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Düsseltal
Im 50. Jahr Juwelier an der Rethelstraße

Düsseltal: Im 50. Jahr Juwelier an der Rethelstraße
Hans-Henner Katzler eröffnete 1966 sein Geschäft an der Rethelstraße. In dem Meisteratelier werden auch Schmuckmetalle und -steine, edle Farbsteine bis hin zu Süßwasser- oder Tahiti-, Südseezucht-Perlen verarbeitet. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseltal. Seit 1966 betreibt Hans-Henner Katzler ein Juwelier- und ein Uhrengeschäft an der Rethelstraße. Der 76-Jährige würde sich gerne zur Ruhe setzen, findet aber keinen Nachfolger. Irgendwie kann er aber ohnehin nicht loslassen. Von Marc Ingel

Hans-Henner Katzler ist ein Goldschmied von altem Schrot und Korn. Im 50. Jahr führt er nun seinen Laden an der Rethelstraße. Mit quasi nichts außer seinem Meisterbrief in der Tasche hat er mit 27 Jahren den Sprung ins kalte Wasser gewagt. Schon bald hat er neben dem Juwelier- ein zweites, auf Uhren spezialisiertes Geschäft eröffnet - zunächst am Brehmplatz, dann direkt gegenüber an der Rethelstraße. "Für Uhren gibt es ein anderes Klientel. Reparatur, Batteriewechsel, ein neues Armband, das muss oft ganz schnell gehen. Der Juwelier muss sich viel mehr Zeit nehmen, zuhören, auf Wünsche der Kunden eingehen, vor allem, wenn man - wie wir - Unikatschmuck anfertigt", begründet Katzler die Aufteilung.

Der 76-Jährige sieht locker zehn Jahre jünger aus, als er ist. "Ich versuche immer noch, viel Sport zu treiben, zuletzt war ich eine Woche Wandern in den Alpen", erklärt er. Innerlich jedoch ist der Mann aufgewühlt. "Es bleibt so viel auf der Strecke, immer steht nur die Arbeit im Vordergrund. Wir suchen dringend mindestens eine Goldschmiedin, eher zwei bis drei, finden aber niemanden. Keiner will mehr eine solide Ausbildung machen", klagt der Geschäftsmann. Sein Traum ist es, mit seiner Frau einmal eine Weltreise zu machen. "Aber wie denn?", fragt er rhetorisch und hat ein Beispiel für den nie nachlassenden Arbeitseifer von sich und seiner Frau Roswitha-Sigrid parat: "Nach einem Skiunfall ging meine Frau viereinhalb Monate auf Krücken. Jeden Tag stand sie im Laden."

Im Juli 1966 hat Katzler sein Juwelier-Geschäft eröffnet, fast fünf Jahrzehnte hat er also die Entwicklung der Rethelstraße beobachtet. "Früher gab es hier viel mehr Vielfalt: ein Kurzwarenladen, wo man noch Zwirn, Faden oder Knöpfe kaufen konnte, ein Farbengeschäft, Feinkosthändler und Schumacher, überhaupt viel mehr Handwerksbetriebe. Heute haben wir dafür anonyme Groß-Supermärkte und zehn Bäcker", übertreibt er bewusst. "Die Rethelstraße hat sich im Vergleich zu damals eindeutig zum Nachteil entwickelt", lautet sein Urteil.

Wenn er laut darüber nachdenkt, würde er sich schon gerne langsam, aber sicher zu Ruhe setzen und mit seiner Frau den Lebensabend genießen, zumindest aber das Uhrengeschäft abstoßen und sich ganz auf das Juweliergeschäft konzentrieren. "Aber es will ja keiner machen". Ein Kandidat habe sich mal gemeldet, "es wäre auch finanzierbar für ihn gewesen, aber der Mann hatte keine Partnerin. Und ohne jemand, der einem den Rücken freihält, funktioniert das Geschäft nicht", sagt Katzler: "Meine Frau hat den Laden voll im Griff. Sie ist die geborene Designerin, beweist im Umgang mit Kunden aber auch eine gute Menschenkenntnis."

Eigentlich macht ihm die Arbeit als Juwelier, am "Brett", wie er sagt, auch immer noch viel Spaß. "Wir arbeiten oft Erbschmuck um, damit er wieder tragbar ist. Wir verarbeiten in unserem Meisteratelier alle Schmuckmetalle und -steine, von Silber über Gold bis Platin, von edlen Farbsteinen über Diamanten und Brillanten in allen Schliffvarianten und Farben bis hin zu Süßwasser- oder Tahiti-, Südseezucht- oder Orientperlen", schwärmt der graduierte Diamant-Experte und erfahrene Edelsteinkenner.

Wenn dann Kunden in das Geschäft kommen, die Jahre zuvor als Kinder schon da waren, als sie kaum über den Verkaufstresen schauen konnten und die jetzt mit ihrem Partner Eheringe aussuchen, geht Katzler das Herz auf. Diesen Paaren schreibt er dann zu jedem Hochzeitstag einen persönlichen Brief. "Die denken bestimmt inzwischen, der Alte ist verrückt geworden, aber die Zeit nehme ich mir gerne", sagt der 76-Jährige, der als junger Mann davon träumte, Mediziner oder Meeresbiologe zu werden. "Aber wir wohnten damals in Pforzheim, und dort wird man nun mal Goldschmied."

Letztlich bereut hat er es nicht, das Geschäft ist sein Lebenswerk, wie er sagt. "Nur ein bisschen mehr Freizeit manchmal, einfach mal 14 Tage den Laden abschließen, das wäre schön. Aber das geht nun mal nicht", seufzt Katzler - und macht sich wieder an die Arbeit.

Quelle: RP
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