| 09.52 Uhr

Analyse
Vier Lehren aus dem Städteduell

Analyse: Vier Lehren aus dem Städteduell
Alles, was Düsseldorf einzigartig macht, auf einen Blick: die Kö (links), die Altstadt (Mitte), der Rhein (im Hintergrund). FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. In den vergangenen Wochen hat unsere Redaktion mit Hilfe eines Fragebogens Düsseldorf mit elf deutschen Metropolen verglichen. Daraus ergeben sich viele Rückschlüsse für die Positionierung der NRW-Landeshauptstadt. Von Christian Herrendorf

Die Wahrnehmung einer Stadt funktioniert nach einem einfachen Gesetz. Je weiter entfernt ein Mensch von ihr ist, desto weniger weiß er über sie beziehungsweise desto weniger Punkte bleiben hängen. Auf Düsseldorf übertragen heißt das: In einem Umkreis von rund 50 Kilometern wissen die Menschen, dass Düsseldorf eine Stadt am Rhein ist und können mit ihr eine Reihe von Orten und Ereignissen verbinden. In entfernteren Regionen und in den Nachbarländern sinkt die Zahl der Eigenschaften, bis nur noch Stadt am Rhein übrig ist. Im weiteren Ausland bleibt bestenfalls noch Stadt übrig.

Dass dieses Gesetz für alle gilt, hat das Städteduell unserer Zeitung in den vergangenen Wochen gezeigt. Anhand eines Fragebogens zu Kerndaten und Attraktionen hat die Rheinische Post Düsseldorf mit elf deutschen Metropolen verglichen. Wer sich nun zum Abschluss fragt, welche Merkmale welcher Städte hängengeblieben sind, merkt, dass es im Idealfall ein bis zwei sind. In den weniger guten Fällen sind es vor allem deshalb null, weil die Städte auf Vielfalt setzen und sich in der Breite ihres Angebotes verlieren.

Für Düsseldorf ergeben sich aus dem Städteduell vier Lehren:

Das kann Düsseldorf von anderen lernen FOTO: dpa, axs

1. Was nicht funktioniert Alle Punkte, die von mehr als zwei Städte angeführt wurden, haben als besonderes Merkmal schon ausgedient. Das gilt insbesondere für Grün/Erholung, Volksfeste und Weihnachtsmärkte sowie mit Einschränkung für Kultur. Parks und Wälder mögen in einzelnen Städten noch überraschen, weil man sie zum Beispiel mit Hannover nicht unmittelbar in Verbindung bringt, letztlich sind sie aber überall in ausreichender Größe vorhanden und werden deshalb von potenziellen Gästen ungesehen vorausgesetzt. Große Volksfeste gibt es von Bremen bis München, aber einzig in letztgenannter Stadt ist es so einzigartig, dass es eine Anziehungskraft ausübt. Gleiches gilt für den Nürnberger Christkindlesmarkt. Kultur hat eine ähnliche Wirkung wie Grün - es sei denn, eine Stadt spezialisiert sich nachvollziehbar auf ein Gebiet (wie Hamburg auf Musicals oder Dresden auf seine architektonischen Highlights Zwinger und Frauenkirche).

2. Düsseldorf liegt am Rhein Zu den Botschaften mit der höchsten Haltbarkeit zählte die der Stadt Kiel. Alle Fragen zu Einmaligkeit, Attraktionen und Höhepunkten im Jahreskalender beantwortete das Rathaus im hohen Norden ähnlich. Es ging in den Antworten um die Kieler Förde, die Kieler Woche, die Sailing City. Fazit: Kiel liegt am Wasser, das eine Menge Möglichkeiten bietet. Das ist für Düsseldorf höchst lehrreich.

Der Rhein wird noch in einigen hundert Kilometern Entfernung mit Düsseldorf assoziiert. Der Medienhafen und die Uferpromenade bieten die passenden Erlebnisorte dazu. Darüber hinaus aber sind die Potenziale noch lange nicht erschöpft. Fragen, die sich die Stadt in diesem Zusammenhang stellen sollte, sind die folgenden: Gibt es ausreichend und die richtige Gastronomie am Rhein? Welche Wassersport-Ereignisse lassen sich auf dem Rhein organisieren? Wie können Gäste leicht zu den Stränden oder zu den linksrheinischen Rheinwiesen kommen? Braucht Düsseldorf ein Wassertaxi zwischen Medienhafen, Altstadt und Messe/Arena?

Städteduell: Düsseldorf und Dortmund im Vergleich

3. Düsseldorf ist schick Wenn die Verantwortlichen in Düsseldorf ihre Stadt beschreiben sollen, beginnen die Sätze oft mit "nicht nur": Düsseldorf ist nicht nur Schickimicki. Düsseldorf ist nicht nur Kö. Das ist für sich genommen nicht falsch, führt aber in die oben beschriebene Vielfalts-Falle. Besser ist es, erst einmal bei dem zu bleiben, was man schon hat. Nämlich bei der Königsallee. Sie ist die einzige Düsseldorfer Attraktion, deren Ruf bis Dubai und Russland reicht.

Auch englische, niederländische oder französische Gäste erzählen meist als erstes von ihrem Spaziergang über die Kö. Das Schickimicki-Vorurteil ist eine logische Konsequenz daraus und lässt sich durch Nicht-nur-Sätze ohnehin nicht verhindern. Umgekehrt aber kann Mode für Düsseldorf ein Alleinstellungsmerkmal sein wie für Stuttgart die Automobilbranche. München kann mit seinem Flair punkten, ohne dies begründen zu müssen. Düsseldorf gehört dank der Kö zu den ganz wenigen Städten, denen dies auch gelingen kann.

4. Düsseldorf ist lecker Zu den berühmten Nicht-nur-Sätzen zählt auch "Düsseldorf ist nicht nur Altstadt". Nach Rhein und Kö ist sie aber der drittbekannteste Ort in Düsseldorf. Eine konsequente Altstadt-Vermarktung bedeutet nicht, den Sauftourismus zu fördern (auch so ein wenig hilfreiches Totschlag-Argument). Es geht um die Frage, was im gastronomischen Sortiment des Viertels noch fehlt, damit es einen Ruf genießt wie Frankfurt mit seinen Apfelwein-Kneipen oder München mit den Biergärten.

Es geht um die Frage, wie sich der historische Kern in den Altstadt-Besuch integrieren lässt (siehe noch einmal Frankfurt, diesmal der Römer). Und es geht um die Frage, welche anderen Angebote es drum herum und in der Nähe braucht, um ein Gesamterlebnis Düsseldorf zu schaffen. Schade eigentlich, dass Mallorca bei unserem Vergleich nicht mitmachen konnte.

Städteduell: Düsseldorf und Kiel im Vergleich
Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Analyse: Vier Lehren aus dem Städteduell


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.