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Duisburg
Ein Künstler in zwei Duisburger Museen

Duisburg. Der Bildhauer und Fotograf Johannes Brus stellt unter dem Titel "Probe zu: Tanzen für Brancusi" im Lehmbruck-Museum aus. Zugleich präsentiert das Museum DKM eine ganz andere Facette des in Essen lebenden Künstlers. Von Peter Klucken

Schon seit langem kooperieren das Lehmbruck-Museum und das private Museum DKM. Jetzt wird ein neues Kapitel der direkten Zusammenarbeit eröffnet: Am Mittwoch, 16. März, 18.30 Uhr, wird im Lehmbruck-Museum die Ausstellung "Probe zu: Tanzen für Brancusi" eröffnet. Gleich im Anschluss daran geht es ins nur drei Fußminuten entfernte Museum DKM, wo Johannes Brus Skulpturen und bearbeitete Großfotografien unter dem irritierenden Motto "Einerlei wo außerhalb der Welt" zeigt. Der Künstler wird am Mittwochabend zusammen mit den Ausstellungsbesuchern von einem Museum zum anderen gehen, genauso, wie es künftig die Ausstellungsbesucher tun sollten.

Es lohnt sich nämlich, beide Ausstellungen zu besuchen, da der Künstler sich jeweils von einer ganz anderen Seite zeigt. Im Lehmbruck-Museum zeigt sich Brus als Bildhauer, der sich mit der klassischen Moderne auseinandersetzt. Im Mittelpunkt der Ausstellung in der großen Glashalle steht die Skulptur "La Négresse blonde" (die blonde Negerin) von Constantin Brancusi (1876-1957), eines Pioniers der modernen Skulptur, der für Abstraktion in Vollendung steht.

Eine Pointe der Ausstellung ist, dass Brus selber nicht abstrakt, sondern figürlich arbeitet und dennoch seine Werke als "Paraphrasen" zu Brancusis Arbeiten konzipiert. Und das auf höchst originelle Weise. So schuf er eine Reihe von "Gemüse-Skulpturen" aus bemaltem Gips, die aussehen, als seien sie aus Kürbissen oder anderen Gemüsesorten geschaffen worden.

Noch eindrucksvoller als diese verspielten Werke ist seine Gruppe aus "Tänzerinnen", bei denen sich Brus von Fotografien des berühmten Ensembles von Pina Bausch inspirieren ließ. Brus versucht dabei, so heißt es im Katalogtext des Kurators Michael Krajewski , eine "Übertragung von Gesten und Emotionen in eine erinnerte Handlung". Scheinbar beobachtet werden die Tänzerinnen von einer überlebensgroßen Skulptur, die die ganze Szenerie zu kontrollieren scheint. Zwischen dieser Kontrolleurin steht eine Figur, die mit durchsichtiger Folie verkleidet ist. Dieses "Gespenst" wird nie ausgepackt. Die Schau im Lehmbruck-Museum gehört zur vor zwei Jahren gestarteten Reihe "Sculpture 21st", bei der verschiedene bildhauerische Positionen der Gegenwartskunst vorgestellt werden.

Ein etwa lebensgroßes Nashorn ist Blickfang im privaten Museum DKM an der Güntherstraße 13-15. Hier zeigt Johannes Brus Werke, bei denen man an Vergänglichkeit denkt, wobei sich diese Assoziation auf Natur und Kultur bezieht. Das Nashorn wird als eindrucksvolles, gelegentlich auch mythologisch überhöhtes Tier präsentiert, das, wie man befürchtet, vom Aussterben bedroht ist. Als eine fast ausgestorbene Kultur kann man auch die kunstvoll überarbeiteten Fotografien von Maharadschas verstehen, die längst nicht mehr den Glanz und die Ehrfurcht gebietende Haltung repräsentieren, die ihnen einst zu eigen waren.

Neben Nashörnern zeigt Brus auch Elefanten- und Pferde-Skulpturen: allen gemeinsam ist der mehr oder weniger versteckte Hinweis auf deren Lebensende. Ein Skulpturen-Ensemble bezieht sich auch auf die Rolle der Künstler: Zwei Menschengestalten kümmern sich um eine vor ihnen liegende, halb zerstörte Kugel.

Die Ausstellung im Lehmbruck-Museum läuft bis zum 16. Mai, die im Museum DKM bis zum 4. September. Der Katalog kostet in den beiden Museen jeweils 30 Euro, im Buchhandel 35 Euro.

Quelle: RP
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