doch irgendwann wurde es mir zu langweilig, nur Zaumzeug, Leinen und Sättel zu fertigen", erzählt Lea Lou. Sie spezialisierte sich direkt nach der Ausbildung auf die Feintäschnerei und wagte mit 22 den Sprung in die Selbstständigkeit. Das von zwei Schwalben eingerahmte "Lou Saddlery Ledermanufaktur" steht als Firmenschild über dem Atelier an der Flurstraße in Flingern, das zugleich Verkaufsraum ist (Infos gibt es im Internet unter www.lou-saddlery.com).

In der offenen Werkstatt, wo die Werkzeuge aufgereiht an der Wand hängen, der Nähkasten mit dem Garn auf dem Tresen und im Hintergrund die Nähmaschine stehen, kann jeder live erleben, wie die Jung-Unternehmerin handgemachte Lederwaren aller Art herstellt: Taschen für Damen und Herren, Schreibmappen, iPad-Hüllen, Etuis für Schreibzeug, Schlüsselanhänger, Gürtel, Armbänder oder Halsbänder für den Vierbeiner und Maßtrensen für Pferde. "Ich fertige alles an, was dem Kunden so einfällt", sagt die 1,83 Meter große Handwerkerin, die seit zehn Jahren auch in Flingern wohnt. Gemeinsam wird das Leder ausgewählt und es werden Details, Farben, Schnitte, Designs und Futterstoff abgestimmt. Vom Lederbezug für ein Waldhorn über Fototaschen, Visitenkarten-Mäppchen bis zur individuell bemalten und mit Gravur personalisierten Bootstasche ist alles möglich. Produziert wird ausschließlich in Flingern. Dabei erfolgt ein Großteil der Fertigung manuell. Was wiederum nicht nur Geschick im Umgang mit Werkzeugen wie Halbmond, Aale oder Reifelholz erfordert, sondern vor allem ordentlich Kraft aus dem Arm, denn das zu bearbeitende Leder ist ganz schön dick. "Dafür hält es auch ewig und wird nicht brüchig", erklärt die Expertin.

Der Renner in der Ledermanufaktur ist "Agnes" - ein nach Lea Lou Kerstings Nachbarin benannter geräumiger Shopper aus Rindsleder, der an den guten, alten Schulranzen erinnert. Er besteht aus 21 Einzelteilen und erfordert bis zu vier Stunden Handarbeit. Mit der Zeit entwickelt das Leder eine individuelle Patina und die Tasche wird immer schöner. Die Ledersorten stammen aus der Eifel oder dem Allgäu, zumeist sind es zertifizierte, pflanzlich gegerbte Bioleder mit weichem Griff.

Lea Lou Kersting hat ihre Nische gefunden und offenbar so erfolgreich, dass sie sogar in dem aktuell im Daab-Verlag erschienenen Handbuch "Deutscher Manufakturen Führer" als eine von sechs in Düsseldorf ansässigen Manufakturen verzeichnet ist.

Dagmar Haas-Pilwat

Quelle: RP
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