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Mörsenbroich
Die Blogger-Oma

Mörsenbroich: Die Blogger-Oma
Die Bank, auf der Künstlerin und Buchautorin Heidi Jastram sitzt, und die in ihrem Garten steht, zeigt ihre drei Enkel Ben, Jette und Tyler. Inspiration für ihren Blog holt sie sich oft draußen im Grünen. FOTO: nicole kampe
Mörsenbroich. Heidi Jastram ist 76 Jahre alt und Künstlerin. Ein Kinderbuch hat sie geschrieben und sei neuestem füllt sie eine Webseite mit ihren Gedanken und Erlebnissen. Von Nicole Kampe

Eigentlich heißen Heidi Jastrams Söhne Michael und Martin. Warum sie die Spitznamen Bobbi und Olli haben, das weiß die 76-Jährige gar nicht mehr so recht. "Und sie finden es gar nicht gut, wenn wir sie so nennen", sagt Jastram, die jetzt ein Kinderbuch geschrieben hat über Bobbi und Olli. Die Vorlage haben ihr die Jungs selbst gegeben, vor 41 Jahren, als die Familie in den Urlaub nach Mallorca flog. Hund Fellowlinchen, der ursprünglich ein Fellow war, bis sich herausstellte, dass er eine sie ist, musste zu Hause bleiben. Die Kinder vermissten ihren Hund schrecklich. Ohne ihn konnten sie nur halb so wild toben, das Wasser war nur halb so spritzig und der Sand nur halb so gut zum Buddeln.

Über ihren tragbaren Kassettenrekorder bespielten sie eine Kassette, dachten sich Geschichten aus, die sie erleben mit Fellowlinchen, ihren Eltern, dem Dino und der bösen Hexe. Ein kleines Heftchen stellte Jastram damals zusammen, nichts Aufwendiges. Irgendwann verschwand es in der Schublade, bis der 76-Jährige vor kurzem die Geschichte wieder in die Hände fiel. "Ich wollte ein Buch machen", sagt sie. Zeichnungen hat Jastram dazu angefertigt, manche sind farbig, andere in schwarz-weiß. "Damit die Kinder selbst noch ausmalen können." Eine klassische Kindergeschichte wollte die Autorin herausbringen, so wie es sie früher gegeben hat, ohne Science Fiction, ohne Aliens, ohne Außerirdische. "Ich bin eben altmodisch", sagt die gelernte Grafikerin, die ihr ganzes Leben lang gemalt hat. Auch wenn sie nie viel Zeit dafür hatte, "die Familie ist immer vorgegangen". Oft hat sie zurückgesteckt, auch wenn Heidi Jastram das so nie empfunden hat.

Irgendwie konnte Heidi Jastram die Kunst immer in ihr Leben einbauen. Eine Malgruppe eröffnete sie damals, als ihre Kinder noch klein waren. "Die Schwarze 14" nannte sich der Treff, "wir waren wie die Villa Kunterbunt". Musische Wochen organisierte sie in der Schule der Söhne, nachts - manchmal im Liegen, weil sie so müde war -, malte Heidi Jastram Bilder. Bald hatte sie eine Ausstellung in Berlin, die bis 2000 alle zwei Jahre stattfand. "Trotzdem habe ich Kunst immer mit angezogener Handbremse gemacht", erzählt sie.

"Jetzt ist Heidi dran", findet ihre Schwiegertochter Maha, die für Jastram eine Webseite aufgebaut hat. "Dieses Internetding verstehe ich nicht", sagt die 76-Jährige. Dafür hat sie ja Maha und Michael. Nur für die Inhalte ist sie zuständig. "Ich schreibe über alles, was mir einfällt - Kunst, Familie, komische Geschichten." Im Dezember vergangenen Jahres hat sie angefangen mit ihrem Blog, ihr erster Eintrag handelt von einem Bild, das sie gemalt hat. Inspiriert wurde sie von Johanna Spyris Roman "Heidi", den sie als Kind liebte. "Gaukler auf dem Dach" hat sie das Bild genannt und die Blog-Premiere. Manchmal sind es auch einfach nur Gedanken, die Jastarm loswerden will, zum Beispiel über ihre Verwandten. "Es gibt Wahlverwandtschaft und Qualverwandtschaft, und wir dürfen uns das Recht nehmen nur die Wahlverwandtschaft zu wählen", schreibt sie in einem Eintrag. "Die Wahlverwandtschaft wird geliebt. Zu den anderen ist man einfach nur freundlich."

Ihre Wahlverwandtschaft ist Heidi Jastram sogar so wichtig, dass sie anstatt nach Neuseeland auszuwandern für ihre Kinder nach Düsseldorf gezogen ist. "Mein Mann und ich wollten Großeltern sein", sagt sie. Drei Enkel hat das Paar inzwischen - Ben, Jette und Tyler. Sie haben Jastram auch schon eine neue Idee für ein Buch gegeben, "die Enkel fragen oft, wie es früher war bei uns", sagt Jastram. "Welches Kind ist hier heute schon barfuß zur Schule gelaufen?"

Und auch ihr Mann soll irgendwann mal Thema werden, aber nicht in einem Kinderbuch, sondern als Mutmach-Geschichte. Claus Jastram geht es nicht so gut, er ist 90. Nach zwei Herz-Operationen wurde vieles schwieriger. Heidi Jastram hat oft Sorgen um seine Gesundheit. Manchmal vergisst er Dinge. Neulich erst hatte er sein Hörgerät verlegt. Irgendwann hat Enkelin Jette es in Opas Schuhen gefunden, als sie ein Leckerli für Hund Rusty darin verstecken wollte. "Man muss darüber lachen können", sagt sie. Viele gute Tage gebe es, "er kann wunderbar philosophieren", findet die 76-Jährige.

Quelle: RP
 
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