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Wersten
Werstener Kreuz: Verkehrshelfer gibt auf

Wersten. Ernst Assmann ist die Kreuzung zu gefährlich. Außerdem habe er keine Rechte. Jetzt sucht die Stadt neue Helfer. Von Birgit Wanninger

Wenn es um die Verkehrssituation am Werstener Kreuz geht, dann kann Ernst Assmann mitreden. Der Rentner hat bis Ende Juni auf der gefährlichen Kreuzung gestanden und schüttelt heute noch den Kopf, wenn er über das Verkehrsverhalten vieler Autofahrer nachdenkt.

Sicherlich, so sagt er, seien die Straßenbahnen am Werstener Kreuz und die unübersichtlichen Haltestellen eine Sache. Da habe Marc Preußer recht, wenn er die Rheinbahn kritisiert. Der Vater zweier schulpflichtiger Kinder ist einer von mehreren Elternteilen, die Grundschüler zur Henri-Dunant-Schule am Rheindorfer Weg begleiten. Assmann kennt die Gruppe.

Doch die Haltestellen sind nur ein neuralgischer Punkt am Werstener Kreuz. Wer aus dem Tunnel der A 46 kommt, darf nicht geradeaus fahren, "Ausnahmen gelten für Busse, Taxen, Krankenwagen und Behindertenfahrzeuge", sagt Assmann. "Aber da hält sich keiner dran", meint der Mittsiebziger. Oft versteckten sich die Autos hinter dem Bus und rasten geradeaus. Dabei habe kein Pkw, bis auf die erwähnten Ausnahmen, die Berechtigung, aus dem Tunnel kommend geradeaus weiter zu fahren.

Assmann erklärt, er sei auch schon mal stur stehengeblieben auf der Kreuzung und habe versucht, keinen Wagen durchzulassen. "Wenn ich nicht zur Seite gesprungen wäre, wäre ich überfahren worden", berichtet er. Mindestens viermal habe er eine solche Situation erlebt. Dafür gebe es sogar Zeugen, die Handy-Fotos gemacht hätten.

Zwei Jahre hat Assmann an der Kreuzung gestanden. Jeden Morgen - bei Wind und Wetter. "Ich habe immer früher angefangen, meist schon vor halb acht." Dabei musste er nur von 7.40 bis 8.20 Uhr dort sein. Und dann hat er gehört, dass Verkehrshelfer nicht berechtigt seien, die Kelle zu heben und Autofahrer anzuhalten. "Passanten und Autofahrer haben mir Amtsanmaßung vorgeworfen", sagt Assmann. Er habe als Verkehrshelfer aufgehört, weil es zu gefährlich am Werstener Kreuz sei, und weil "ich die Kinder nicht schützen kann, weil ich keine Rechte habe", erklärt er verbittert.

Rücksichtslose Autofahrer sowie erwachsene Fußgänger, die sich nicht an die Verkehrsregeln halten, sind das Problem an diesem komplexen Knotenpunkt, das bestätigt die Stadtverwaltung. Doch in diese Situationen dürfe ein Verkehrshelfer nicht eingreifen, betont ein Sprecher der Stadt. "Hier können nur repressive Maßnahmen durch die Polizei Abhilfe schaffen, wofür die Kapazitäten fehlen." Schulweghelfer dürfen nicht in den fließenden Verkehr eingreifen, betont der Stadtsprecher, ihre Aufgabe sei es, die Wege, die mit Ampeln gesichert sind, zusätzlich abzusichern. Auch die Stadt kennt das Manko, dass es am Werstener Kreuz zu wenig Schülerlotsen gibt. Nach der Kündigung von Ernst Assmann sind Eltern und Schule für das kommende Schuljahr auf der Suche nach neuen Verkehrshelfern.

Bisher gibt es noch keine Bewerber für die Kreuzung. Interessierte können sich bei der Dienststelle Verkehrsunfallprävention der Polizei per E-Mail vi1-vup-o.duesseldorf@polizei.nrw.de melden.

Quelle: RP
 
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