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Isselburg
Ein Buch gegen das Vergessen

Isselburg: Ein Buch gegen das Vergessen
Links: Eheleute Johanna und Ernst Westerhoff mit Sohn Helmut. Rechts: Theodor Hermann Blecking. FOTO: hist. arbeitskreis
Isselburg. Das Schicksal junger Soldaten aus Wertherbuch ist ein interessantes Kapitel kleiner dörflicher und großer Zeitgeschichte. Der Historische Arbeitskreis veröffentlicht das Werk nach langer Recherche. Von Thomas Hesse

Der Umschlag ist wie ein Symbol. Auf der Vorderseite ist eine deutsche Soldatengrabstätte in Kiew zu sehen. Hier ist auch Willi Grieving aus Wertherbruch begraben. Sein Kreuz hat einen Namen. Auf der Rückseite ist eine Gedenktafel für in Stalingrad gefallene Soldaten zu sehen. Zu den namenlos Verscharrten gehörte auch Konrad Heinrich Rudolf Majert, Sohn eines Wertherbrucher Ackerers. Sein Name ist in der schier endlosen Namenfolge des Quaders auf dem Soldatenfriedhof von Rossoschka verzeichnet. Beide Toten sind exemplarisch für Schicksale junger Männer aus dem Dorf Wertherbruch in den Weltkriegen. Nach langer Recherche legt der Historische Arbeitskreis der Alten Herrlichkeit Wertherbruch in diesem Herbst sein Buch über "Kriegsopfer" in Zusammenhang mit Wertherbruch vor. Wie der letzte Fotoband mit Aufnahmen von 1880 bis 1950 steht es unter dem Motto "Bewahrt vor dem Vergessen".

Es geht nicht um Helden, es geht um menschliche Schicksale. Es gibt unglaubliche Lebensgeschichten der Familien. Kinder, die ihren Vater nie kennen lernten, Frauen, die Mann und Söhne verloren, Verlobte, deren Bräutigam nicht zurückkehrte. Die Heimatforscher fanden zwei Familien, die im Zweiten Weltkrieg je fünf ihrer Söhne verloren. "Manche Namen sind durch den Krieg ganz aus dem Dorf verschwunden", sagt Helmut Somsen vom Arbeitskreis. Er berichtet von ersten Recherchen schon vor zehn Jahren. Die weiteten sich aus, weil es viele Kriege und viele Opfer nicht nur auf deutscher Seite gab. Dargestellt werden in erster Linie die Lebensläufe und Schicksale von Kriegsopfern aus und um Wertherbruch. Hierzu gehören Männer und Jugendliche, die aus dem Dorf stammen, hier gelebt haben bzw. geboren wurden. Es gab junge Dörfler, die mit Napoleons Großer Armee nach Russland zogen und nie mehr zurückkehrten. Wenige Tote aus den Kriegen von 1866 und 1870/1871 beklagte das Dorf. Der Erste und Zweite Weltkrieg war eine Katastrophe auch für Wertherbruch. "Wir haben Familienmitglieder gefunden, die über einzelne Gefallene berichten konnten. Wenn wir nicht jetzt die Recherchearbeit gemacht hätten, wäre die Erinnerung ein für allemal verloren", sagt Solmen.

FOTO: NN

Zu den Opfern zählten neben Deutschen auch alliierte Soldaten, die vor allem im März 1945 im Dorf starben, ob bei Gefechten oder auf dem Hauptverbandsplatz auf Gut Rodehorst. Erinnert wird auch an die hingerichteten Soldaten, Ziviltote aus Wertherbruch, alliierte Flieger, ein deutscher Pilot und ein Zwangsarbeiter. "Wegen der vorgestellten auswärtigen Soldaten sollte die Darstellung über den Ort Wertherbruch hinaus von Interesse sein, da sich auch Menschen darunter befinden, die jenseits der B 67 im heutigen Werth oder in Isselburg geboren wurden beziehungsweise sich in der gesamten Stadt Hamminkeln oder Bocholt niederließen", heißt es beim Arbeitskreis. Besonders dem Einsatz von Werner Blecking ist es zu verdanken, dass so viele Biographien erstellt und auch Bilder beschafft wurden. Insgesamt wurden Informationen zu mehr als 200 Opfern zusammengetragen. Im Laufe der Arbeit konnten auch konkrete Schicksale bislang vermisster Soldaten geklärt werden.

Quelle: RP
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