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Düsseldorf
Wohnungsbau am Steinberg in Gefahr

Düsseldorf: Wohnungsbau am Steinberg in Gefahr
Die alten Wagenhallen der Rheinbahn am Steinberg könnten doch wieder in Betrieb gehen. Eigentlich sollte rund um die denkmalgeschützten Gebäude ein neues Wohnviertel entstehen. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Kurz vor der Vertragsunterzeichnung stellt die Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP den Verkauf des Straßenbahndepots am Steinberg in Frage. Auf ihre Initiative hin hat der Rheinbahn-Aufsichtsrat beschlossen, überprüfen zu lassen, ob die Rheinbahn das derzeit leerstehende Depot doch wieder nutzen kann. Von Arne Lieb

Dies soll Platz für die angedachte Erweiterung der Fahrzeug-Flotte schaffen - und würde das Aus für das lange geplante neue Quartier auf dem Gelände bedeuten. Dort sollen eigentlich Wohnungen entstehen, außerdem unter anderem Ateliers für Absolventen der Kunstakademie.

Dabei hatte der Aufsichtsrat der Rheinbahn bereits im Dezember 2013 dem Verkauf des alten Depots zugestimmt - und der damalige Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) den Entwurf für den Steinberg kurze Zeit später als eines der herausragenden Immobilienprojekte Düsseldorfs auf der Messe Mipim in Cannes vorgestellt. Eine Gruppe von privaten Investoren um den Architekten Karl-Heinz Petzinka will das Areal zum Wohngebiet entwickeln. Außerdem sollen mehrere besondere Nutzer einen Platz finden. Der erste steht bereits kurz vor dem Einzug: Für das Ballett der Oper wurde neben den Wagenhallen ein Probenzentrum errichtet.

Der Kaufvertrag für das restliche Areal mit den denkmalgeschützten Wagenhallen ist aber immer noch nicht unterschrieben. Die Planung zog sich, unter anderem wegen Schwierigkeiten mit dem Baurecht und der Finanzierung einzelner Projekte. Außerdem zweifelte Akademie-Rektorin Rita McBride öffentlich am Sinn der Ateliers, einer Idee, die aus der Zeit ihres Vorgängers Tony Cragg stammt. Erst nach erheblichem Druck vom Land, das den Bau mit einem Betrag in Millionenhöhe fördern würde, erklärte die Akademie ihre Zustimmung.

Dieser Zeitverlust könnte sich jetzt rächen. Denn inzwischen haben sich die Machtverhältnisse im Rathaus geändert - und damit auch die Verkehrspolitik. Die Ampel-Koalition hat sich vorgenommen, den Nahverkehr auszubauen. Sollten die von der Politik angedachten neuen Strecken etwa nach Gerresheim in Betrieb gehen, braucht die Rheinbahn mehr Züge.

Dafür fehlt aber Platz in den Betriebshöfen in Heerdt und Lierenfeld. Die sind mit derzeit rund 300 Schienenfahrzeugen voll belegt. Im Gespräch ist deshalb der Bau eines weiteren Hofs. Zumindest als Übergangslösung, so die Überlegung der Politiker, könnte man auch den Steinberg reaktivieren. "Wir wollen unser Versprechen umsetzen, dass die Rheinbahn schneller wird und mit höherer Taktung fährt und sollten diese Option deshalb prüfen", sagt Martin Volkenrath (SPD). Norbert Czerwinski (Grüne) kritisiert, dass der Steinberg überhaupt stillgelegt wurde. "Man hat ihn leichtfertig aufgegeben", sagt er.

Entscheidend wird nun die Frage, ob sich ein Weiterbetrieb als machbar erweist. Dabei geht es nicht nur um den Zustand der Hallen, die seit vier Jahren leer stehen. Noch nicht sicher ist, ob noch eine Genehmigung für den Betrieb vorliegt. Sonst müsste eine neue beantragt werden - mit unklaren Aussichten. Andreas Hartnigk (CDU) ist wenig optimistisch. "Ich glaube nicht, dass eine Genehmigung in dieser Lage im Wohngebiet noch erteilt wird."

Quelle: RP
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