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Heerdt
Krieg und Gewalt im Zeichen der Zeit

Heerdt. Passend zur ihrer Geschichte ist in der Bunkerkirche eine Ausstellung unter dem Titel "Ecce Homo" zu sehen. Gezeigt werden Zeichnungen und Malerei des Künstlers Gert Weber und Fotografien von Lutz Müller-Bohlen. Von Heide-Ines Willner

Zwei Hochbunker im Stadtteil machen Geschichte: der eine ist unter dem Namen "Papillon" in ein prämiertes Wohnprojekt, der andere nach dem Zweiten Weltkrieg in ein Gotteshaus verwandelt worden - die Bunkerkirche. Heute bildet sie nicht nur das sakrale Gegenstück zum weltlichen Wohnprojekt, sondern wird auch als Friedenssymbol und vor allem als Mahnmal verstanden. So hat der Veranstalter "Friedensort Bunkerkirche" die aktuelle Ausstellung wiederum der Zeit angepasst, in der noch immer Willkür und Ohnmacht gegenwärtig sind.

Der Maler Gert Weber und der Fotograf Lutz Müller-Bohlen haben unter dem Titel "Ecce Homo" (Seht, da ist der Mensch) das biblische Motiv vom geschundenen Jesus mit Dornenkrone und Folterwunden aufgegriffen und erweitert - als neuzeitliches Synonym für das Leiden und die Entwürdigung des Menschen durch Gewalt und Krieg.

Wer die Ausstellung besucht, wird nicht geschont: An den rauen Wänden der Rampe führen Webers Darstellungen von Menschen in Todesangst hinab zu neun großformatigen Tafeln. "Vertrieben", hat Weber seine Arbeit benannt, die den Mittelpunkt der Ausstellung darstellt. Angst, Verzweiflung, Gestalten hinter Stacheldraht, lautlos in die Welt schreiend und Todesmärsche haben eine beängstigende Aktualität in einer Zeit, die gesamteuropäisch von Flüchtlingsströmen und politischen Beben geprägt ist. "Vertraute Muster aus vergangen geglaubten Zeiten", heißt es in der Begleitbroschüre der Ausstellung. Ergänzt wird die Malerei von den Arbeiten des Fotokünstlers Müller-Bohlen. Er blickt zurück in die Vergangenheit mit Baracken in Auschwitz und Birkenau. An einem grob zusammengezimmerten Hochbett prangt der Spruch: "Sei ruhig". "Das Erbe der Rose" in Erinnerung an die Geschwister Scholl und Hitlers "Olympia" hat der Fotokünstler ebenfalls thematisiert. Besonders beeindruckend ist der "Kopf des Johannes". Zu sehen ist ein realer Mensch, dessen Kopf zwischen zwei Buchdeckeln steckt.

Die beiden Künstler - Weber lebt in Gotha, Müller-Bohlen in Berlin - haben sich durch das soziale Netzwerk "Facebook" kennengelernt. Persönlich getroffen haben sie sich erstmals zur Ausstellungseröffnung in der Bunkerkirche. "Die Beiden wollen nicht mit dem Finger auf die Menschen zeigen, die lautstark ihren neuen oder alten Chauvinismus in die Öffentlichkeit rufen", heißt es weiter im Begleit-Text. "Sie wollen vielmehr aus unterschiedlichen Blickwinkeln mahnen, innezuhalten und fordern dazu auf, an ihrer Zwiesprache teilzunehmen.

Gert Weber stellt nicht das erste Mal in der Bunkerkirche aus. 2011 hatte er mit der Ausstellung "Die Mauer - Die Klage - Die Ohnmacht" den Mauerfall thematisiert. 1951 in Thüringen geboren, hatte sich zur DDR-Zeit nicht dem Diktat der sozialistischen Kunstauffassung gebeugt, sondern malte trotz Ausstellungsverbots gegen Willkür und Ohnmacht an.

Zu den Dauerausstellungen in der Bunkerkirche gehören neuerdings auch Gegenstände, die nach Aufgabe des Franziskanerklosters in Heerdt Zuflucht gefunden haben. "Vertriebene", sagt Dieter Lepiorz von der Initiative, "die in der Bunkerkirche Zuflucht gefunden haben." Dazu zählt der bronzene Kreuzweg aus der Ordenskapelle, der nun über die Rampe nach oben führt. "Sinnbildlich der Weg nach Golgatha", sagte Dieter Lepiorz beim Gang entlang des Kreuzwegs.

Quelle: RP
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