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Duisburg
Klettern rings um die Nordparkhütte

Duisburg: Klettern rings um die Nordparkhütte
Sonja Neuendorf betreut als Hüttenwartin die "niedrigst gelegene Hütte des Alpenvereins". An der Kletterwand (rechts) geht's für Mutige bei Bedarf auch gerne etwas höher hinaus. FOTO: Andreas Probst/Thomas Berns
Duisburg. In der Erzbunkeranlage betreibt die Sektion Duisburg des Deutschen Alpenvereins die größte Outdoor-Kletteranlage Deutschlands. Hier betreut Sonja Neuendorf als Hauswartin die "niedrigst gelegene Hütte des Alpenvereins". Von Peter Klucken

Aus Holland und Belgien und aus ganz Deutschland, sogar aus Bayern, kommen Besucher in den Landschaftspark Duisburg-Nord, um hier zu klettern. In der einstigen Erzbunkeranlage des stillgelegten Meidericher Hüttenwerks hat die Sektion Duisburg des Deutschen Alpenvereins bereits in den 90er Jahren damit begonnen, die Wandflächen mit Haken und Steigbügeln zu versehen. Heute befindet sich im Landschaftspark die größte Outdoor-Kletteranlage Deutschlands.

Auf 4000 Quadratmetern Grund- und 7000 Quadratmeter kletterbarer Wandfläche gibt es rund 550 Kletterrouten. Angeboten werden 500 Meter Klettersteig mit Schwierigkeitsgraden A bis E und eine Drytoolinganlage für Eisgeräte zum Klettern. Die Anlage ist sowohl für Anfänger (Schwierigkeitsgrad II) als auch für Fortgeschrittene (Schwierigkeitsgrad IX) geeignet. Allerdings darf man nicht einfach im "Reich der Türme" drauflosklettern. Mehr als 50 Übungsleiter des Alpenvereins geben Anfängern beim Klettern und Klettersteiggehen in Kursen die nötigen Kenntnisse mit. Mitglieder der Duisburger Sektion des Alpenvereins, die die entsprechenden Trainings absolviert haben, können frei klettern, andere müssen einen kleinen Obolus (sechs oder neun Euro) entrichten. Die Kletteranlage im Landschafspark ist wohl ein Grund dafür, dass die Duisburger Sektion des Alpenvereins mit zurzeit 6500 Mitgliedern der zweitgrößte Sportverein in Duisburg ist (nach dem MSV). Mit Beginn der Sommerzeit sieht man bei einigermaßen gutem Wetter auch zahlreiche Kletterer, die sich mehr oder weniger schnell von unten nach oben und wieder zurück hangeln. Einige trainieren in Duisburg systematisch für Kletterpartien im Hochgebirge, andere haben einfach so Spaß daran, in einem ehemaligen Hüttenwerk in gigantischen Becken zu klettern, wo einst Erze, Koks, Quarzsand und Kalk gelagert wurde. Doch was wären die Alpen ohne Almhütten, in denen man nach einer Kletterpartie einkehren kann? Auch im Landschaftspark gibt es eine solche Hütte. Allerdings ist die "Nordparkhütte" nicht aus Holz gebaut, sondern aus Ziegelsteinen. Eingerichtet wurde sie in der einstigen Möllerwerkstatt. Das denkmalgeschützte Gebäude wurde vom Landschaftspark-Betreiber von außen instandgesetzt; die Inneneinrichtung besorgte der Alpenverein.

FOTO: Thomas Berns

Herz der Nordparkhütte ist Sonja Neuendorf, die, tatkräftig von ihrem Ehemann Horst unterstützt, Hüttenwartin (nicht Hüttenwirtin) der Nordparkhütte ist. Seit 2005 tut sie dies als Mitglied des Alpenvereins ehrenamtlich. Mit einem Schmunzeln sagt sie, dass die Nordparkhütte sich auf 26 Meter über Meereshöhe befindet und damit die "niedrigst gelegene Hütte des Alpenvereins" ist.

Sie ist aber gut besucht. Bis Oktober sind fast alle Wochenenden ausgebucht. Die gemütlich eingerichtete Selbstversorgerhütte verfügt im Erdgeschoss über einen großen Aufenthaltsraum, in der bis zu 40 Menschen Platz finden. Ebenfalls im Erdgeschoss befindet sich eine komplett eingerichtete Küche, in der die Gäste selber kochen können. Im ersten Stock sind zwei Schlafräume mit jeweils acht Betten (Etagenbetten), Duschen und Toiletten. Außerdem befindet sich im ersten Stock ein größerer Seminarraum.

Viele Gäste kommen immer wieder in die Nordparkhütte, berichtet Sonja Neuendorf, die bislang nur gute Erfahrungen mit der jüngeren und älteren "Kundschaft" gemacht hat. Wenn Übernachtungsgäste anreisen, ist Sonja Neuendorf zur Stelle, um das Haus zu zeigen, die Schlüssel zu überreichen und die nötigen Informationen auszutauschen. Dazu gehört beispielsweise, dass die Hütte keine Raststätte ist, sondern ein Haus, in dem man sich selber verköstigt.

Aber genau das ist auch der Reiz für viele Gäste, die Ursprünglichkeit suchen und diese erstaunlicherweise in einem einstigen Industrieort finden, der wieder in die Natur zurückzukehren scheint.

Nicht zuletzt kommen auch gerne junge Leute in die Nordparkhütte. "Die können dann auch spät abends hier noch laut sein, das stört normalerweise niemanden", sagt Sonja Neuendorf, deren verständnisvolle Fröhlichkeit hervorragend zur unbeschwerten Nordparkhütten-Atmosphäre passt.

Info für Kletterkurse und Übernachtung: www.dav-duisburg.de oder Telefon 0203 428120.

Quelle: RP
 
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