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Unterrath
Musik sorgt für die Harmonie

Unterrath. Ein seltenes Glück: Johanna und Armin Klein aus Unterrath feiern nach 65 Ehejahren Eiserne Hochzeit. Von Marc Ingel

Auch nach 65 gemeinsamen Ehejahren haben sich Johanna und Armin Klein noch viel zu sagen. Das war schon immer so, seit er sie 1951 bei Webers am Dorotheenplatz zum Tanzen aufforderte. "Ich habe sofort Ja gesagt. Es war vielleicht nicht Liebe auf den ersten, aber bestimmt auf den zweiten Blick", erinnert sich die 91-Jährige. Es hat schnell gefunkt, ein paar Mal gingen sie noch gemeinsam tanzen, nach drei Monaten wurde geheiratet. Der gebürtige Oberschlesier war Maurer auf Wanderschaft, "das hat er für mich aufgegeben", sagt Johanna Klein, die an der Glockenstraße in Derendorf ihre Kindheit verbrachte. Armin wollte eigentlich weiter nach Köln und von dort in die Welt hinaus. Doch er blieb in Düsseldorf.

Dass sie gestern Eiserne Hochzeit in Unterrath feiern durften, liegt nicht zuletzt an den gemeinsamen Interessen. Er ist ein Ausnahmekönner an der Mundharmonika, spielt Akkordeon, Geige und hat sich auch an der Gitarre versucht. "Das hat mit meinen Maurerhänden aber nicht so richtig funktioniert", blickt der 89-Jährige, der andererseits auch gut malt, zurück. Viele Jahre hing das Saiteninstrument an der Wand im Wohnzimmer am Birkenhahnweg in dem Haus der Eltern von Johanna, in das das Paar bald nach der Hochzeit mit einzog. "Ich habe mir gedacht, wenn die Gitarre keiner spielt, mache ich es halt", sagt die leidenschaftliche Klaviervirtuosin, die so mit 50 Jahren musikalisch noch mal Neuland betrat.

Die Musik sorgte bei ihr, der kaufmännischen Angestellten bei Henkel, und Armin Klein für eine harmonische Ehe. Er glänzte mit Soli im Mundharmonika-Orchester des Behinderten-Sportvereins bei internationalen Festivals, auch sie lernte noch spielend leicht, die Mundharmonika zu bedienen, zusammen trat das Paar später 33 Jahre mit den Mandolinenfreunden in Derendorf nicht nur in Altenheimen auf. Und auch das Wandern hat er schließlich doch nicht ganz aufgegeben. "Das war eine zwanglose Truppe von 20 Kameraden, wir haben uns immer spontan getroffen." Der Unterrather war bei seiner Siedlergemeinschaft zudem 40 Jahre lang der "Sozialminister": "Ich habe die Sterbekasse geführt, Jubilare besucht und mich um alleinstehende Senioren gekümmert. Erst mit 80 war Schluss."

Zwei Töchter haben die Kleins, vier Enkel und vier Urenkel. "Wäre ich doch bloß damals zu Hause geblieben, statt zum Tanzen zu gehen", sagt die 91-Jährige milde lächelnd. Ihr Blick verrät: Ich habe alles richtig gemacht.

Quelle: RP
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