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Duisburg
Stäbler und Kunsu Shim in Südkorea

Duisburg. Beide folgen einer Einladung des "musiCon Contemporary music"-Ensembles. Von Olaf Reifegerste

Südamerika und die USA waren im vergangenen Jahr zwei wichtige Auslandstourneen für die Duisburger Komponisten Gerhard Stäbler und Kunsu Shim. Jetzt verschlug es die beiden nach Südkorea.

Es war eine Einladung des "musiCon Contemporary music"-Ensembles, die Stäbler und Shim in die architektonisch reizvolle "choeunsook art & life style gallery" von Seoul führten. Das mit Unterstützung der beiden Duisburger von Bohyun Kim 2009 gegründete "musiCon"-Orchester, bestehend aus rund 18 Musikern, spielte in unterschiedlich besetzten Formationen Kompositionen vor allem der beiden Eingeladenen. Im überfüllten 200 Quadratmeter großen Ausstellungsraum standen Performances, Streichquartette und Solowerke auf dem Programm.

"Enjoy!", eine Komposition für Klarinette von Stäbler aus dem Jahre 2013, eröffnete das Publikum sinngemäß auffordernd, die Musik doch zu genießen, den Konzertabend. Dem schloss sich ein Werk des ebenfalls eingeladenen und mitgereisten Klangkünstlers Bernd Bleffert aus Trier an, das "Stock über Stein" heißt und mit einem eigenwillig aussehenden Instrument, bestehend aus einem Stein, einem Metallgitter und 20 verschieden fallenlassenden Holzstöcken, gespielt wird. Bleffert selbst spielte es nach seiner nur aus Zahlen bestehenden Notation. Eine Besonderheit dieses Konzertes war ein vierteiliger Kompositionsblock von Shim: Vergleichbar der wissenschaftlichen Deduktionsmethode ("Vom Allgemeinen zum Besonderen") waren von ihm "Entwurf einer Landschaft" (2015), "In einem Raum" (2015), "Moving Body" (2007) und "Entpuppen" (2000) zu hören. Das erste Werk ist für Streichquartett komponiert, das aus vier zeitgleich gespielten Solostücken besteht und kosmische "Unendlichkeit", wie Shim es nennt, zum Ausdruck bringen soll. In "Entpuppen" (aus "Apart") geht es um das menschliche Innenleben, das Shim dergestalt zum Ausdruck bringt, indem er Stofftieren den Bauch aufschlitzt und ihr Inneres mit seinen Händen pulend nach außen befördert. Zu einem weiteren Höhepunkt des Tourneekonzertes wurde der Vortrag der Stäbler-Komposition "... strike the ear ..." für Streichquartett. 28 Jahre nach seiner Entstehung wurde nämlich das Werk erstmals in der vom Komponisten intendierten Sitzordnung der Musiker mit dem Rücken zueinander, das heißt in alle vier Himmelsrichtungen schauend, aufgeführt. In der gleichen Positionierung erklang im Übrigen auch Yves Kleins "Symphonie Monoton - Silence", die nur aus einem einzigen D-Dur-Akkord besteht und 1947 von dem französischen Multikünstler kompositorisch begonnen und erst 1961 fertiggestellt wurde. Am Folgeabend diskutierten Stäbler und Shim zusammen mit ihren Künstlerkollegen Bohyun Kim und Bernd Bleffert vor und mit einem interessierten Publikum aller Generationen über das Thema "Why music?". Dabei entwickelte sich eine spannende Debatte über ästhetische, soziale und politische Positionen westlicher und östlicher Musik.

Während Bleffert mehr die Wurzeln der Musik hinterfragte, ist diese für Shim und Stäbler eine eher soziale und politische Angelegenheit: "Musik ist ein Beitrag, sich Fremdem zu öffnen. Das wiederum vergrößert den Weitblick und das Weltbild der Menschheit", so die beiden Duisburger.

Quelle: RP
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