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Wittlaer
Reiten, wo einst die Ritter weilten

Wittlaer. Düsseldorfs älteste Wasserburg ist heute eine hochmoderne Reitanlage mit vielen Besonderheiten. Hier treffen die unterschiedlichsten Reiter und Pferde aufeinander. Auch therapeutisches Reiten gehört zum Angebot. Von Birthe Rosenau

Als Christoph Sonnen sich dem Auslauf der Islandpferde nähert, recken sich sofort einige Köpfe mit dichter, buschiger Mähne in die Höhe. Er öffnet das Gatter, und es dauert nicht lange, bis sich die angestaute Energie entlädt und viele kleine Pferdehufe Richtung Weide trappeln. Einige Pferde drehen noch eine Extrarunde, machen Bocksprünge vor Freude, andere senken sofort den Kopf und lassen sich das saftige Gras schmecken. "Wir legen auf Gut Groß-Winkelhausen größten Wert auf artgerechte Haltung", betont Ursula Sonnen. Gemeinsam mit ihren Söhnen Christoph (30) und Nicolas (27) bewirtschaftet die studierte Agrarwissenschaftlerin den Pensionsstall im Düsseldorfer Stadtteil Wittlaer - und das in vierter Generation.

Es ist deutlich zu sehen, dass es den Pferden auf dem "Sonnenhof" gut geht, so wird die Anlage von den Reitern auch genannt. 90 Großpferde und Isländer sind zurzeit dort untergebracht. Die Großpferde stehen in 13 bis 16 Quadratmeter großen, hellen Einzelboxen; die Isländer leben in zwei Gruppenlaufställen.

Seit über 100 Jahren spielen Pferde rund um Düsseldorfs älteste Wasserburg, den ehemaligen Sitz der Winkelhausener Ritter, eine besondere Rolle. Über die Jahre hat die Familie Sonnen den Pensionsbetrieb immer mehr perfektioniert. Heute stehen den Freizeit- und Turnierreitern zwei große Reithallen, ein Außenviereck mit Flutlicht, ein Longierzirkel, ein Springplatz und eine Ovalbahn zur Verfügung.

"Außerdem ist das Reitwegenetz hier wirklich fantastisch", weiß Sonnen. Für das Wohlergehen der Pferde sorgen ein Solarium und eine Pferdeschwemme. Im Sommer können die Vierbeiner täglich die zehn Hektar Weidefläche nutzen, im Winter geht es zumindest stundenweise zum Auslauf auf die Paddocks.

Einen regulären Schulbetrieb gibt es auf Gut Winkelhausen zwar nicht, aber zahlreiche Reitlehrer sind dort tätig und vermitteln auch Anfängern die Grundkenntnisse - entweder auf dem eigenen Pferd oder aber in Form einer Reitbeteiligung. Drei- bis viermal pro Woche ist zudem der Verein für Körper- und Mehrfachbehinderte aus Duisburg zu Gast und bietet alle Bereiche des Therapeutischen Reitens an.

Karen Werning, Krankenschwester und Reitpädagogin, führt vor allem Kinder, aber auch ab und an Erwachsene, an den Umgang mit dem Pferd heran. "Die Tiere spiegeln sehr gut das Verhalten der Menschen", erzählt sie. Davon profitieren unruhige wie schüchterne Kinder gleichermaßen, ihre eigene Wahrnehmung und das Selbstbewusstsein werden gestärkt.

"Die gleichmäßigen, langsamen Bewegungen des Pferdes lösen aber auch gut Spastiken", sagt Werning.

So begegnen sich auf dem Gut unterschiedlichste Pferde und Menschen.

Ein beliebter Treffpunkt ist das Vereinslokal "Café Nussbaum" unter dem wuchtigen Baum, der nicht nur Namensgeber ist, sondern auch für die Idylle sorgt. In den Wintermonaten zieht es dann die Einsteller eher ins Casino mit Blick in die Reithalle - schließlich kann auch ein erfahrener Reiter vom Zuschauen bei den anderen immer noch jede Menge lernen.

Quelle: RP
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