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Gerresheim
Wiederaufbau der Synagoge ist denkbar

Gerresheim. Die Junge Union hat die Diskussion angestoßen, das nach einem Brandanschlag 1984 abgerissene jüdische Gotteshaus wieder aufzubauen. Das finden nicht alle in Gerresheim plausibel. Die Idee hat aber auch ihren Reiz. Von Marc Ingel

Man kann sicher darüber streiten, ob die Forderungen der Jungen Union im Stadtbezirk 7 sowie in Gerresheim, mit der die Ortsverbände Ende vergangenen Jahres die Öffentlichkeit suchten, tatsächlich für eine Umsetzung taugen: ein Schwimmbad für Gerresheim, ein Heimatmuseum, öffentlich aufgestellte Glaskuben zur Ausstellung der auf dem Glashüttengelände gefundenen Flaschen und eben der Wiederaufbau der alten Synagoge in Gerresheim, die nach einem Brandanschlag im Februar 1984 wenig später abgerissen wurde. Das klingt dann doch alles nach ein bisschen viel und lässt vermuten, hier will jemand vor allem auf sich aufmerksam machen.

Zumindest beim letzten Punkt kann man der Jungen Union aber nicht vorwerfen, dass sie von etwas redet, von dem sie überhaupt keine Ahnung hat. "Wir haben mehrere jüdische Mitglieder bei uns und dafür auch den David-Ben-Gurion-Arbeitskreis gegründet", sagt der Vorsitzende im Stadtbezirk, Ulrich Wensel. Aus dieser Runde heraus sei die Idee entstanden, die innerhalb der eigenen Partei sowie dem Bürger- und Heimatverein in Gerresheim, in dem Wensel ebenfalls Mitglied ist, kritisch gesehen werde.

Das stört die Jugendorganisation der CDU aber nur bedingt. "Wir wollen etwas anstoßen, die Erinnerungskultur im Ortsteil stärken. Die wurde trotz der Stolpersteine in der Vergangenheit doch etwas stiefmütterlich behandelt", sagt Wensel. Das Ergebnis dieses Abwägungsprozesses müsse nicht zwingend die Rekonstruktion der alten Synagoge sein, sondern könnte auch eine Nummer kleiner ausfallen. "Es gibt durchaus Befürworter der Idee. Davon abgesehen ist aber klar: Der alte Standort am Wallgraben unmittelbar an den Bahngleisen, wo jetzt der Gedenkstein steht, kommt aus Platzgründen nicht infrage, ein paar Meter weiter ginge es aber schon", sagt Wensel. Vielleicht reiche es auch, die Grundmauern nachzuzeichnen und für alle sichtbar zu machen oder nur das Umfeld der Gedenkstätte optisch aufzuwerten. "Wir wollen zu einer Diskussion anregen und neben der Mahn- und Gendenkstätte auf jeden Fall auch die jüdische Gemeinde in Düsseldorf einbeziehen."

Das scheint bis jetzt allerdings noch nicht geschehen zu sein. Michael Szentei-Heise, Verwaltungsdirektor der jüdischen Gemeinde, hat "gerüchteweise" von den Plänen gehört, die alte Synagoge wieder aufzubauen. Einen sakralen Charakter könne ein Nachbau sicher nicht haben, dort Gottesdienste abzuhalten, sei "absolut nicht vorstellbar", sagt er. "Dennoch könnte es aus historischer Sicht durchaus Sinn machen, dort einen Erinnerungsort zu schaffen, etwas wie ein Museum."

Für Bastian Fleermann, Leiter der Mahn- und Gedenkstätte in Düsseldorf, ist die Idee vollkommen neu. "Ich kenne diese Pläne nicht und kann sie daher auch nur schwer bewerten." Sollten die Initiatoren diese aber weiter ernsthaft verfolgen und sollte auch die jüdische Gemeinde bereit sein, daran mitzuarbeiten, könne man sich aber natürlich jederzeit an ihn wenden.

Für Fleermann hat die Geschichte einen besonderen Hintergrund. Denn ursprünglich gab es in den 1980er Jahren Überlegungen, die alte Synagoge in Gerresheim als Standort für die Mahn- und Gedenkstätte auszuwählen. Das war nach dem Anschlag nicht mehr möglich: Der Dachstuhl war komplett ausgebrannt, die Backsteinmauern waren mit Hakenkreuzen beschmiert. Es war nur noch eine Ruine übrig, die mit Zustimmung der jüdischen Gemeinde im Zuge der Ortskernsanierung in Gerresheim abgerissen wurde. Die Reichskristallnacht hatte die Synagoge völlig unbeschadet überstanden.

Quelle: RP
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