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Duisburg
"ruhrKUNSTort": quirlig, umtriebig und zuweilen auch schrill

Duisburg: "ruhrKUNSTort": quirlig, umtriebig und zuweilen auch schrill
Die Gründer und Betreiber (von links): Arno Bortz (Bildhauer), Britta Odenthal (Fotografin und Malerin) und Ralf Lüttmann (Nature-Art Künstler). FOTO: Foto Ingo Grüning
Duisburg. Vor drei Jahren wurde das Kunstquartier eröffnet. Bei der Geburtstagsfeier wurde Bilanz gezogen. "Gentrifizierung" wird zum Problem. Von Olaf Reifegerste

Mit den Duisburger Akzenten im Kulturhauptstadtjahr fing alles an. Da wurde nämlich der Hafenstadtteil Ruhrort von der damaligen RUHR.2010 zum Kreativquartier ernannt. Seitdem siedelten sich dort vermehrt Kreativwirtschaftler und Kulturschaffende aus der Region und darüber hinaus an: So auch 2012 der "ruhrKUNSTort" in einem leer stehenden Ladenlokal auf der Fabrikstraße 23. Jetzt feierte das Kunstquartier sein dreijähriges Bestehen. Zu diesem Geburtstag fanden sich rund 100 Gratulanten aus Nah und Fern ein und feierten zusammen mit den Betreibern Britta Odenthal, Arno Bortz und Ralf Lüttmann ausgelassen bis in den frühen Morgen.

"Der 'ruhrKUNSTort'", würdigte Dr. Bernhard Weber, Co-Moderator des Kreativquartiers Ruhrort und Leiter des Binnenschifffahrtsmuseums in seiner Grußbotschaft, "ist ein beliebter und zugleich belebter Ort hier im Stadtteil, der ein Stück Lebenskunst vermittelt. Er ist mit das beste, was Ruhrort in Sachen Kunst und Kultur zu bieten hat, denn er ist quirlig, umtriebig und zuweilen auch schrill." Noch immer halte im Übrigen die kulturelle Welle von 2010 in Ruhrort an, auf der man nach wie vor wunderbar kreativ surfen könne, so Weber. "Alles ist hier gut vernetzt, viele sind überall dabei, auch 'ruhrKUNSTort', ob beim 'Offenen Atelier' der Stadt, dem Kunst- und Kulturmarkt des Hafenfestes oder beim 'Lebendigen Adventskalender' im Kreativquartier." Für Britta Odenthal, die leidenschaftliche Fotografin und Malerin in dem Künstler-Trio, ist "ruhrKUNSTort" vor allem Kulturwerkstatt und Künstlertreff. "Hier können Künstler unterschiedlicher Sparten sich kreativ austauschen, ihre jeweiligen Künste zeigen und darbieten und sich einem breiteren Publikum bekanntmachen. Wir sind keine Galerie, sondern sind ein offenes Haus mit Atelier und Ausstellung, in dem auch Konzerte, Partys und Lesungen stattfinden." So stellten in jüngster Zeit beispielsweise die Fotografen HH Bergmann und Silvia Thimm sowie der Zeichner Dirk Visser ihre Bilder aus, musizierten die Klangkünstlerin Samirah Al-Amerie sowie die Gruppen "Firefly", die am 5. September erneut zu Gast sein wird, und "Alias Eye" im Rahmen der neuen "WohnzimmerKonzert"-Reihe und lasen die Autoren Christian Scherber, Wolfgang Brunner und Patrizia Vohwinkel aus ihren jeweiligen Werken. Über 20 verschiedene Künstler gastierten mittlerweile seit 2012 im "ruhrKUNSTort".

Was vor allem Odenthal aber noch fehle, die einst die Kunstfigur "Frau Meier" malerisch erschuf, jene kleine lebenslustige Frau mit Locken, die besonders in der Welt des Theaters zu Hause ist, sagt sie, ist Tanz und Theater. "Eine Theateraufführung oder ein Tanztheater inmitten der Skulpturen und Objekte von Arno Bortz, der vielen Bilder und Collagen von Ralf Lüttmann oder auch meiner Werke - das hätte was, das wär's." Vielleicht geht ihr Herzenswunsch ja 2016 in Erfüllung, wenn Ruhrort ganz im Zeichen des 300jährigen Jubiläums des Hafens steht, ob zu den Akzenten im Februar/März oder beim Ruhrorter Hafenfest im Juni oder zum eigentlichen Festakt im September. Doch bis dahin gilt es möglicherweise ein Problem zu lösen, das in ganz Ruhrort seit einiger Zeit die Runde macht: das Problem der "Gentrifizierung", der Entmietung, zumindest des inzwischen groß angelegten Immobilienwechsels dort. So hat das Unternehmen Haniel mittlerweile fast alle seine Ruhrorter Immobilien verkauft, während private Investoren sich in diesen offenbar lukrativen Markt ein- und die scheinbar begehrtesten Objekte aufkaufen.

Auch die Fabrikstraße 23, Sitz von "ruhrKUNSTort", gehört dazu. Hier gibt es gleich zwei potenzielle Käufer, die Interesse an dem Wohnhaus mit Ladenlokal zeigen. Beide haben unweit dieser Immobilie bereits mehrere andere Mietobjekte, ob im kleinen oder großen Stile erworben. "Wir warten erstmal ab, was kommt", sagt Odenthal gelassen. "Denn 'ruhrKUNSTort' gehört nach Ruhrort, wie der Name schon sagt."

Quelle: RP
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