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Duisburg
Gefälliger Leerlauf und stiller Epilog

Duisburg. Im Mittelpunkt des jüngsten, vierten Philharmonischen Konzerts im Theater am Marientor stand die Deutsche Erstaufführung des Cellokonzerts von dem 1969 geborenen dänischen Komponisten Thomas Agerfeldt Olesen. Von Ingo Hoddick

Der Solist beginnt mit rasanten und ausgedehnten Tonleiterpassagen. Sie kehren im Verlauf der Komposition immer wieder und stellen ein vertrautes Element dar, das allmählich viele Ergänzungen findet. Die Musik ist grundsätzlich tonal mit nur wenigen "schrägeren" Tönen. Das Stück wirkt handwerklich gut gemacht, auch wenn seine Dramaturgie kaum überzeugen kann: Auf viel gefälligen Leerlauf folgt plötzlich ein stiller Epilog.

Das Konzert für Violoncello und Orchester (2014) von dem 1969 geborenen dänischen Komponisten Thomas Agerfeldt Olesen war ein gemeinsamer Kompositionsauftrag des Sinfonieorchesters der dänischen Stadt Aarhus und der Duisburger Philharmoniker, ermöglicht durch die Peter-Klöckner-Stiftung. Zwei Monate nach der Uraufführung in Aarhus gab es jetzt im jüngsten, vierten Philharmonischen Konzert im Theater am Marientor (TaM) die Deutsche Erstaufführung. Manche Besucher fanden selbst diese äußerst gemäßigte Moderne zu ungewohnt. Dass die Aufführung dennoch ein beachtlicher Erfolg war, lag sicher auch an dem wieder einmal sehr suggestiven Spiel des Solisten und Widmungsträgers Nicolas Altstaedt. Um seine fantastisch verinnerlichte Zugabe von Johann Sebastian Bach zu spielen, zog er demonstrativ den Stachel seines wunderbaren, um 1770 in Rom von Giulio Cesare Gigli erbauten Instruments ein, um es wie ein Barockcello zwischen die Beine zu klemmen.

Die Duisburger Philharmoniker waren unter der Leitung von Generalmusikdirektor Giordano Bellincampi unbestechliche Anwälte der Novität. Aber auch die beiden Sinfonien als romantischer Rahmen wirkten wohlgeprobt, blitzblank poliert und manchmal fast zu glatt, dabei jederzeit lebendig. Die eine war die Sinfonie Nr. 3 D-Dur D 200, ein vor genau 200 Jahren entstandenes frühes Meisterwerk von Franz Schubert. Die sollte eher leicht klingen, zugleich aber mit kräftigen Akzenten. Die andere war die Sinfonie Nr. 8 G-Dur op. 88 (1889) von Antonín Dvorák. Die ist im besten Sinne ein bunter Bilderbogen, dessen formale Kraft unterschwellig arbeitet. Sie sollte also frei, aber dennoch schlüssig wirken.

Diese Ideale wurden hier fast erreicht. Es ist immer wieder beeindruckend zu erleben, wie Bellincampi ohne Taktstock luftige Impulse gibt, zum Beispiel wenn zwei Hörner im Finale der Dvorák-Sinfonie jauchzende Triller spielen sollen (und dies sauber schaffen).

Quelle: RP
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