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Benrath
Benrather hängen an ihrem Bürgerhaus

Benrath. Es ist nicht nur die Funktion, die 1285 Benrather dazu bewogen hat, gegen einen möglichen Abriss des Hauses zu unterschreiben, sondern auch das geschichtsträchtige Haus selbst. . Von Andrea Röhrig

Gegenüber des Benrather Bürgerhauses an der Telleringstraße verschwindet gerade ein weiteres Stück Benrather Geschichte. Zwischen 1879 und 1976 wurden auf dem Gelände in einem Kaltwalzwerk Stahlbleche hergestellt. Das, was davon noch übrig war, wird seit dem Sommer 2016 Stück für Stück beseitigt; wie derzeit mehrere Wohnhäuser an der Pauslmühlenstraße. Sie weichen dem Neubau des Albrecht-Dürer-Berufskolleg. Und auch auf dem früheren BEA-Gelände ein Stück die Telleringstraße in Richtung Hildener Straße werden auf kurz oder lang die Bagger anrollen.

Wegen ihrer Sorge, dass die Abrissbirne auch dem Bürgerhaus Benrath drohen könnte, hatten Angelika Grützmacher, Sonja Brockers und Elisabeth Mühlen vor zwei Wochen begonnen, Unterschriften für einen Erhalt zu sammeln. Alle drei bieten Kurse in der Einrichtung an. Dutzende Listen mit 1285 Unterschriften haben sie gestern Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Graf übergeben. "Wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist; also auch keinen Neubau", gaben sie ihm mit auf den Weg. Brockers hat hochgerechnet, dass im Haus pro Woche schätzungsweise 1200 Besucher ein- und ausgehen - vom Kleinkind bis zum Senior.

Ausgelöst hatte diese Initiative ein Gedankenspiel von Dirk Angerhausen, Sprecher der CDU Fraktion in der Bezirskvertretung 9. Hintergrund war die von der Verwaltung angedachte Erweiterung der beiden Grundschulen an der Erich-Müller-Straße wegen der Bautätigkeiten in der Paulsmühle. Dort sind in den kommenden Jahren rund 700 neue Wohneinheiten geplant. Einig waren sich CDU und SPD, dass man besser eine wohnortnähere Versorgung bei den Grundschulplätzen anbieten sollte. Angerhausen brachte dabei einen möglichen Neubau einer Schulerweiterung für die aus allen Nähten platzende Grundschule Einsiedelstraße mit einem integrierten Bürgerhaus auf dem jetzigen Areal an der Telleringstraße ins Gespräch. Hintergrund dafür, diese Idee öffentlich zu machen, sei für ihn gewesen, dass der frühere Baudezernent Gregor Bonin vor ein paar Jahren gesagt haben soll, dass das Bürgerhaus ein Fass ohne Boden sei, sagte Angerhausen, nichtahnend, dass er damit in ein Wespennest stieß. "Es hat danach riesen Aufruhr gegeben", sagte Sonja Borckers.

Doch auf welche Fakten sich Bonin dabei berufen habe, kann nicht mehr nachvollzogen werden. Dieser ist inzwischen nach Mönchengladbach gewechselt. Deswegen hat Anfang September ein von der Stadt beauftragter Architekt eine Begehung des Hauses samt der Anbauten durchgeführt. Und ist dabei zu dem Schluss gekommen, dass das Bürgerhaus ganz gut in Schuss ist und noch viele Jahre seinen Dienst tun kann. Das haben auch Grützmacher, Brockers und Mühlen freudig vernommen - wie auch die Worte von Bezirksbürgermeister Graf, der ihnen zusicherte, dass aus Sicht der Bezirksvertretung alles wie gewünscht bleiben soll, wie es ist. Und auch von Dirk Angerhausen selbst haben sie schon erfahren, dass dieser mitnichten das Bürgerhaus zum Abriss hatte freigeben wollen, sondern Überlegungen hatte anstellen wollen, künftigen Grundschulkindern weitere Wege zu ersparen.

Und so wird bei dem gestrigen Termin zur Übergabe der Unterschriften deutlich, dass es nicht alleine die Funktion des Bürgerhauses ist, die die Nutzer der Einrichtung erhalten wollen, sollen das Gebäude selbst. Vor allem, weil drumherum derzeit schon so viel Benrather Geschichte verschwindet. "Dieses Haus entspricht mit seinem Raumprogramm dem, was die so unterschiedlichen Nutzer benötigen", sagt Elisabeth Mühlen. Und so etwas könne kein Neubau leisten. Davon ist sie überzeugt. Für manch älteren Benrather sind mit dem Gebäude auch Erinnerungen verknüpft. Bis 1980 war dort die Realschule untergebracht, davor eine Zeit eine Berufsschule. Und davor eine Badeanstalt.

Quelle: RP
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