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Duisburg
UDE: Virtueller Assistent für Senioren und Behinderte

Duisburg. Er führt den Terminkalender, erinnert an die tägliche Sportübung oder den fälligen Telefonanruf: der virtuelle Assistent führt seine Nutzerin oder seinen Nutzerin behutsam durch den Tag, wenn die Kräfte langsam nachlassen. So kann er mit dafür sorgen, dass Senioren oder Menschen mit Behinderung nicht vereinsamen. Das ist das Ziel des neuen Projekts KOMPASS an der Universität Bielefeld, an dem auch Sozialpsychologeninnen sowie Sprach- und Kommunikationsforscherinnen der Universität Duisburg-Essen (UDE) beteiligt sind.

KOMPASS steht für sozial kooperative virtuelle Assistenten als Tagesbegleiter für Menschen mit Unterstützungsbedarf. Kooperationspartner sind die Universität Bielefeld, die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, die UDE und die FH Bielefeld. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 1,98 Millionen Euro gefördert und läuft drei Jahre.

"Normalerweise benutzen wir in unserem Alltag viele verschiedene Technologien, an die man sich anpassen muss. Mit KOMPASS entwickeln wir ein System, das viele Funktionen bündelt und sich an den Menschen anpasst", sagt Projektleiter Professor Dr. Stefan Kopp. Im Mittelpunkt steht ein "virtueller Mitbewohner", der auf einem Smart-TV im Wohn-/Essbereich erscheint und einfach per Sprache kommunizieren kann.

Die Technik wird vor allem für ältere Menschen entwickelt, die Schwierigkeiten damit haben, ihren Alltag zu planen und zu strukturieren. Auch Menschen mit geistiger Beeinträchtigung soll der virtuelle Assistent zur Seite stehen.

In Probeläufen wurde die Technik von Testpersonen bereits jetzt so sehr akzeptiert, dass sie dem virtuellen Charakter auf dem Bildschirm persönliche Fragen stellen oder die Gründe eines Arztbesuches erläutern. Sie empfinden den virtuellen Mitbewohner also mehr als freundliches Gegenüber denn als bloße technische Unterstützung.

Eine große Herausforderung bei der technischen Umsetzung ist, dass der Assistent sich einerseits deutlich ausdrücken muss und andererseits verstehen soll, was der Mensch von ihm möchte.

Der Assistent soll sich dabei an die emotionalen, geistigen und kommunikativen Fähigkeiten der jeweiligen Betreuungsperson anpassen und genau auf deren Bedürfnisse eingehen. 2017 werden drei Versuchspersonen drei Wochen mit dem virtuellen Assistenten zusammen in ihrer Wohnung in Bethel wohnen.

Die Forscher berücksichtigen auch ethische und juristische Fragen: Welche Daten darf der Assistent aufzeichnen? Wann soll es ihm gestattet sein, die Betreuungsperson zu filmen? Wie sehr darf er in den Alltag eingreifen ohne zu bevormunden?

Quelle: RP
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