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Benrath
In der Dankeskirche wird Jubiläum gefeiert

Benrath. Die Kirche wurde am Pfingstsonntag vor 100 Jahren eingeweiht. Zum Festgottesdienst am Sonntag kommt Präses Rekowski. Von Andrea Röhrig

Zeitzeugen zu finden ist bei einem 100. Geburtstag dann doch ein bisschen schwierig. Und so musste Georg Gerstenberg, von 1977 bis 2005 Pfarrer der evangelischen Dankeskirchen-Gemeinde in Benrath, andere Wege finden, an Informationen über ein Jahrhundert Dankeskirche zu kommen. Frühzeitig fing er an, sammelte Infos, Fakten und Fotos. All dies vereinigte er in einer 100-seitigen Festschrift im DIN A4-Format mit vielen historischen Fotos, die anlässlich des Jubiläums am Wochenende kostenfrei erhältlich sein wird. Denn es war an einem Pfingstsonntag vor 100 Jahren, als die Dankeskirche eingeweiht wurde.

Eigentlich reichen dem heute 73-Jährigen auch 100 Seiten nicht aus, um alles das der Nachwelt weiterzugeben, was er an Informationen gefunden hat. Über jeden Raum, fast schon jeden Stein, jedes Fenster und jeden Pfarrer, Freund und Stifter kann er Geschichten erzählen. Das macht Gerstenberg nun zum einen in der Festschrift, zum anderen auch persönlich bei mehreren Kirchenführungen während der bis kommende Woche Freitag gehenden Festwoche.

Als Georg Gerstenberg 2011 seinen 70. Geburtstag feierte, wünschte er sich nur eines: Geld, um damit eine Festschrift zu finanzieren. Denn die Dankeskirche ist der Ort, an dem er "sehr glücklich gewesen ist", wie er erzählt. Die Benrather Gemeinde betreute er von 1977 bis Anfang 2005, als er in Rente ging. Unruhige Zeiten und mehrere Pfarrerwechsel kamen anschließend auf die Gemeinde zu. Zuletzt gab es sogar eine zweijährige Pfarrer-Vakanz, bis dann zum 1. Oktober 2012 Florian Specht nach Benrath kam.

Rückblende: Ende des ausgehenden 19. Jahrhunderts zieht es immer mehr protestantische Arbeiterfamilien in den Düsseldorfer Süden, in dem viele Industriebetriebe entstehen. Innerhalb weniger Jahre wächst die Gemeinde auf zirka 2000 Menschen. Logisch, dass man in Benrath schnell daran dachte, eine evangelische Kirche zu bauen. Doch zunächst baute man ein Gemeindezentrum, das am 20. April 1902 an der Neubrückenstraße eingeweiht wurde. Als ein Jahr später mit Ernst Nordmeyer der erste eigene Pfarrer nach Benrath wechselte, begannen die Planungen für den Bau einer großen Feierkirche mit viel Platz für die Gläubigen, wie die Dankeskirche eine ist. Von damals gibt es Fotos, die zeigen, dass die Wohnbebauung noch nicht bis an die Kirche herangerückt ist.

400 Plätze hat die Dankeskirche im Innenraum, weitere 150 bis 200 Sitzplätze auf der Empore. Wenn das nicht reicht, können die FlügelTüren zum Luthersaal geöffnet werden. Auch dort hätten noch einmal rund weitere 50 Gläubige Platz. Wenn die Türen geschlossen waren, wurden in dem Saal Kindergartenkinder betreut. Wenn dann nebenan Gottesdienst gefeiert wurde, mussten die Kinder mucksmäuschen still sein. Inzwischen ist die Kita in einem eigenen Gebäude auf dem Kirchen-Areal.

Für heutige Verhältnisse ist die Kirche inzwischen zu groß; nur an den hohen kirchlichen Feiertagen füllen die Besucher die Kirche, etwa Heiligabend zum Familiengottesdienst mit Krippenspiel. Seit 2005 sind die beiden Gemeinden Benrath (Dankeskirche) und Hassels (Anbetungskirche) fusioniert. Zusammen zählt man rund 5600 Gemeindeglieder, verteilt je zur Hälfte auf die beiden Kirchen.

Georg Gerstenberg ist bei seinen Recherchen auf Protokolle des Kirchbauvereins aus den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts gestoßen. Auch die Abschlussrechnung hat er gefunden: 189 000 Goldmark, umgerechnet auf den heutigen Baupreisindex entspricht das einer Summe von 2,46 Millionen Euro. Kirchbaumeister war ein gewisser Erich Müller, der Namensgeber der benachbarten Straße ist. Und sich selber finanziell enorm beteiligte.

Besonders hervorzuheben ist, dass die Kirche während des Ersten Weltkrieges fertig gebaut wurde. Wer sich ein wenig schlau macht über den Kirchenbau der damaligen Zeit, kann in der Dankeskirche so manches wieder erkennen. Gerstenberg: "Die Mitglieder des Kirchbauvereins versäumten es nicht, bei ihren Urlaubsreisen auch immer eine Besichtigung der Kirchen einzustreuen." Das, was ihnen gefiel, brachten sie als Ideen in die Pläne des Architekten Friedrich Pützer ein.

Und manches wurde sogar umgesetzt. So ist etwa neben dem Altar im Boden eine Vorrichtung eingelassen, in die jedes Jahr der Weihnachtsbaum aufgestellt werden kann. Besonders ist auch: Altar, Kanzel und Orgel bilden eine Einheit, nur eine einzige Stufe trennt den Pfarrer von seiner Gemeinde, er war und ist einer unter seinesgleichen.

Quelle: RP
 
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