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Holthausen
Treff am Kamper Acker für Suchtkranke

Holthausen. Der SKFM hat für die betroffenen rund 30 Menschen ein niedrigschwelliges Betreuungsangebot entwickelt. Von Andrea Röhrig

Auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs ist es der Stadt gelungen, die Szene zu vertreiben. Geholfen wurde den Menschen damit nicht; sie lungern nun stattdessen woanders herum. Am Kamper Acker jedoch lassen sich die Menschen mit Suchtproblemen nicht so einfach vertreiben, da viele in einer nahe gelegenen Arztpraxis zu Therapiezwecken Methadon erhalten. Und sich in der Zeit davor und danach mit ihren Kumpels treffen.

Viele Holthausener fühlen sich vom Anblick der oft Bier trinkenden und manchmal auch lärmenden Menschen gestört - und sei es nur deswegen, weil sie häufig in größeren Gruppen von bis zu 20 Personen, vor allem Männer, auftreten. Da sich trotz vielfältiger Bemühungen von Verwaltung und Politik an der Situation in den vergangenen Jahren nichts geändert hat, könnten durch eine sozialpädagogische Betreuung andere Wege als der rein repressive Ansatz gegangen werden.

In der Sitzung am 29. April hatte die Bezirksvertretung 9 beschlossen, über den Gesundheitsausschuss die Verwaltung zu bitten, zum 1. Januar 2017 dort ein zunächst auf zwei Jahre befristest (Modell-)Projekt für Suchtkranke einzurichten. Bereits jetzt sind regelmäßig Streetworker von verschiedenen Einrichtungen - Sozialdienst katholischer Frauen und Männer (SKFM) über Flingern Mobil, care24, Underdog und Aidshilfe - vor Ort; doch es fehlt ein stationäres Angebot mit Aufenthaltsmöglichkeit, Beratung und Begleitung.

Da der SKFM mit seiner Drogenberatung "Kompass" in diesem Bereich bereits umfassende Erfahrungen gesammelt hat, stellte Birgit Schmitz als Leiterin des Fachbereichs "Drogenberatung" das Konzept für Holthausen in der Sitzung am Freitag vor.

Und das sieht vor, am Kamper Acker einen Treff für die Menschen einzurichten. Er könnte an fünf Werktagen für je vier Stunden rund um die Vergabezeiten der Praxis geöffnet sein. Das vorgehaltene Angebot umfasst neben der Möglichkeit sich im Trockenen und Warmen aufzuhalten, das Angebot von einfachen Mahlzeiten sowie alkoholfreien Getränken zum Selbstkostenpreis. Während der Öffnungszeiten sollen die Menschen von zwei Fachkräften betreut werden. Klar sei, dass die dort betreuten Klienten vier Spielregeln einzuhalten hätten, führte Schmitz aus: kein Alkohol, keine Gewalt, kein Konsum und kein Handel. Für den personellen Bedarf rechnet der SKFM mit Kosten von jährlich rund 100.000 Euro.

Im Unterschied zu vielen früheren Ansatzpunkten, um das Problem in den Griff zu bekommen - wurden die rund 30 betroffenen Menschen im Alter zwischen 35 und 55 Jahre einbezogen. Im Februar dieses Jahres wurden sie von einer Mitarbeiterin des SKFM befragt. Und ihr gegenüber seien viele ehrlich gewesen, sagt Schmitz, etwa bei der Offenbarung, dass etwa 20 von ihnen nicht nur Methadon nähmen, sondern dazu Alkohol, Tabletten sowie leichte Drogen wie Cannabis. Doch dieser Raubbau am eigenen Körper geht an ihnen nicht spurlos vorbei: Zwischen September 2015 und März 2016 sind sieben Mitglieder dieser Szene gestorben.

Dabei ist nur ein geringer Anteil von ihnen obdachlos; aber alle sind beschäftigungslos. Eine Anbindung an irgendwelche Suchthilfe-Angebote gibt es nicht. Und so sei das gemeinschaftliche Abhängen auch ein Mittel gegen die Einsamkeit, sagt Schmitz und fügt hinzu, dass es wichtig sei, dass die Menschen eine Perspektive fänden, für die es sich lohne, von den Drogen wegzukommen.

SPD-Ratsherr Rajiv Strauss wies in der BV-Sitzung daraufhin, dass die Diskussion über niedrigschwellige Angebote für Suchtkranke im Gesundheitsausschuss "im vollen Gang sei" und derzeit ein Suchthilfekonzept entwickelt werde. Ziel sei, mit allen in der Drogenhilfe tätigen Trägern das Konzept zu erarbeiten.

Quelle: RP
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