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Bilk
Diese Frau schlichtet Streit

Bilk. Margret Winkel-Tauchnitz betreut den Schiedsamtsbezirk 6. Sie hilft bei Auseinandersetzungen und erspart den Gang vors Gericht. In der Regel hat die Schiedsfrau es mit Nachbarschaftsstreitereien oder Beleidigungen zu tun. Von Oliver Burwig

"Von einem Gericht bekommt man ein Urteil, bei mir eine Einigung." So beschreibt Margret Winkel-Tauchnitz ihren neuen Job als Schiedsfrau. Nachbarschaftsstreits, Verleumdung und Beleidigung sind ihr Fachgebiet, Konflikte versucht die Ehrenamtlerin durch Gespräche zu schlichten - bevor der Richter entscheiden muss. Neben Bußgeldern oder sogar Haftstrafen erspart dieses außergerichtliche Verfahren den Beteiligten auch lange Amtswege und bürokratische Hürden.

"Manche Sachen schwelen schon lange, bevor die Menschen zu mir kommen", sagt Winkel-Tauchnitz. Das kann zum Beispiel die überwachsende Balkonpflanze oder das spätabendliche Fußgetrappel in der Wohnung sein. Viele dieser Probleme seien nachbarschaftlichen Verhältnissen geschuldet, in denen Mieter zu wenig miteinander sprechen, was zu Unterstellungen und Fehlinterpretation des gegenseitigen Verhaltens hinauslaufe. Alle Fälle, mit denen sich Winkel-Tauchnitz befasst, seien im Grunde Missverständnisse. "Oft wissen die Menschen nicht, dass ihr Nachbar beispielsweise in Nachtschicht arbeitet und tagsüber schlafen muss", sagt die Schiedsfrau. "Die Leute haben hier die Chance, miteinander zu sprechen und noch die Kurve zu bekommen." In bestimmten Streitfällen, von denen die Öffentlichkeit nicht betroffen ist, ist der Gang zum Schiedsamt auch vorgeschrieben, bevor der Kläger vor Gericht ziehen darf. "Eine Beleidigung kann 500 Euro kosten und eine Haftstrafe nach sich ziehen", sagt Winkel-Tauchnitz. Ein Risiko, das sich viele Angeklagten hätten ersparen können, wenn sie zu einem Gespräch bereit gewesen wären.

Einige Probleme kann Winkel-Tauchnitz schon vom Bürosessel aus lösen. "Tür-und-Angel-Fälle" nennt sie jene Konflikte, bei denen schon ein paar Anrufe, gutes Zureden - und vor allem Zuhören - Wunder wirken. "Momentan arbeite ich an dreien solcher Fälle", sagt die Schiedsfrau. Fünf weitere Streitfälle habe sie seit Beginn ihrer Arbeit im Januar durch persönliche Gespräche lösen können. "Das geht nur, wenn die Menschen mir vertrauen." Winkel-Tauchnitz bewarb sich im vergangenen Jahr erfolgreich auf das ehrenamtliche Schiedsamt. Als Betriebsrätin bei der WestLB sammelte sie Erfahrungen im Umgang mit streitenden Parteien, jetzt ist sie im Vorruhestand. In ihrem Büro an der Heresbachstraße arbeitet sie neben dem Schiedsamt aber weiter als private Mediatorin. Auf den vollständigen Ruhestand schaut die 58-Jährige noch nicht. "Bis 70 darf man das machen, ich glaube schon, dass ich noch so lange weitermache", sagt Winkel-Tauchnitz.

Schon vor 30 Jahren hätten Schiedsmänner und -frauen es mit handfesteren Problemen wie Kneipenschlägereien und Körperverletzung zu tun gehabt. "Schiedsämter sind heute genauso wichtig wie früher." Durch eine "komplett veränderte Bevölkerungsstruktur" in Bilk mehren sich nun die eher "unterschwelligen" Fälle. "Kommunikation findet immer mehr im Netz statt. Eine E-Mail kann schnell missverstanden werden", sagt Winkel-Tauchnitz. Da sie es auch mit Fragen des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) zu tun habe, helfe sie, Konflikte, die in Beleidigungen, Verleumdung und Diskriminierung ausarteten, zu schlichten. Für die Schiedsfrau sei es in schwierigen Fällen schon ein Erfolg, wenn sie zum gegenseitigen Verständnis beitragen kann. Ein Beispiel für das Gegenteil findet sich in ihrem Büro in bildlicher Form wieder: als Gemälde der berühmten Altstadt-Skulptur der "Streitenden".

Quelle: RP
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