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Heerdt
Rainer Erkelenz ist seit 20 Jahren St. Martin

Heerdt. Durch Zufall ist der Korschenbroicher 1997 an die Rolle gekommen. Der eigentliche St. Martin fiel plötzlich aus, Erkelenz übernahm und machte seinen Job so gut, dass er seitdem jedes Jahr aufs Pferd steigt. Von Nicole Esch

Noch heute bekommt Rainer Erkelenz Gänsehaut, wenn er an die glücklichen Kinderaugen denkt, als er das erste Mal die Rolle des St. Martin im Heerdter Martinszug übernommen hatte. "Das kann man gar nicht beschreiben", sagt er. 20 Jahre ist das schon her. Dieses tolle Gefühl hat er aber auch heute noch, wenn er sich den Mantel umhängt und auf sein Pferd steigt.

Es war eher Zufall, dass Erkelenz zum St. Martin wurde. Derjenige, der die Rolle eigentlich übernehmen sollte, fiel aus. "Ich war im Offizierskorps des Heerdter Schützenvereins. Die ehemalige zweite Vorsitzende, Thilde Küppers, hat mich angerufen und gefragt, ob ich das machen kann. Ich habe gerne ja gesagt", erinnert sich der Schütze. "Anschließend hat sie zu mir gesagt: ,Jetzt hast du einen 20-Jahres-Vertrag'." Diesen hat der Korschenbroicher Jahr für Jahr mit großer Freude erfüllt. Die Kosten für das Pferd übernimmt er selbst. Das Geld sollten die Veranstalter lieber für etwas anderes verwenden, meint der 58-Jährige. Ganz neu war die Rolle des St. Martin für Erkelenz aber nicht. Auch für die Grundschule und den Kindergarten am Handweiser war er schon in das Kostüm des großherzigen Mannes geschlüpft.

Die große Begeisterung der Kinder ist es, die Erkelenz besonders beeindruckt. Manchmal kommen Kinder und klatschen ihm die Hände ab. "Das ist sensationell." Andere wollen nach dem Zug noch Fotos mit ihm machen. Die in Handarbeit entstandenen Laternen erinnern den Fortuna-Fan an seine Kindheit. Er war als Knirps im Laternen-Basteln nicht untalentiert. "Ich habe mal bei der Sparkasse den dritten Platz gemacht. Das war im Jahr der Mondlandung (1969). Der Preis war ein riesiges Poster vom Mond."

Seit seinem ersten Ritt als St. Martin hat sich schon so einiges verändert, meint der Routinier. Die vielen kleinen Züge der Schulen und Kindergärten zum Beispiel sind zu einem großen Zug zusammengefasst worden. "Das ist besser, als wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht", findet der 58-Jährige. "Mittlerweile sind das an die 1500 Zug-Teilnehmer. Das sind von Jahr zu Jahr immer mehr geworden." Auch den Multi-Kulti-Faktor der Züge findet der Ex-Heerdter hervorragend. "So muss das sein." Den Vorschlag das Fest in "Lichterfest" umzubenennen, konnte er dagegen gar nicht verstehen. "Ich habe gedacht, das kann doch wohl nicht wahr sein. Das hat eine so lange Tradition. Das kann man doch nicht ändern. Die Kinder freuen sich doch auch jedes Jahr darauf."

Wie auch in anderen Bereichen ist das Thema Sicherheit bei den Martinszügen in den vergangenen Jahren immer zentraler geworden. Erkelenz sieht das gelassen. Er selbst merke gar nicht so viel davon. Aber es gebe schon mehr Sicherheitskräfte, hauptsächlich Mitglieder des Heerdter Schützenvereins. Viele der Schützen seien selbst Eltern und wollten ihre Kinder in Sicherheit wissen. "Das kann ich verstehen. Es ist auch okay, so lange das keinem die Lust auf den Zug verdirbt", findet Erkelenz. Im vergangenen Jahr habe er erstmals eine Versicherung für den Zug abgeschlossen. Er habe zwar immer gute und erfahrene Pferde, aber es könne doch mal was passieren.

Feiern will Erkelenz sein 20-Jähriges nicht. "Ich stehe nicht gerne im Vordergrund", sagt er über sich selbst. "Aber da werden schon andere Leute auf mich zukommen", ist er sicher. Der Schütze weiß, dass seine Arbeit gewürdigt wird. Seinen 20-Jahres-Vertrag hat er mittlerweile verlängert. Denn seinen Job als St. Martin möchte Erkelenz nicht so bald an den Nagel hängen. "Das mache ich, so lange es geht. Erst wenn ich einen Kran brauche, um auf das Pferd zu steigen, höre ich auf", sagt er und lacht.

Quelle: RP
 
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