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Serie Duisburger Geschichte Und Geschichten
Wo einst die Aussätzigen lebten

Duisburg. Am 31. Januar ist Welt-Lepra-Tag. Die Siechenhausstraße erinnert daran, dass einst auch hier die Seuche wütete. Von Harald Küst

Der 31. Januar ist zum Welt-Lepra-Tag erklärt worden. Mit dem Verschwinden aus Europa ist die Infektionskrankheit Lepra noch lange nicht besiegt. In Duisburg-Hochfeld erinnert die Siechenhausstraße an schlimme Zeiten.

Die Siechenhausstraße verbindet die Wanheimer Straße und die Heerstraße und geht dort in die Musfeldstraße über. Dort befand sich seit 1447 das Siechenhaus, der Ort, an dem die Duisburger Leprakranken isoliert leben mussten. Von dem eigentlichen Siechenhaus ist nichts mehr zu sehen. Damals war an diesem Ort lautes Wehklagen zu hören - von den vor die Tore der Stadt verbannten Aussätzigen und von dem nahegelegenen Richtplatz. Der Corputiusplan zeigt deutlich, dass sich die beiden Melatenhäuser in der Nähe der mittelalterlichen Richtstätte befanden. Isolation der Aussätzigen war das einzige bekannte Mittel zum Schutz der Gemeinschaft. Rötliche Hautflecken entstellten das Gesicht. Der Leprakranke hatte kein Schmerzempfinden, Verletzungen entzündeten sich zu eiternden Geschwüren. Eine zur Kralle deformierte Hand oder ein von Wunden zerfressener Fuß waren die Folge. Der Ausgestoßene musste eine "Lazarus-Klapper" mit sich führen, damit sollten die Stadtbewohner vor einer Ansteckung gewarnt werden. Wer unter dem Verdacht stand, leprakrank zu sein, musste zur Lepraschau nach Köln, um sich dort im Leprosorium untersuchen zu lassen. Alte Stadtrechnungen zeigen, dass der Rat, aber auch einzelne Bürger und Stiftungen das Leprosenhaus und seine Bewohner finanziell unterstützten. Trotz Isolation ein Zeichen für Mitgefühl und Solidarität. Mit den verbesserten hygienischen Bedingungen verschwand die Lepra am Ende des 16. Jahrhunderts weitgehend aus Europa. Das Siechenhaus wurde geschlossen, 1720 stürzte das Gebäude ein, ohne dass es Verletzte gibt. Der Name "Siechenhausstraße" blieb.

Die Lepra-Hilfsorganisationen wollen am Welt-Lepra-Tag auf die Notwendigkeit der medizinischen und sozialen Betreuung der Erkrankten hinweisen. Fehlende Kenntnisse über Ursachen der schrecklichen Krankheit führen damals wie heute zu Stigmatisierung und Ausgrenzung der Erkrankten. Jährlich erkranken auch heute noch 200.000 Menschen an der Seuche, hauptsächlich in Indien und Brasilien. Die Übertragung des Bakteriums erfolgt durch Tröpfcheninfektion. Tückisch ist die ungewöhnlich lange Inkubationszeit, die im Schnitt etwa fünf Jahre beträgt. Sie kann aber auch 20 Jahre dauern. Die lepratypischen Verstümmelungen sind eine Spätfolge der nicht behandelten Entzündungen. Mit Antibiotika ist die Krankheit heilbar. Aber die hohe Zahl der Infektionen zeigt, dass die Lepra noch lange nicht besiegt ist.

Quelle: RP
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