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Garath
Zweites SOS-Kinderdorf-Haus gekauft

Garath: Zweites SOS-Kinderdorf-Haus gekauft
Martina Stegmann im Vorgarten ihres künftigen Hauses in Garath. Allerdings gibt es noch zahlreiche Renovierungsarbeiten, bevor sie im Sommer einziehen kann. FOTO: Olaf Staschik
Garath. Die künftige Kinderdorf-Mutter Martina Stegmann kann es kaum erwarten, in das Haus einzuziehen. Das dauert allerdings noch einige Zeit, denn das Haus muss renoviert werden, damit es für Kinder geeignet ist. Von Birgit Wanninger

Martina Stegmann blickt in das große, leere Wohnzimmer, stellt sich in eine Ecke und sagt: "Hier wird nächstes Jahr der Weihnachtsbaum stehen." Die 42-Jährige strahlt. Sie ist froh, dass es jetzt endlich für sie losgehen kann. Martina Stegmann ist nicht nur Pädagogin, sondern auch ausgebildete SOS-Kinderdorf-Mutter.

Seit Anfang des Jahres arbeitet sie beim SOS-Kinderdorf in Garath. Allerdings noch nicht in dem Beruf, den sie eigentlich ausüben möchte. Das entsprechende Haus für eine sechsköpfige Familie musste erst gefunden werden.

An der Emil-Barth-Straße ist ihr Chef, der SOS-Leiter für Düsseldorf, Herbert Stauber, jetzt fündig geworden: mit einem rund 200 Quadratmeter großen Haus aus den 60er Jahren. "Sogar mit kleinem Innenhof und Garten", sagt Stegmann bei der Besichtigung. "Es ist das erste Mal, dass ich das Haus leer sehe", sagt sie. Der Eigentümer ist kürzlich gestorben und seine Erben haben die Immobilie zum Kauf angeboten.

Für die künftige SOS-Familie sind noch einige Umbauarbeiten erforderlich. Die kleine Küche soll mit dem Wohn- und Esszimmer verbunden werden. Björn van der Bruck, Bereichsleiter für die Kinderdorf-Familien, hat alles im Blick. "Wir müssen noch sehen, ob der große Raum in der ersten Etage zweigeteilt wird", sagt er. Fest steht aber, dass die schrägen Fenster im Dach tiefergelegt werden. "Die Kinder sollen schließlich rausgucken können", sagt er. Das sei SOS-Vorschrift. Auch die beiden Badezimmer müssen renoviert werden, haben sie doch den Charme der späten 60er Jahre. "Vielleicht bauen wir noch ein weiteres Bad", sagt van der Bruck. Die genauen Pläne stünden noch nicht fest.

Fest steht hingegen, dass SOS-Kinderdorf Vollgas geben will. Solange wie beim ersten Haus für eine Kinderdorf-Familie sollen die Arbeiten nicht dauern. Denn Martina Stegmann ist nach Kathrin Luttkus die zweite Kinderdorf-Mutter in Düsseldorf. Luttkus betreut inzwischen in einem umgebauten Zweifamilienhaus in Garath fünf Kinder.

Dort hat Stegmann in halber Stelle mitgearbeitet. Sie weiß also genau, was künftig auf sie zukommt. Bis nach Weihnachten will sie die dortige Familie noch mit betreuen, bevor sie sich auf ihre eigenen Aufgaben konzentriert.

Auch die ambulante Hilfe, der zweite Part, seit sie in Garath arbeitet, muss sie dann aufgeben. Denn dann gilt es, sich um das eigene, künftige Zuhause zu kümmern. Sie weiß, dass für sie ein ganz neues Leben beginnt, sobald sie eine "Familie" bekommt. Sie muss dann einen ganz neuen Weg in ihrem Leben gehen. "Wahrscheinlich bis zur Pensionierung" meint sie. Denn eine Generation lang, rund 15 Jahre, sollen die Kinder betreut werden.

"Ich freue mich sehr auf die neue Herausforderung - auf den Familienalltag", sagt sie. Sie könnte sich vorstellen, Rituale zu entwickeln. Sie weiß aber auch, dass ihre künftigen Kinder aus Problemfamilien stammen oder selbst Probleme haben. "Ich bin kein Mutter-Ersatz", erklärt sie. Vielmehr versteht sie sich als Erziehungspartner, auch, sofern möglich, mit den Eltern. Sicherlich, gesteht sie, auch sie habe daran gedacht, eine Familie zu gründen, der Kinderwunsch sei vorhanden gewesen. "Aber irgendwie hat es sich nicht ergeben."

Bei ihrer künftigen "Familie" soll ihr Privatleben nicht komplett hinten anstehen. Die 42-Jährige verreist sehr gerne, am liebsten nach Brasilien. Deshalb möchte sie auch Portugiesisch lernen, und sie fährt leidenschaftlich Ski. Dafür gibt es in Zukunft Freiräume. "Auch wenn ich in dem Haus mit den Kindern lebe, so habe ich doch freie Tage und Urlaub", sagt sie. In dieser Zeit sollen die Kinder dann übrigens von ausgebildeten Erzieherinnen betreut werden, die dann statt ihrer im Haus schlafen.

Ziel der Kinderdorf-Mutter ist es, ihren Sprösslingen, wenn möglich, den Kontakt zu den leiblichen Eltern zu erhalten und dass sie zu ihren leiblichen Eltern zurück können. "Rückführung" nennt sie das. Aber das sei oft nicht möglich, deshalb blieben die Kinder zumeist bis zur Selbstständigkeit in der neuen Familie.

"Es sind Kinder, die zu ihrem Schutz aus den Familien geholt werden. Traumatisierte Kinder, Kinder von Drogenabhängigen, oder die Mutter schafft es nicht mit ihnen", sagt Stegmann. Kinder, die eben nicht bei ihren Eltern leben können und eine verlässliche Bezugsperson benötigen. Das ist die Idee von Hermann Gmeiner gewesen, der die SOS-Kinderdörfer nach diesem System gründete.

Quelle: RP
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