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Bilk
Fernrohr ohne Durchblick erinnert an Bilker Sternwarte

Bilk. Früher konnte man den Hahn auf Alt St. Martin sehen. Nach der Renovierung nicht mehr. Von Thorsten Breitkopf

Vielen ist es heute nicht mehr bekannt, aber Bilk ist Düsseldorfs astronomischster Stadtteil. Etliches in dem Viertel zwischen S-Bahnlinie und den Rheindörfern Flehe und Volmerswerth erinnert noch heute an die ruhmreiche Zeit der Sternenentdeckung von Bilk aus. Man fragt sich warum die Konkordiastraße mit K und nicht korrekt auf Lateinisch (Eintracht) mit C geschrieben wird. Die Straße ist eben nicht nach der Eintracht, sondern nach einem gleichnamigen, von Bilk aus entdeckten Kleinplaneten benannt. Und der schreibt sich nun mal mit K. Und auch die Germaniastraße hat nichts mit Germany zu tun, sondern mit dem Kleinplaneten Germania, der auch in Bilk entdeckt wurde.

Denn in dem Stadtteil war Ende des 19. Jahrhunderts eine der erfolgreichsten Sternwarten des Landes beheimatet. Diese Sternwarte wurde während eines Bombenangriffs auf Düsseldorf im Kriegsjahr 1943 vollständig zerstört. Um aber das Gedenken an die Sternwarte aufrecht zu erhalten, errichteten die Bilker Heimatfreunde bereits im Jahr 1953 ein Denkmal. Auf einem steinernen Sockel vor der Kirche Alt St. Martin an der Kreuzung Bachstraße/Martinstraße wurde der ausgeglühte metallene Körper des Fernrohres aufgestellt. Und wer durch das hohle Fernrohr von unten in drei Metern höhe blickte, sah den Hahn auf dem Dach der Kirche - Alt St. Martin ist nicht nur Düsseldorfs ältestes Gotteshaus, sondern auch das älteste noch erhaltene Gebäude der Stadt.

Kürzlich musste das alte Fernrohr wegen starker Verwitterung aufwendig renoviert werden. Jetzt steht es restauriert wieder an seinem Platz. Doch den goldenen Hahn auf der historischen Kirche kann man nun nicht mehr sehen. Zum einen hat das Fernrohr nun einen Deckel bekommen, so dass ein Durchblick nicht mehr möglich ist. Zum anderen wurde von den Handwerkern, ob wissentlich oder aus Versehen, der Winkel des Teleskops verändert. So wäre auch ohne den neuen Deckel ein Blick auf den Hahn auf der Kirchenspitze nicht sichtbar. Viele Bilker Bürger bedauern das. Viele Ältere berichten davon, dass sie schon als Kinder durch das Fernrohr gelugt haben.

1843 hatte der Physiker und Astronom Johann Friedrich Benzenberg die Sternwarte an der heutigen Sternwartstraße bauen lassen und ihr nach seiner Frau den Namen Charlottenruh gegeben. Er beobachtete dort Sternschnuppen und wohnte auch in der Sternwarte. Das eingeschossige Haus mit Observatorium vermachte er in einem geschickten Testament dann der Stadt Düsseldorf - mit der Auflage, dort einen Astronomen zu installieren. Damals war es groß in Mode, neue Planeten zu Sterne zu entdecken. Die Teleskope wurden immer besser, der Himmel war noch weitgehend unentdeckt und der große Reiz bestand darin, den Planeten als Entdecker einen Namen geben zu dürfen. Den größten Erfolg darin hatte der Astronom Robert Luther. Zwischen den Jahren 1852 bis 1890 entdeckte er insgesamt 24 Himmelskörper, die bis heute den Namen "Düsseldorfer Planeten" tragen. Nach der Definition heutiger Astronomen sind sie eigentlich Kleinplaneten. Den ersten von ihnen, er gab ihm den Namen Thetis, entdeckte er in einer klaren Aprilnacht im Jahr 1852. Endlich hatte die Bilker Sternwarte den Beweis ihres wissenschaftlichen Standards erfüllt. Den letzte und auch am schwächsten erkennbare unter den Düsseldorfer Planeten, Glauke, entdeckte er am 20. Februar 1890.

Mit der zunehmenden Industrialisierung und Straßenbeleuchtung Düsseldorfs wurde es immer schwerer, Sterne vom Stadtgebiet aus zu sehen. Seit dem Jahr 1937 wurde die Sternwarte nicht mehr genutzt.

Quelle: RP
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