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Pempelfort
Von Rohkost-Muttis und Vorturn-Papis

Pempelfort. Auf Spielplätzen treffen sehr unterschiedliche Charaktere aufeinander. Ein Überblick. Von Nicole Kampe

Ein bisschen Schokolade, ein paar Kekse oder Gummibärchen hat Talisa immer in der Tasche, wenn sie mit ihrer Tochter auf den Spielplatz geht. Im Juni wird Mia drei, "natürlich achte ich auf eine gesunde Ernährung", sagt die 27 Jahre alte Mutter. Aber zwischendurch was Süßes ist für sie schon okay. Als Belohnung oder um ein dickes Aua wegzutrösten. Dafür erntet Talisa auch mal neugierige Blicke von Mias Spielkameraden und böse von Mamis, die zu Hause aufwändig Möhren und Gurken und Äpfel geputzt, geschält und geschnippelt haben.

Jedes Obst und Gemüse hat übrigens seine eigene Tupperdose, die die Rohkost-Mami von Hand beschriftet hat: Möhre, Gurke, Apfel, Paprika, Tomate, Banane. Der Küchenschrank muss voll sein davon, sogar die Hirse-Bällchen haben eine extra Box. Wenn der undankbare, nach Schokolade krächzende Nachwuchs das Essen noch mit einer Schippe Sand bewirft, ist die Rohkost-Mutti nicht nur sauer. Sie läuft gerne rot an, so wie die rote Bete, die in der passenden Tupperbox auf den Verzehr wartet. Meistens bringt die Rohkost-Mutti auch noch einen Sauberkeitsfimmel mit. "Sobald auch nur ein Sandkörnchen im Gesicht klebt, stürmt sie mit ihren Feuchttüchern los", sagt Talisa.

Düsseldorf und seine Spielplätze - wenn die ersten Sonnenstrahlen rauskommen, sind sie wieder da, die Helikopter-Eltern, die Angst haben, das Kind könnte stürzen, fallen, stolpern, sich stoßen oder anstecken. Vor allem an den Wochenenden anzutreffen sind die Vorturn-Papis, für die Burgenbauen ein Wettbewerb ist und die köpfüber vom Klettergerüst hängen, die ganz genau anleiten, wie die Kinder die Sprossen an der Rutsche erklimmen müssen und dass sie auf der Schaukel niemals nie bäuchlings schaukeln dürfen.

"Meine Kinder müssen selbst probieren, was klappt", sagt die 39 Jahre Lidija. Sie ist fast jeden Tag mit ihren Zwillingen Luka und Marko (2) auf dem Spielplatz - an manchen Tagen sogar zweimal.

Ein wenig neidisch ist sie auf die Frauen-Grüppchen, die sich treffen, sich zurücklehnen, Kaffee trinken, quatschen. "Ich habe Zwillinge", sagt die 39-Jährige. "Da kann ich eigentlich nie entspannen." Selten sind diese Eltern ohnehin geworden, die sich nicht ständig einmischen, findet Lidija. Manche aber würden es sich so gemütlich machen auf der Bank, dass sie nur noch Augen fürs Smartphone haben und gar nicht mitbekommen, wenn sich der Spross eine Handvoll Hasenköttel in den Mund schiebt.

Verständnis gibt es von Lidija und Talisa dafür wenig, und auch für jene Eltern nicht, die ihren Kindern einfach alles durchgehen lassen. "Neulich haben ältere Kinder meinen Sohn geschlagen", erzählt Lidija. Da musste sie eingreifen und bekam Streit mit der Mutter. Zu einer Auseinandersetzung ist es auch fast zwischen Talisa und einer Mutter gekommen. Diese Frau saß mit ihrem Kind auf dem Boden und buk Sandkuchen. "Als Mia kam und zuguckte, hat sie sofort ihre Sachen genommen und sich mit ihrem Sohn wo anders hingehockt", erzählt Talisa, die sich wahnsinnig aufgeregt hat über diese Szene. Seitdem meidet sie den Spielplatz an der Klever Straße, "dort sind zu viele Snobs", findet die Mutter. Lieber kommt sie zur Annastraße, wo es Spielsachen und Tretroller und Schäufelchen und Eimer gibt. "Ich muss nicht immer alles mitschleppen", sagt Talisa. Und Freunde haben Mutter und Tochter auch schon gefunden.

Manchmal wird es brenzlig auf dem Spielplatz, manchmal ist es laut. "Nervig sind die Heulkinder, die so lange schreien, bis sie ihren Willen bekommen", sagt Talisa, die die meiste Zeit aber viel Spaß hat auf dem Spielplatz. Mit ihrer Tochter und jenen Erwachsenen, die nicht panisch hinter ihren Kindern herlaufen, sie retten oder sauber machen wollen, die nicht zu viel erwarten von ihrem Nachwuchs, die einfach ihre Kinder spielen lassen und toben. Und wenn es doch mal eine Beule gibt, dann greift Talisa auf ihr Geheimrezept zurück: Schokolade, Kekse oder Gummibärchen.

Quelle: RP
 
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