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Rees
"Donald Trump ist gefährlich"

Donald Trump ist der letzte republikanische Kandidat für Amt des US-Präsidenten
Eduard Wentges verfolgt den Kampf ums Weiße Haus auf US-Nachrichtensendern - und in der Rheinischen Post. FOTO: Foto Michael Scholten
Rees. Der Reeser Eduard Wentges hat viele Jahre in den Vereinigten Staaten gelebt und gearbeitet. Die Kandidatenkür der Republikaner hätte er nicht für möglich gehalten. Von Michael Scholten

Was anfangs kaum jemand für möglich hielt, scheint nun doch wahr zu werden: Donald Trump ist der letzte republikanische Kandidat für das Amt des US-Präsidenten. Im November müssen die Wähler entscheiden, ob sie den umstrittenen Milliardär oder den demokratischen Gegenkandidaten im Weißen Haus sehen wollen. Der Reeser Eduard Wentges, der privat und beruflich viele Jahre in den USA verbracht hat, ist über Trumps Erfolg überrascht: "Ich hatte gehofft, dass die republikanische Partei stark genug gegensteuern würde, um diesen Mann nicht zum Zuge kommen zu lassen."

Dass sich der zotenreich polternde Milliardär letztlich durchsetzen konnte, führt Wentges auf dessen Reichtum und beschränkten Wortschatz zurück: "Der kleine Mann findet ihn gut, weil er eine simple Sprache hat und den amerikanischen Traum verkörpert, dass jeder reich werden kann." Der Reeser ist aber zuversichtlich, dass die US-amerikanische Mittel- und Oberschicht in Donald Trump "den Brandstifter, den er ist", erkennt. Er hält es für unwahrscheinlich, dass jemand wie Trump in Deutschland politisch Fuß fassen könnte: "Wir sind höher gebildet als viele Amerikaner und würden den Braten riechen: Der Kerl ist gefährlich. Auch die deutsche Presse würde sich auf so jemanden stürzen."

Zum Äußersten wird es laut Eduard Wentges in den USA wohl nicht kommen: "Wenn Donald Trump im Juli wirklich offiziell zum Kandidaten gekürt wird, gehe ich davon aus, dass einige Republikaner ihren Stammwählern empfehlen, diesmal lieber die Demokraten zu wählen." Der Reeser wagt die Prognose, dass Hillary Clinton erst ihren parteiinternen Herausforderer Bernie Sanders ("kein Charisma") schlägt und bei den Wahlen schließlich Donald Trump. "Clinton hat das politische Geschäft von der Pike auf gelernt und während der achtjährigen Präsidentschaft ihres Mannes hautnah mitbekommen." Während Clinton laut Wentges "in ganz Amerika die best ausgebildete Frau für diesen Job" ist, kritisiert er Trump als "nicht gerade gebildeten, nur unvorstellbar reichen Mann".

Eduard Wentges, der 1942 in Wesel geboren wurde und 1945 mit seinen Eltern ins kriegszerstörte Rees zog, fühlt sich den USA stark verbunden. Ab 1969 besuchte er mehrmals seinen Bruder Wilhelm, der in den USA für Daimler Benz arbeitete, zwischen 1976 und 2007 war er dann mit Unterbrechungen selbst für drei internationale Firmen in New York und Long Island tätig. Jede Woche telefoniert er mit Freunden in den USA. Das Rentnerdasein genießt er aber lieber in Deutschland: "Klima, Kultur, Rad- und Wanderwege: Da sind wir den Amerikanern weit voraus. Wenn ich in diesen langweiligen Altersresidenzen in Florida leben müsste, würde ich mich vermutlich aufhängen. Und im Vergleich zu Orlando ist sogar der Reeser Marktplatz aufregend", sagt Wentges.

Als sich der Demokrat Bill Clinton 1992 gegen den amtierenden Präsidenten George Bush durchsetzte und vier Jahre später wiedergewählt wurde, erlebte Eduard Wentges beide Wahlkämpfe in New York mit: "Anfangs hielt ich Clinton für einen Clown, aber später fand ich ihn brillant, weil er die Weltpolitik mit leicht verständlichen Worten auf den Punkt brachte." Für George W. Bush findet Wentges dagegen kein gutes Wort: "Er ist ein Flegel reicher Eltern. Ein unbedeutender Sprücheklopfer, der den vorderen Orient destabilisiert hat, weil er - wie die meisten Amerikaner - kein Interesse an fremden Kulturen hat."

Wenn Obama 2017 aus dem Weißen Haus zieht, blickt Wentges mit gemischten Gefühlen auf dessen Amtszeit zurück: "Er ist hochintelligent und sehr sympathisch, aber der unterschwellige Rassismus in den USA hat dazu geführt, dass viele ihm keinen Erfolg gönnten."

Quelle: RP
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