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Duisburg
Disziplin und vorschulische Bildung

Duisburg. Türkische Gymnasiastinnen waren jetzt zu Besuch im Huckinger Kindergarten.

Die Kleinen aus der Pinguingruppe im Kindergarten "Die Huckinger Dreckspatzen" der evangelischen Auferstehungsgemeinde haben schon den ganzen Morgen auf den Besuch aus der Türkei gewartet. "Die beiden türkischen Kinder in unserer Gruppe waren ganz besonders gespannt und wollten schon gerne beim Übersetzen helfen", erzählt Nanja Müller, Erzieherin im Anerkennungsjahr. Als aber Cerstin Kruse, die Einrichtungsleitung dann endlich mit den 20 jungen Frauen und ihren Lehrerinnen hereinkommt, sind die kleinen Dolmetscher so beeindruckt, dass sie auf Türkisch genauso schweigsam sind, wie auf Deutsch.

Der Besuch kommt aus der ostanatolischen Stadt Kars nahe der armenischen Grenze. Die Mädchen sind 17 Jahre alt und besuchen eine gymnasiale Oberstufe mit pädagogischem Schwerpunkt. In Duisburg sind sie durch das Erasmus plus Programm für den europäischen Austausch beruflicher Bildung. Sie haben sich in den vergangenen Tagen schon einen städtischen, einen heilpädagogischen und einen katholischen Kindergarten angeschaut. Nun übersetzt Sule Yüksel Fetic ihnen, was Kruse zum evangelischen Profil der Einrichtung sagt. Sie erklärt das lebendige Hin und Her zwischen der Gemeinde und ihren beiden Kindergärten, die zusammen das Familienzentrum Süd bilden. Die angehenden Erzieherinnen nicken, viele Fragen haben sie in ihrer vierten Einrichtung nicht mehr. Sie fotografieren mit ihren Handys die selbstgebastelte Nikolausgirlande aus Klopapierrollen, die noch hängt, weil in diesem Jahr "Weihnachten" das Karnevalsthema des Kindergartens ist. Und sie bewundern das Außengelände mit den Kastanien-, Apfel-, und Reneklauden-Bäumen. Einige von ihnen vergessen beim Anblick des Klettergerüstes allen beruflichen Ernst und gönnen sich ein bisschen Bewegung.

Daheim in der Türkei seien viele Einrichtungen für die Kleinen privat und sehr viel - wie sagt man das bloß auf Deutsch? - strenger könne man das wohl nennen, viel weniger freies Spiel, der Akzent liege auf Disziplin und der vorschulischen Bildung, übersetzt Fetic. In der Vorschule für die Kinder zwischen fünf und sechs Jahren gäbe es schon stark unterrichtsähnliche Strukturen, mit Fächereinteilung. Zu einer Wertung der unterschiedlichen pädagogischen Konzepte lassen sich die Gäste nicht hinreißen.

"Hier tanzen, singen und sprechen die Erzieher den ganzen Tag mit den Kindern", erklärt Cerstin Kruse, "wichtig ist, dass sie wissen, warum sie es tun, nämlich damit sie jedes einzelne Kind bis zur Schulreife fördern."

Quelle: RP
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