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Duisburg
Ein literarischer "Streif-Zug" durch die Duisburger Kultur

Duisburg. Im vergangenen Jahr war das Lehmbruck Museum Austragungsort der Lesung mit Autoren der Duisburger Kulturzeitschrift "Streif". Diesmal fand der literarische Streifzug im Stadtfenster-Café der Zentralbibliothek statt. Von Olaf Reifegerste

Vier Jahre lang existiert mittlerweile die Zeitschrift "Streif". Sie erscheint jährlich und ist ein publizistischer Ort von Künstlern für Kunst in dieser Stadt. Herausgegeben wird sie seit 2014 von Holger Albertini, Stacey Blatt, Martin Gensheimer und Elisabeth Höller. Die Ausgabe 2017 erschien Mitte des Jahres, ist 62 Seiten stark und entstand als Gemeinschaftsarbeit von diesmal 25 Mitwirkenden (die RP berichtete). Aus diesem Anlass luden die umtriebigen Herausgeber zur Lesung ins Stadtfenster. Vortragende des Abends waren die Autoren Roland Herden, Sabine Vieweg, Klaus Steffen und Raniero Spahn sowie der Künstler Chinmayo und die Slammerin Elena Nern. Dazu gab es eine Dia-Show mit Fotos und Illustrationen von bildenden Künstlern aus der aktuellen Ausgabe. Die Wortbeiträge boten von Poesie bis Prosa (fast) alles. So gab es Kurzgeschichten und Essays, Berichte und Gedichte, Poetry und Skurriles zu hören. Vieweg beispielsweise las aus ihrer Erzählung "Malena", für die sie 2016 den Literatur-Förderpreis Ruhr erhielt. Diese handelt von einer tanzbegeisterten Frau, die an einem Tangokurs teilnimmt und ihre enttäuschenden Erlebnisse mit verschiedenen Tanzpartnern reflektiert. Die dazu eingespielten Dias zeigten Malerei des verstorbenen Künstlers Heinrich Strunk, dem der Kunstraum "SG1" eine Ausstellung derzeit widmet (die RP berichtete). Daniel Jung dagegen las seinen Aufsatz über 25 Jahre Euro-Rock. Dazu sah man passende Video-Standbilder von Elisabeth Höller. Klaus Steffen, der literarisch gern in sehr eigenwillige Identitäten schlüpft, las hier als Archivar der alltäglichen Schrecken, alias Nicholas Dark, die skurrile Geschichte vom "Duisburger Tod: Sein schwerster Fall". Darin erzählt er vom Besuch Buffalo Bills 1891 in Duisburg, der "ambitionierten Untotenmetrole an Rhein und Ruhr". Darin heißt es: "Lebendige verlassen den verfluchten Ort in der Regel mit Erreichen der Volljährigkeit oder nach Ablegen der Führerscheinprüfung, in der Aussicht, eine erfolgreiche und todesgekrönte Restexistenz in der Fremde aufbauen zu können." Zu einer Besonderheit der "Streif"-Veranstaltung wurde die Lesung zweier Gedichte des ehemaligen Kulturdezernenten der Stadt, Dr. Konrad Schilling, von Chinmayo. Der eine Text ("Junge Generation") stammt aus dem Jahre 1946, den Schilling als 19-Jähriger schrieb, der andere von 2004. Letzterer Beitrag, der ein persönlicher "Rückblick", so auch der Titel, Schillings war, erhielt durch Chinmayos vorgenommene Kürzung und das Weglassen der Ich-Form am Originaltext eine interessante Wirkung von Allgemeingültigkeit.

Quelle: RP
 
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