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Eller
Ehrung für Ellers ersten Pädagogen

Eller. Ulrich Brzosa setzt sich dafür ein, dass nach dem Lehrer Georg Ollig (1802-1856) jetzt eine Straße benannt wird. Von Marc Ingel

Georg Ollig war ein überzeugter Idealist, so viel steht fest. Der erste weltliche Lehrer in Eller, der am 1. März 1825 seinen Dienst antrat, stellte seine eigenen Bedürfnisse immer zurück. "Er hatte kein ordentliches Schulgebäude, seine Dienstwohnung wurde beschnitten, er verzichtete auf eine angemessene Entlohnung, überall legte man ihm Steine in den Weg. Doch er ließ sich nicht davon abbringen, Kinder unterrichten zu wollen. Ollig war ein Lehrer mit Leib und Seele", sagt Ulrich Brzosa von den Eller Stadtteil-aktivisten.

In diesem Jahr feiert die Hauptschule an der Bernburger Straße das 100-jährige Bestehen ihres heutigen Schulgebäudes. Die Schule als Einrichtung ist jedoch wesentlich älter, und ihre Geschichte beginnt mit Georg Ollig. Aus diesem Grund hält Brzosa es für angemessen, in Eller eine Straße nach dem Pädagogen zu benennen. Eigentlich ist es nur eine kleine Gasse, keine hundert Meter lang, doch dieser Verbindungsweg von der Gumbertstraße zur Vohwinkelallee, also direkt im Eingangsbereich der heutigen Schule, könnte besser nicht gewählt sein, glaubt der Historiker. Er hat Bezirksbürgermeister Wilhelm Gerwald van Leyen in einem Brief von seiner Idee berichtet und hofft, dass das Thema in der heutigen Sitzung der Bezirksvertretung 8 noch auf die Tagesordnung rutscht.

Georg Ollig sorgte für den Bau des ersten Schulhauses in Eller 1836, er unterrichtete die Schüler erstmals nach einem verbindlichen Lehrplan, und er setzte in Eller die gesetzlich vorgeschriebene Schulpflicht für alle Kinder durch. Nicht nur wegen seines großen Engagements für die Schule und die Schüler genoss er in der Bevölkerung in Eller ein hohes Ansehen. Auch seine Integrität und seine Selbstlosigkeit wurden geschätzt. Die unzureichenden Unterrichtsräume zu Beginn seiner Amtszeit waren wohl mit dafür verantwortlich, dass Ollig im Alter von 54 Jahren an den Folgen von Tuberkulose verstarb.

Bevor Ollig seinen Dienst antrat, oblag es zur damaligen Zeit in Eller wie auch anderswo oft dem Küster, Kinder in den wichtigsten Schulfächern zu unterrichten. In Eller war das Edmund Hoster, der sich als restlos überfordert herausstellte. Das erkannte 1822 auch die Prüfungskommission der Königlichen Regierung in Düsseldorf, die Hoster ein schlechtes Zeugnis aussprach. Besserung trat erst ein, nachdem Eller preußisch wurde und die Gemeinde zur Unterhaltung einer Schule verpflichtet war. Die Räumlichkeiten im Küsterhäuschen am Straßenkreuz blieben aber auch lange nach Olligs Dienstantritt 1825 unzureichend, seine Kritik wurde nicht gehört. "Jedes Dörfchen hat seine Schule, nur Eller nicht. Schande für seine Bewohner!", hieß es in einem Beschwerdebrief von 1834. Der Wunsch nach einem zweckmäßig eingerichteten Schulhaus an der Gumbertstraße 191 erfüllte sich für Eller erst zwei Jahre später. Ollig hatte sein wichtigstes Ziel erreicht.

"Der ihm anvertrauten Jugend eine für ihr irdisches Fortkommen genügende Ausbildung zu geben, war ihm heilige Pflicht. Darum wird sein Andenken ruhmvoll bleiben", hieß es später unter anderem in seinem Totenzettel. "Leider ist dieser Wunsch seiner Zeitgenossen bis heute nicht in Erfüllung gegangen und der Name Georg Ollig völlig in Vergessenheit geraten", sagt Brzosa.

Quelle: RP
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