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Rees
ZUE - auch eine Frage des Geldes

Rees: ZUE - auch eine Frage des Geldes
Das ehemalige Bundeswehrdepot in Haldern. Maximal 418 Menschen sollen dort ab dem 1. Juli untergebracht werden, allerdings nicht in den Hallen. Zusammen mit der Flüchtlingsunterkunft am Groiner Kirchweg wird der Standort als eine Zentrale Unterbringungseinrichtung des Landes gezählt. FOTO: markus van offern
Rees. Die Flüchtlingseinrichtung in Haldern, die das Land übernimmt, wird die Stadt Rees viel Geld kosten. Dennoch hält das Rathaus die Entscheidung für richtig, Landeseinrichtung zu werden. Die Alternative wäre deutlich teurer geworden. Von Markus Balser

Voraussichtlich am 1. Juli wird sich das ehemalige Bundeswehrdepot in Halden mit Leben füllen. Dann nämlich wird das Land dort eine so genannte Zentrale Unterbringungseinrichtung für Flüchtlinge (ZUE) eröffnen. Maximal 418 Menschen, und nicht wie ursprünglich geplant über 1300, werden dort dann untergebracht sein - Flüchtlinge, die dort nur einige Wochen verbringen, um dann wieder auf andere Kommunen verteilt zu werden.

Dass es in Haldern zu einer kleineren Lösung kommt, hat - neben dem Brandschutz - vor allem mit den Kosten zu tun. Denn der Ausbau des Depots zu einer Flüchtlingsunterkunft ist für die Stadt Rees finanziell nicht zu stemmen. Zwar wird das Land eine Miete zahlen, doch die reicht bei weitem nicht aus, um die Kosten zu decken - auch nicht bei der jetzt gefundenen Lösung, bei der nur eine abgespeckte Version zum Tragen kommt. Etwa auf der Hälfte der jetzt zu investierenden 6,35 Millionen Euro wird Rees wohl sitzen bleiben.

Dennoch hat sich die Stadt dazu entschieden, als Flüchtlingsstandort eine Landeseinrichtung zu werden. Denn im Rathaus wurde genau nachgerechnet. "Die Alternative wäre gewesen, dass wir geschätzte 800 Flüchtlinge zugewiesen bekommen. Deren Versorgung hätte über fünf Jahre gerechnet zwei Millionen Euro mehr gekostet, als bei der Lösung, die wir jetzt gefunden haben", sagt Kämmerer Andreas Mai. Und dabei seien die Personalkosten, die auf die Stadt in diesem Fall noch zukämen, noch nicht einmal mit eingerechnet. Bürgermeister Christoph Gerwers hält auch daher die jetzt gefundene Lösung für die bessere: "Das Land kann die Flüchtlinge mit einem wesentlich besseren personellen Schlüssel versorgen als wir das jemals könnten." Das sehe man auch an der Einrichtung am Groiner Kirchweg.

Die wird übrigens bestehen bleiben, obwohl das Land NRW eigentlich keine kleineren ZUE unter 500 Menschen mehr betreiben will. Doch für Rees wurde ein Sonderweg gefunden. Die beiden Einrichtungen in Haldern und am Groiner Kirchweg mit etwa 150 Flüchtlingen werden als ein Standort gezählt. Die Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Drogenklinik Horizont kann somit als eine Art Dependance erhalten bleiben.

Die Stadt Rees wird nach Fertigstellung des Geländes in Haldern somit zwei Einrichtungen des Landes beherbergen, in denen insgesamt 568 Flüchtlinge betreut werden können. Nach einem Aufenthalt von maximal drei bis vier Wochen werden die Flüchtlinge dann anderen Kommunen zugewiesen.

Derzeit leben in Rees 340 Flüchtlinge, die von der Kommune betreut werden. Weitere Zuweisungen werden sich zunächst einmal in Grenzen halten, da die in den ZUE untergebrachten Menschen auf das Kontingent der Stadt Rees angerechnet werden. Das verschafft der Stadt etwas Luft. Denn: "Wir stehen aktuell vor dem Problem, dass wir nur noch wenig freien Wohnraum haben, um die zu uns kommenden Flüchtlinge unterzubringen", erklärt Christoph Gerwers.

Doch auch nach dem 1. Juli, wenn das Depot in Haldern zur Flüchtlingsunterkunft geworden ist, wird das Thema die Stadt Rees wohl noch weiter beschäftigen - davon geht man im Rathaus fest aus. "Wenn man sich die schlimme Situation in Syrien anguckt, ist nicht erkennbar, wann der Flüchtlingsstrom einmal wieder abreißen könnte", sagt der Bürgermeister.

Quelle: RP
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