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Bilk
Die Whiskyhöhle

Bilk. Seit drei Jahrzehnten betreibt Gert Thiele an der Merowingerstraße das "Abraxas". Von Marc Ingel

Die Musik kommt ausschließlich von der Kassette, an den nikotinverfärbten Wänden hängen Setzkästen mit Schnickschnack oder Bilder von Hexen und Kobolden, gezahlt wird nur in bar. Die Einführung des Rauchverbots muss im Abraxas an der Merowingerstraße der größte Einschnitt in der 30-jährigen Geschichte der schummrigen Kneipe in Bilk gewesen sein. Ansonsten geht hier alles seinen gewohnten Gang, 363 Tage im Jahr, nur am 1. Weihnachtsfeiertag und an Silvester ist geschlossen.

Man sieht es dem Laden nicht auf Anhieb an, aber das Abraxas ist in mehrfacher Hinsicht eine ganz besondere Kneipe in Düsseldorf. Hier findet regelmäßig Kleinkunst statt, Lesungen, Konzerte, Kabarett, die Künstler stehen dann einfach irgendwo mittendrin. Das allein wäre noch nichts wirklich Besonderes, das gibt es anderswo ebenso. Auch das mitunter skurril anmutende Ambiente, das stark an eine etwas heruntergekommene Hexenhütte erinnert, ist nicht das herausragendste Merkmal. Etwas anderes macht das Abraxas einmalig. Es ist der Whiskey.

Der "Whisky Guide", sozusagen die Bibel unter den Liebhabern der destillierten Spirituose, führt genau zwei Düsseldorfer Läden unter den Top 50 in Deutschland auf: zum einen die Capella Bar im Breidenbacher Hof, zum anderen das Abraxas. "Wir sind seit der Erstveröffentlichung 2008 unter den besten 50 in Deutschland", erzählt Inhaber Gert Thiele, der sich seit gut 20 Jahren intensiv mit Whisky beschäftigt. Er versucht, nach Möglichkeit stets 120 verschiedene Flaschen im Anbruch zu haben, "das klappt nicht immer". Was einen guten Whisky ausmacht: "Er sollte möglichst mild sein, auch wenn 60 Prozent Alkohol im Spiel sind. Die Vielschichtigkeit muss zudem gegeben sein, der Widerstreit von Aromen im Mund ausgefochten werden."

"Es gibt nicht den Lieblings-Whisky, das ist immer auch stimmungsabhängig", sagt Angie Wanke, seit den 90er Jahren zunächst geschäftlich, später dann privat mit dem Abraxas verbunden. Sie und Thiele leben in einer Wohnung über der Kneipe, "da haben wir es nie weit", erzählt die Wirtin, die in mühevoller Kleinarbeit die Whisky-Karte angefertigt hat.

Laien bietet Gert Thiele gerne ein Gläschen "Writers Tears" an, "unsere Top-Einstiegsdroge". Die Tränen des Schriftstellers seien sehr leicht und fruchtig. Ebenfalls empfehlenswert: der Single Malt Auchentoshan (übersetzt aus dem Gälischen: Ecke des Feldes). "Der wurde zwölf Jahren in drei verschiedenen Fässern gelagert: zehn Jahre in einem Bourbon-Fass, dann noch in zwei verschiedenen Sherry-Fässern." Thiele bezieht seinen "Stoff" (nur Einzelfassabfüllungen!) vor allem von zwei Whisky-Clubs, die lediglich an Mitglieder ausliefern: der Single Malt Circle von Maggie Miller in Kalkum sowie die weltweit agierende Scotch Malt Whisky Society. Prinzipiell gilt darüber hinaus: "Wir schenken unseren Gästen nur Whisky aus, den wir vorher auch probiert und für gut befunden haben", so der Experte.

Seit 30 Jahren hat Gert Thiele jetzt das Abraxas, geht es nach ihm, kann das noch ein paar Jährchen so bleiben. "Das Lokal lebt ohnehin sein eigenes Leben, darauf haben wir keinen großen Einfluss", sagt Angie Wanke. Zweimal haben sie schon renoviert, einmal waren die Wände nachher so weiß, da musste mit Gelb nachgebessert werden. Dann war's wieder schön düster. So wie das Paar es liebt.

Quelle: RP
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