| 00.00 Uhr
Duisburg
Umwerfender Opernabend
Duisburg. Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg übernahm ihre erfolgreiche Produktion der Oper "Dialogues des carmélites" von Francis Poulenc in ihr Duisburger Haus. Die komplett neue Besetzung passt perfekt. Von Ingo Hoddick

Es gibt wenige derart packende, ja umwerfende Opernabende wie eine Aufführung der Oper "Dialogues des carmélites" ("Gespräche der Karmelitinnen") von Francis Poulenc. Vor allem die erfolgreiche Produktion der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg, die jetzt in deren Duisburger Haus übernommen wurde.

Denn Regisseur Guy Joosten diente einleuchtend dem Stück über ein Nonnenkloster unter der Französischen Revolution, indem er einerseits zeigt, wie eine nur dem Gebet verpflichtete Gemeinschaft von Individuen zur Provokation für eine undifferenzierte Gesellschaft werden kann. Und zugleich klar machte, wie es hier jenseits des Klerikalen um allgemeine Lebensangst und konkrete Todesangst geht.

Oder wie Dramaturg Luc Joosten im klugen Programmheft formulierte: "Das Sprechen über den Tod als Pfeifen im Walde. (...) Die Karmelitinnen und ihre besondere Situation werden zu einer Metapher für ein menschliches Leben am Rande des inneren und äußeren Zusammenbruchs.

Dabei geht es in erster Linie um die Angst, die von außen kommt und uns umringt. (...) Es ist die Angst des Menschen vor Schattenzeiten, vor dem Zurückfallen ins Chaos, vor der Auflösung der Strukturen, die Halt bieten, so dass die Ängste, die man vorübergehend im Griff hatte, wieder freie Bahn haben." Am Ende steht die Versöhnung "mit dem Unversöhnlichen der menschlichen Angst" durch die "Bereitschaft bis in den Tod zu leben."

Perfekt passt in Duisburg die komplett neue Besetzung der vielen, fast ausschließlich weiblichen Rollen. Allen voran zwei Ausnahmesängerinnen. Zum einen die bewährte Sopranistin Sylvia Hamvasi als Hauptfigur Blanche, mit einem enormen Ausdrucks-Spektrum von fast kindlich schlicht bis ergreifend dramatisch.

Zum anderen die Mezzosopranistin Susan Maclean als unglaublich intensive Priorin Mme de Croissy, die sich kurz vor ihrem Tod in Blanche gespiegelt sieht. Erwähnt werden muss zumindest noch Kammersängerin Jeanne Piland als Mère Marie, die das Martyrium predigt.

Da die Duisburger Philharmoniker derzeit mit Konzerten und "Carmen"-Proben ausgelastet sind, sitzen im Orchestergraben die Düsseldorfer Symphoniker. Sie machen ihre Sache gut, obwohl jetzt in der Übernahmepremiere viele Einsätze noch daneben gingen, insbesondere in den Holzbläsern.

Aber Rheinopern-Generalmusikdirektor Axel Kober lässt als Dirigent Poulencs suggestive Musik gut zur Geltung kommen, sowohl streng als auch sinnlich.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung.
Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.


Melden Sie diesen Kommentar